Diesel-Skandal: VW setzt neuen Termin für Hauptversammlung an

Diesel-Skandal
VW setzt neuen Termin für Hauptversammlung an

Es ist eine der spannendsten Veranstaltungen des Jahres in der deutschen Wirtschaft: das Aktionärstreffen beim skandalgeschüttelten VW-Konzern. Für die verschobene Hauptversammlung gibt es nun einen neuen Termin.

WolfsburgEuropas größter Autobauer Volkswagen empfängt seine Aktionäre erstmals nach dem Ausbruch des Diesel-Skandals am 22. Juni zur Hauptversammlung. VW hatte Anfang Februar die Jahreszahlen und im Zuge damit auch das Aktionärstreffen wegen zu vieler offener Fragen in der Abgas-Affäre verschoben. Dabei ging es vor allem darum, wie der Konzern die Risiken in den USA für die offene Jahresbilanz finanziell bewertet.

In den Vereinigten Staaten gibt es – anders als hierzulande – keinen genehmigten Plan für einen Rückruf oder Rückkauf der manipulierten Wagen. Seine Jahreszahlen will Volkswagen am 28. April vorlegen. Dies hätte ursprünglich schon in der kommenden Woche geschehen sollen. Die Hauptversammlung baut ebenso auf dem Jahresabschluss auf wie der Bericht fürs erste Quartal, der nun ebenfalls verschoben ist.

Die Hauptversammlung birgt gleich mehrfach Sprengstoff: Zum ersten Mal seit dem Beginn des Diesel-Debakels im vorigen September werden sich Aktionärsschützer mit dem Konzern auf großer öffentlicher Bühne auseinandersetzen. Der Aufsichtsrat wird Rechenschaft ablegen über Lehren aus der Krise – und sein neuer Chef Hans Dieter Pötsch, bisher per Gericht bestellt, soll regulär gewählt werden.

Auch die Entlastung des Vorstands steht dann an. Über die Schuldfrage beim Abgas-Skandal will VW schon Ende April informieren, die Ermittler der Kanzlei Jones Day legen einen Zwischenbericht über die beteiligten Ebenen und Wege vor. Dies wird ebenfalls noch ein Thema bei der Hauptversammlung sein. Ursprünglich war das Treffen der Anteilseigner für den 21. April geplant.

Deutschlands größter Konzern hat Stammaktien, an denen Stimmrechte und damit die Macht hängen. Davon entfallen gut 50 Prozent auf die Muttergesellschaft Porsche SE. In dieser Holding steuern die Familien Porsche und Piëch ihre Beteiligung an Volkswagen, dessen Keimzelle mit dem VW-Käfer auf die Porsches zurückgeht. Zudem hält das Land Niedersachsen mit 20 Prozent der Stämme eine Blockadeposition in der Aktionärskonstellation. Das Scheichtum Katar besitzt 17 Prozent.

Außerdem gibt es stimmrechtslose Vorzugsaktien, die bei der Dividende bevorzugt werden. Diese Papiere haben seit dem Ausbruch der Krise Ende September teils 40 Prozent verloren, aktuell sind es rund 30 Prozent. Auch über die Dividende, die angesichts der Milliardenkosten für die Affäre leiden dürfte, soll die Hauptversammlung abstimmen.

Vor einem Jahr hatten die Aktionäre 4,80 Euro je Stammaktie und 4,86 je stimmrechtsloser Vorzugsaktie beschlossen. Das Land Niedersachsen als Großaktionär strich damit gut 283 Millionen Euro Dividende ein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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