Diesel-Affäre
Drei konkrete Beschuldigte bei Zulieferer Bosch

In der Diesel-Affäre kristallisieren sich konkrete Beschuldigte heraus. Die Staatsanwaltschaft hat gegen drei Bosch-Manager ein Verfahren eingeleitet. Auch ein Mitarbeiter von Porsche steht im Visier.
  • 0

StuttgartDie Staatsanwaltschaft Stuttgart hat bei ihren Ermittlungen gegen den Autozulieferer Bosch im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre nun drei Beschäftigte des Konzerns im Visier. Gegen sie wurde ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW-Fahrzeugen eingeleitet, wie ein Behördensprecher dem Handelsblatt bestätigte.

Es gehe um Führungskräfte mit Personalverantwortung. Der hierarchisch höchste Beschuldigte gehöre dem mittleren Management an. Eine Erhärtung des Verdachts ist damit nicht verbunden. Allerdings ist die Konkretisierung auf Personen eine Vorbedingung für eine mögliche Anklage. Bosch macht als einer der weltweit wichtigsten Autozulieferer unter anderem mit seiner Dieseltechnik viel Geschäft.

Im Fall Daimler ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin gegen unbekannte Bosch-Mitarbeiter. Bosch droht zudem ein drittes Verfahren – in Bezug auf den Autobauer Fiat prüft die Staatsanwaltschaft, ob auch hier ein Anfangsverdacht besteht. Zudem gebe es Vorermittlungen gegen Mitarbeiter des Sportwagenbauers Porsche AG wegen möglicher Beihilfe zum Abgasbetrug, sagte ein Sprecher der Strafverfolger. Bisher sei allerdings kein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Dem Autobauer lagen noch keine Details zu dem Fall vor. Ein Sprecher versicherte, dass Porsche mit den Behörden wie üblich in Rechtsfällen kooperieren werde.

Auch ein Bosch-Sprecher betonte, der Konzern nehme die Vorwürfe der Manipulation von Dieselsoftware sehr ernst. „Bosch unterstützt seit Bekanntwerden der Vorwürfe die laufenden Ermittlungen und kooperiert uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden“, sagte der Sprecher.

Zu Details auch der seit knapp zwei Jahren laufenden internen Ermittlungen des Konzerns sowie personellen Konsequenzen wollte der Sprecher nichts sagen. Es gelte bis zur Aufklärung zum Schutz der Mitarbeiter die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft rechnet noch mit längeren Ermittlungen. Als Indiz für die umfängliche Kooperation von Bosch mit den Behörden gilt die Tatsache, dass der weltgrößte Automobilzulieferer – anders als die Kunden Daimler und VW – bislang von Hausdurchsuchungen verschont blieb. In einem Zivilverfahren in den USA zahlte Bosch bereits 300 Millionen Euro für einen Vergleich. Der Konzern ersparte sich damit einen langwierigen Gerichtsprozess, sieht aber in der Zahlung keinerlei Schuldeingeständnis. Bosch hatte die Rückstellungen für rechtliche Risiken um 300 Millionen Euro auf über eine Milliarde Euro in der Bilanz erhöht.

Der Abgasskandal begann im September 2015 bei Volkswagen. Bosch hatte Software an VW geliefert, mit der der Wolfsburger Autobauer die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen manipulierte. Als weltgrößter Zulieferer von Motorsteuerungen sind die Schwaben in allen anhängigen Straf- und Zivilverfahren in den USA und Europa wegen des Verdachts der Beihilfe verwickelt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Diesel-Affäre: Drei konkrete Beschuldigte bei Zulieferer Bosch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%