Diebold-Wincor: Geldautomaten-Übernahme glückt in letzter Minute

Diebold-Wincor
Geldautomaten-Übernahme glückt in letzter Minute

Die Hängepartie ist vorbei: Im letzten Moment glückt dem US-Geldautomatenhersteller Diebold die Übernahme des deutschen Konkurrenten Wincor Nixdorf. Wenige Stunden später wäre der Deal geplatzt.

DüsseldorfEs war bis zuletzt eine Zitterpartie: Bis Dienstag um Mitternacht hatten die Eigentümer des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf Zeit, das Angebot der US-Konkurrenten Diebold zu akzeptieren. Nun ist die Übernahme im letzten Moment geglückt.

Das Ergebnis: 68,9 Prozent stimmten für den Deal, der aus der Nummer zwei und drei einen ebenbürtigen Konkurrenten zum bisherigen Marktführer NCR formt. Da Wincor Nixdorf fast ein Zehntel seines Grundkapitals selbst hält, ergibt das zusammen eine Dreiviertel-Mehrheit der Amerikaner an dem deutschen Traditionskonzern. Auf mindestens 75 Prozent hatte Diebold-Chef Andy Mattes die Messlatte gelegt. 38,98 Euro und 0,434 Diebold-Anteile für jede Wincor-Aktie lautete das Gebot, das Mattes den Investoren unterbreitet hatte.

Mit einem Kraftakt hatte der frühere Siemens-Manager und gebürtige Deutsche noch eine Woche zuvor auf einer Werbetour durch 13 europäische Städte versucht, noch zögernde Anteilseigner zur Annahme des Angebots zu bewegen. Vor allem Hedgefonds sollen versucht haben, ihre Anteile bis zur letzten Minute in der Hoffnung zurückzuhalten, dass Diebold seine Offerte kurz vor Schluss noch einmal erhöht.

Mattes hatte das jedoch immer mit dem Hinweis abgelehnt, dies sei wirtschaftlich schwierig. Wer bislang das Angebot noch nicht akzeptiert hat, kann seine Papiere zwischen dem 30. März und dem 12. April nachträglich einreichen. Noch steht die Genehmigung der Behörden aus, damit die Amerikaner die Übernahme wie geplant bis zum Sommer abwickeln können.

Wincor und Diebold formen nun einen Konzern, der auf 4,8 Milliarden Euro Jahresumsatz kommt und rund 25.000 Menschen beschäftigt. Mattes erhofft sich durch den Zusammenschluss wenigsten 160 Millionen Dollar (knapp 150 Millionen Euro) an Einsparungen.

Beide Unternehmen wollen zusammen unter anderem ihre Produktion von Bankautomaten, aber vor allem ihre Serviceleistungen bündeln. Gleichzeitig soll das Angebot an IT- und Software-Produkten deutlich ausgeweitet werden. Entlassungen seien aber nicht geplant, hatte Mattes immer wieder betont. Zwar könnten doppelte Standorte aufgegeben werden, ein Stellenabbau sei aber lediglich im einstelligen Prozentbereich geplant.

Beide Unternehmen ergänzen sich vor allem regional: Wincor ist vor allem in Europa stark, Diebold in Nordamerika. Rund eine Million Geldautomaten haben beide weltweit aufgestellt. Die Geldautomaten-Branche steckt derzeit in einem massiven Umbau. In Ländern wie den USA oder Schweden spielt Bargeld eine immer geringere Rolle, sodass sich die Hersteller nach anderen Erlösquellen, etwa als Software- und Dienstleistungs-Anbieter, umsehen müssen.

Wincor kämpft schon seit geraumer Zeit gegen die veränderten Marktbedingungen und hat daher im vergangenen Jahr ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt.

Branchenkenner sehen aber auch die Risiken des Zusammenschlusses: „Das neue Unternehmen wird die gleichen Probleme haben: ein zu geringes Softwareangebot und zu wenig Präsenz in Asien“, erwartet Yasmin Moschitz von der Commerzbank. Sie sieht zudem die angepeilten Synergien als „sehr ambitioniert“ an.

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