Die ZF Friedrichshafen baut Luftschiffe
Der schwebende Untote

Eigentlich hat die Technikgeschichte die Zeppeline längst beerdigt. Doch das Luftschiff ist etwas Besonderes: Es steigt immer wieder heraus aus seinem Grab. Heute verkauft die ZF Friedrichshafen wieder Zeppeline, eines kostet rund 8,5 Millionen Euro.

FRIEDRICHSHAFEN/MÜNCHEN. Ferdinand Graf von Zeppelin sitzt am Nachmittag des 5. August 1908 im Gasthaus "Hirsch" in Echterdingen nahe Stuttgart und stärkt sich bei Braten, Rotkraut und einem Schoppen Lemberger. Auf der Wiese draußen vor der Tür hat sein Luftschiff eine Zwischenlandung einlegen müssen. Während der Sternfahrt von Friedrichshafen am Bodensee nach Mainz und zurück hat ein Motorschaden den 136 Meter langen Giganten lahmgelegt. Jetzt zieht der Zeppelin Hunderte von Schaulustigen an. Fabriken schließen, Schulen geben frei. Von einer "Völkerwanderung" schreibt die Lokalzeitung. Vor dem "Hirschen" singen die Leute für den Grafen das Deutschlandlied.

Das Luftschiff, es ist eine nationale Angelegenheit, ein Symbol für die Leistungsfähigkeit der aufstrebenden Nation. Und ein gewagtes Rüstungsprojekt, die Sternfahrt gilt der kaiserlichen Armee als Bewährungsprobe. Technisch ist die 24-Stunden-Tour von Friedrichshafen nach Mainz und Retour eine Weltsensation - haben doch Flugzeuge zu dieser Zeit noch Mühe, sich eine Stunde in der Luft zu halten.

Da passiert die Katastrophe. Gegen 15 Uhr reißt eine Windböe das Luftschiff los. "LZ 4" steigt abrupt in die Höhe. 60 Soldaten an den Halteseilen versuchen, den Koloss zu halten - vergeblich. In einigen Obstbäumen verfängt er sich, dann gehen 15 000 Kubikmeter Wasserstoff in Flammen auf. Es ist ein Inferno, nur kommen, anders als bei der Explosion der Hindenburg 29 Jahre später, keine Menschen ums Leben. Als der Graf das Wrack sieht, bricht er in Tränen aus.

Doch der Zeppelin wird zum Symbol für schwierige Zeiten, aus einem Totalverlust gewinnt der Graf neue Energie. Er lässt sich von der Katastrophe nicht abschrecken, im Gegenteil. Während Kaiser Wilhelm II mit preußischer Häme spottet, Zeppelin sei doch "der Dümmste aller Süddeutschen", macht sich der Erfinder an die Aufbauarbeit. Das Unglück von 1908 wird so zum Beginn einer großen Unternehmensgeschichte.

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