Die Zukunft der Industrie.
„Innovation ist unendlich“

Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, über die Grenzen des Outsourcings, die Chancen der Globalisierung und die Schwächen in der Forschung.

Handelsblatt: Herr Thumann, lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen. Die westlichen Staaten wandeln sich zunehmend von Industrie- zu Dienstleistungsgesellschaften. Hat Industrie in Deutschland eine Zukunft?

Thumann: Die westeuropäischen Länder und die USA müssen einen Kern an industrieller Fertigung behalten. Die Verlagerung von Teilen oder auch kompletten Unternehmen in Niedriglohnländer wird nicht im selben Tempo weitergehen, wie wir das in den letzten Jahren erlebt haben.

Das überrascht uns. Wieso sollte sich das ändern?

Lassen Sie es mich salopp formulieren: Wir können nicht davon leben, dass wir uns gegenseitig nur die Haare schneiden. Ein Land mit über 80 Millionen Einwohnern kann nicht nur mit Dienstleistungen existieren. Worauf wir uns aber sehr wohl einstellen müssen, ist eine weitere Umschichtung innerhalb der Industrie. Die Fertigung von Massengütern, die wir nicht ausreichend automatisieren können, um sie an unseren Hochlohnstandorten erfolgreich halten zu können, ist gefährdet. Hier müssen wir uns damit abfinden, dass diese Fertigung komplett verlagert wird.

Welchen Anteil an industrieller Fertigung müssen wir langfristig in Deutschland halten?

Zurzeit haben wir, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, einen Anteil von knapp einem Viertel. Sicherlich werden wir noch einige Prozentpunkte verlieren. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich die Zahl noch halbiert. Die Japaner machen uns zurzeit vor, wie man den Prozess der Deindustrialisierung stoppen kann. Nachdem das Land über eine Dekade lang stagnierte, hat es jetzt wieder die Kraft, Höchsttechnologie im eigenen Land zu fördern, Forschung und Entwicklung voranzutreiben.

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