Diesel-Skandal von VW
Weil kritisiert Winterkorn – durch die Hintertür

Niedersachsens Ministerpräsident Weil hat als Aufseher von VW jahrelang Ex-Chef Winterkorn beaufsichtigt. Jetzt bemängelt er die Kritikkultur. Gleichzeitig geraten immer mehr Mitarbeiter in den Fokus der Ermittler.

Hannover/WolfsburgVW-Aufsichtsrat Stephan Weil hat dem kriselnden Autobauer eine rückständige Kritikkultur vorgeworfen. Es herrsche großer Nachholbedarf bei den Vorstellungen von Führung, Eigenverantwortlichkeit und Teamwork, sagte der niedersächsische Ministerpräsident der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). „Was wir bei VW sehr schmerzlich feststellen, ist, dass die Bereitschaft, rechtzeitig auch dann auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, wenn man sie nicht persönlich zu verantworten hat, nicht ausreichend entwickelt ist.“

Der SPD-Politiker forderte: „Man muss von jedem Mitarbeiter erwarten, laut zu sagen: ‚Ich mache nicht mit bei Gesetzesverstößen. Ich warne laut und deutlich vor Fehlentwicklungen. Ich betrachte mich als mündiges Mitglied dieser Organisation.‘“

Im VW-Konzern herrschte Insidern zufolge im Management jahrelang ein geradezu militärisches Führungsprinzip. Der „Spiegel“ umschrieb das Klima unter dem im Abgas-Skandal inzwischen zurückgetretenen VW-Boss Martin Winterkorn einmal als „Nordkorea minus Arbeitslager“.

Erste Weichen sieht Weil mit dem kürzlich beschlossenen Konzernumbau gestellt. Die Marken und Regionen sollen mehr Eigenverantwortlichkeit erhalten. Winterkorn-Nachfolger Matthias Müller hatte in einer Rede vor Top-Managern Mitte Oktober nicht mit Kritik am Vorgänger gespart. Dessen Kontrollzwang und Änderungen in letzter Minute waren legendär.

Weil fand für den 68 Jahre alten Winterkorn auch lobende Worte: „Ich hätte Herrn Winterkorn von Herzen einen anderen Abschied gegönnt.“ Es sei dessen Verdienst, Volkswagen groß gemacht zu haben. Niedersachsen habe durch VW unter Winterkorns Ägide 40.000 neue Jobs gewonnen.

Unterdessen geraten nach der Suspendierung mehrerer Top-Manager weitere Führungskräfte ins Visier der Untersuchungen. „Die Zahl der Verantwortlichen wird sich nicht nur auf eine Handvoll beschränken. Das dürfte eine zweistellige Zahl sein, im Bereich von 10 bis 20“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.

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„Wir werten große Datenmengen aus“

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