„Es ist klar, dass diese Widerlinge nur Konkurs angemeldet haben, um die UAW kleinzukriegen“, brüllt Ron Gettelfinger in Detroit vom Podium. Und: „Unsere Botschaft an Corporate America ist: Sie werden das niemals schaffen!“ Ende der Durchsage. So etwas wirkt. Der Investor Cerberus zog seine Offerte zurück, Delphi mit einer Milliardeninvestition aus der Insolvenz zu holen.
Finanzinvestoren sind ein rotes Tuch für die UAW. Und ausgerechnet den Private-Equity-Firmen Cerberus und Blackstone wird das größte Interesse an Chrysler nachgesagt. Daimler-Boss Dieter Zetsche droht so manches Gefecht mit Gewerkschaftschef Gettelfinger. Denn schon bis Ende Mai könnte Daimler-Chrysler das Schicksal seiner US-Tochter besiegelt haben, heißt es in Stuttgart.
„Unsere Präferenz ist, dass Daimler Chrysler behält“, sagte Gewerkschafter Jerry Dias nach dem Gespräch in Stuttgart. „Wenn es doch einen Spin-off geben sollte, dann können wir mit Magna leben.“ Der kanadisch-österreichische Zulieferer von Chrysler hat ebenfalls Interesse an dem US-Autokonzern angemeldet.
Wer das zerrüttete Verhältnis zwischen US-Gewerkschaften und Unternehmen verstehen will, muss zum 26. Mai 1937 zurückblicken. In Dearborn bei Detroit ist es kurz vor zwei Uhr mittags, der Schichtwechsel bei Ford steht an, als sich ein Trupp der UAW auf einer Fußgängerbrücke vor dem River-Rouge-Werk versammelt. Sie wollen Flugblätter verteilen. Ihre Forderung: „Nicht sechs Dollar pro Tag für acht Stunden Arbeit, sondern acht Dollar für sechs Stunden.“ Bei GM und Chrysler hat sich die UAW mit Sitzstreiks das Recht auf Vertretung der Arbeiter schon erstritten.
Gewerkschaften? Da ist Autopionier Henry Ford kategorisch: „Nur über meine Leiche.“ Am 26. Mai 1937 knüppelt sein Werksschutz die Demonstranten auf der Fußgängerbrücke zusammen. Die Schlacht hat als „Battle of the Overpass“ bis heute einen Ehrenplatz in Amerikas Gewerkschaftsgeschichte.
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