Dieselaffäre in den USA
VW-Manager Schmidt bekennt sich schuldig

VW-Manager Schmidt bekennt sich in der Dieselaffäre vor einem US-Gericht schuldig. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft und eine Geldbuße von bis zu 400.000 Dollar. Mit seinem Geständnis entgeht er einer deutlich höheren Strafe.
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Detroit/New YorkDer seit Anfang des Jahres inhaftierte langjährige Volkswagen-Manager Oliver Schmidt hat sich wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal schuldig bekannt. Der Deutsche, dem die USA Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze vorwerfen, legte am Freitag in Detroit ein Geständnis vor dem zuständigen Richter Sean Cox ab. Durch das Schuldbekenntnis reduziert sich das potenzielle Strafmaß erheblich. Von ursprünglich elf Anklagepunkten wurden neun fallengelassen. Mit dem Geständnis bekennt sich erstmals ein ranghoher VW-Manager zu seiner Verantwortung im Abgas-Skandal.

Dafür gibt Schmidt, der laut Anklage von Februar 2012 bis März 2015 in leitender VW-Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut war, die Chance auf, sich bei einem Prozess verteidigen und einen Freispruch erstreiten zu können. Dem 48-Jährigen drohen nun bis zu sieben Jahre Haft und Geldstrafen von insgesamt bis zu 500.000 Dollar. Zuvor hätte sich die potenzielle Haftstrafe bei einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten im Extremfall auf 169 Jahre summiert.

Sollte der Deal, den Schmidt jetzt mit den US-Behörden vereinbart hat, vom Richter bewilligt werden, könnte das Bußgeld auf eine noch geringere Summe zwischen 40.000 und 400.000 Dollar reduziert werden. Bis zur Entscheidung muss der Angeklagte weiter in Haft bleiben.

Richter Sean Cox wird erst am 6. Dezember 2017 das finale Urteil sprechen. Aber jetzt ist schon klar: Cox dürfte nachsichtig sein, denn bei der Strafermessung wird die Kooperationsbereitschaft von Schmidt berücksichtigen. Wochenlang hat dieser im Dieselskandal mit den US-Ermittlern zusammengearbeitet und ihnen detailliert geschildert, wie er für VW systematisch die amerikanischen Umweltbehörden täuschte.

Im Gegenzug dafür ließ die Staatsanwaltschaft bereits einen dritten Anklagepunkt fallen, den des „Überweisungsbetrugs“. Der hätte Schmidt bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar kosten können.

Das FBI hatte den Deutschen, der von Februar 2012 bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut gewesen war, im Januar in Miami auf der Rückreise aus einem Urlaub festgenommen. Bislang hatte der VW-Angestellte die Vorwürfe zurückgewiesen und auf unschuldig plädiert.

Schmidt ist einer von acht amtierenden und früheren Mitarbeitern des Konzerns, gegen die US-Strafanzeigen gestellt wurden. Bis auf einen Ingenieur, der frühzeitig als Kronzeuge aussagte, werden die anderen Beschuldigten in Deutschland vermutet, von wo ihnen vorerst keine Auslieferung drohen dürfte.

Schmidt spielte eine Schlüsselrolle im Abgasskandal. Der Motorenmanager soll die Konzernführung mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn an der Spitze schon frühzeitig im August 2015 auf die drohenden Milliardenlasten aus der Abgasaffäre hingewiesen haben.

Volkswagen hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, mit einer speziellen Software in großem Stil bei Abgastests getrickst zu haben. Nachdem die rechtlichen Konsequenzen auf Konzernebene durch mehrere milliardenschwere Vergleiche mit Klägern in den USA weitgehend abgeschlossen sind, versuchen die US-Behörden nun mit Hochdruck, die verantwortlichen Führungskräfte strafrechtlich zu belangen.

Mit Material von dpa.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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