Die unbekannten Rohstoffriesen
Die South Africa Inc.

Kein Unternehmen hat die Industrialisierung Südafrikas so stark geprägt wie Anglo American, der weltgrößte Produzent von Edelmetallen und Diamanten. Seine Wurzeln liegen in den reichen Gold- und Diamantenfeldern um Johannesburg und Kimberley, die der deutschstämmige Firmengründer Ernest (Ernst) Oppenheimer zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aufzukaufen begann.

KAPSTADT. Der für einen südafrikanischen Konzern mit deutschen Wurzeln merkwürdige Name ist ein Tribut an jene US-Investoren, die Oppenheimer 1917 das Startkapital verschafften. Zudem wollte der aus Friedberg bei Frankfurt stammende Bergbaumagnat seine deutsche Herkunft kaschieren, die zur Zeit des ersten Weltkriegs im britisch dominierten Südafrika wenig geschäftsfördernd war.

Heute fördert Anglo American nicht mehr nur im südafrikanischen Bushveld, sondern weltweit, etwa an der chilenischen Pazifikküste und in der kanadischen Tundra. In nur zehn Jahren hat das Unternehmen eine beispiellose Metamorphose vollzogen – von einem fast ganz auf Südafrika beschränkten Konzern zu einem echten Weltunternehmen. Dies ist umso erstaunlicher, als die vom Apartheidsregime verhängten Kapitalexportkontrollen Anglo lange zwangen, das Kapital in Südafrika anzulegen. Noch Mitte der 90er Jahre reichten Anglos Tentakel deshalb in fast jeden Industriezweig am Kap – vom Weinbau über die Zeitungs- und Autoproduktion bis zum Bankwesen –, was ihm den Spitznamen „South Africa Inc“ eintrug.

All dies änderte sich vor sieben Jahren mit dem Umzug von Johannesburg nach London. Nur noch knapp 40 Prozent seines Betriebsgewinns erwirtschaftet Anglo am Kap. Der Wunsch der Anleger nach klaren Strukturen hat dazu geführt, dass Anglo als einziges der großen Bergbauhäuser im gegenwärtigen Rohstoffboom abgespeckt hat.

Jetzt will sich das Unternehmen sogar aus der Goldförderung zurückziehen, also aus jenem Sektor, der einst seinen Aufstieg begründete. Vor sechs Monaten reduzierte Anglo seinen Anteil an der Goldtochter Anglogold Ashanti von 51 auf 41 Prozent. Die Gründe dafür hat der 2007 scheidende Konzernchef Tony Trahar wiederholt genannt: Investoren im Goldsektor hätten andere Erwartungen als Anleger in den übrigen Rohstoffsparten. Und Anglogolds Minen am Kap gehören zu den tiefsten der Welt, die Förderung ist entsprechend teuer und gefährlich.

Ausbauen will Anglo die Geschäfte im lukrativen Platinsektor. So hat der Konzern seinen Anteil an Angloplat, dem weltweit größten Förderer des weißen Edelmetalls, auf 75 Prozent erhöht. Noch ist offen, ob Anglo die Platintochter am Ende von der Börse nimmt und dem eigenen Portefeuille einverleibt. Vor fünf Jahren hatte Anglo die Diamantentochter De Beers zusammen mit den anderen beiden Anteilseignern, der Familie Oppenheimer und dem Staat Botswana, von der Börse genommen. Anglo hält 45 Prozent an De Beers.

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