Die wenigen Stärken
Auf Gucci und Armani kann Italien bauen

Die italienische Wirtschaft befindet sich in einer schwierigen Lage. Es gibt aber nur wenige Lichtblicke, aber wenigstens auf die Modebranche können sich die Italiener verlassen.
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Es herrscht doch ein wenig italienische Unordnung in der Fabrikhalle. Kisten stehen außerhalb der mit gelben Streifen markierten Felder, ein Berg mit Kartonabfällen türmt sich auf. Seine Leute hätten sehr viel zu tun in diesen Wochen, entschuldigt sich Giancarlo Losma, so viele Aufträge. „Die wird nächsten Montag oder Dienstag in die Schweiz transportiert“, sagt er und zeigt auf eine dunkelgraue Riesenmaschine. Die Geräte weiter links seien für die USA bestimmt.

Losma führt eine Art Mini-Global-Player. 50 Leute arbeiten am Stammsitz in Curno, am Rande Bergamos nordöstlich von Mailand. Weitere 20 werkeln in den Tochterfirmen in Deutschland, Großbritannien, Indien und den Vereinigten Staaten. Losma liefert seine Maschinen auch in andere Teile der Welt, China zählt zu den wichtigsten Absatzmärkten. Elf Millionen Euro wird der 64-Jährige mit seiner kleinen Mannschaft in diesem Jahr umsetzen, 43 Prozent mehr als 2010. Und die Nachfrage aus dem Ausland steigt.

Die Maschinen, die Losma liefert, filtern Giftstoffe aus der Abluft anderer Maschinen. Ein bisschen gilt das auch für Betriebe wie seinen. Sie sorgen dafür, dass das schwache Wachstum des Landes nicht ins Minus rutscht.

Denn es gibt noch mehr Unternehmer wie Losma in der italienischen Industrie, vor allem im Maschinenbau oder in der Modebranche. Die konkurrenzfähigen Unternehmen sitzen nicht nur, aber zum größten Teil im Norden, dem traditionell stärkeren Teil des Landes. An der Autobahn von Mailand nach Venedig reiht sich eine Fabrik an die nächste. Gut die Hälfte aller Italiener lebt in den nördlichen Regionen, doch mehr als 70 Prozent aller Industriebetriebe sind hier beheimatet. Sie sind die Leuchttürme im Dunkel der italienischen Misere, sie zeigen dem Land, wie der Weg aus der Krise aussehen könnte.

Die Italiener haben, so sagt es der Modeunternehmer Michele Tronconi, lange „nur in der Gegenwart gelebt“. In einem Staat, der das Gesundheits- und das Bildungssystem ausbaut, aber keine höheren Steuern verlangt. In einer Gesellschaft, in der Familienbande und Beziehungen über den eigenen Erfolg entscheiden, die Leistung aber nicht zählt. Im Grunde, sagt Roberto Perotti, Ökonom der Mailänder Elite-Universität Bocconi, hat sich das Land suggeriert, in einer Marktwirtschaft leben zu können, ohne die Spielregeln einer solchen beachten zu müssen.

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