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Jobs als Druckmittel

Briefzusteller und die Angst vor dem Wegfall des Monopols: Wenn im nächsten Jahr der deutsche Markt für Postzustellung liberalisiert wird, bangen Post und TNT um ihre Umsätze. Beide Unternehmen drohen nun schon im Vorfeld mit Entlassungen und wollen sich so Wettbewerbsvorteile verschaffen.

DÜSSELDORF. Wie sich die Dinge gleichen: Nun droht auch der niederländische Postkonzern TNT mit der Streichung von 11 000 seiner knapp 60 000 Arbeitsplätze. Denn im nächsten Jahr verliert TNT ebenso wie die Deutsche Post sein Brief-Monopol. Post-Chef Klaus Zumwinkel hatte daher bereits mit Arbeitsplatzabbau gedroht. Sollte die Post hier zu Lande durch den Wettbewerb 20 Prozent Marktanteil einbüßen, wären 32 000 der 160 000 Arbeitsplätze bei der Post gefährdet.

Beide Konzerne benutzen offenbar die selben Arbeitsplatz-Rechner. Sie setzen den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen als politische Waffe ein, um Politik und Gewerkschaften weich zu kochen. Weniger hohe Kunst des Lobbying als platte Stimmungsmache.

Gewiss: Beide Konzerne müssen sich auf den Wettbewerb vorbereiten. Um ihre Monopol-Ergebnisse im Briefgeschäft zu sichern, treten sie auf die Kostenbremse und drehen an der Preissschraube – soweit dies überhaupt zulässig ist. Im April hatte TNT bereits angekündigt, bis zu 7000 Arbeitsplätze streichen zu wollen und das Lohnniveau einzufrieren. Bis 2015 wollen die Niederländer so 300 Millionen Euro einsparen. Bereits damals kursierte ein „Worst-case-Szenario“. Sollte TNT mit der Gewerkschaft CNV keine Einigung darüber erzielen, müssten nicht 7 000 sondern 11 000 Jobs wegfallen. Auf einer China-Reise hat TNT-Chef Peter Bakker die Drohung jetzt wiederholt – pünktlich vor den in Kürze beginnenden Verhandlungen mit der CNV. Eine Gewerkschaftssprecherin bezeichnete die Äußerung dann auch treffend als „Warmlaufen“ vor den Gesprächen.

TNT und Deutsche Post werden offenbar zunehmend nervös. Der Wettbewerbsdruck steigt. Pikanterweise sind beide Konzerne auch die jeweils mächtigsten Konkurrenten auf dem Heimatmarkt des anderen. Da sie eine Verlängerung des Briefmonpols trotz heftigstem Werben nicht erreichen konnten, soll das nun Konsequenzen für die Mitarbeiter haben. TNT ist der größte Arbeitgeber der Niederlande.

Als Zumwinkels Truppen bemerkten, dass Drohgebärden nichts bewirken, hatten sie einen neuen Einfall: Wenn schon Wettbewerb, dann möglichst mit geschwächten Konkurrenten. Als Werkzeug wählten sie einen (hohen) Mindestlohn und gründeten auch rasch noch einen Arbeitgeberverband, um sich ganz schnell mit Verdi einig zu werden. Frei nach dem Motto: An der Post führt kein Weg vorbei. Doch die Überrumpelungstaktik scheint nicht aufzugehen. Denn die Post hat einen Haustarifvertrag. Außerdem wurde der Widerstand aufrechter Wettbewerbspolitiker unterschätzt.

TNT-Chef Bakker versucht es dagegen mit Wettbewerb: In Deutschland gehört TNT neben der von der Axel-Springer-Verlagsgruppe beherrschten PIN Group zu den Unternehmen, die der Post kräftig Marktanteile abluchsen. Wen wundert's: Während die Niederlande gerade einmal so groß sind wie das Bundesland Nordrhein-Westfalen, ist Deutschland einer der größten Briefmärkte Europas und dazu ab 2008 noch voll liberalisiert. Ein Einstieg lohnt sich. Für die Post dürfte dagegen in Holland wenig zu holen sein. Es überrascht nicht, dass TNT Post, die deutsche Brieftochter, hier zu Lande Front gegen Versuche der Post macht, den Wettbewerb zu schwächen. Mindestlöhne will TNT sich nicht von einem von der Post dominierten Arbeitgeberverband vorschreiben lassen.

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