Dieselaffäre und die Folgen Ehemaliger VW-Entwicklungsvorstand klagt Bonus ein

Heinz-Jakob Neußer soll von den VW-Abgasmanipulationen gewusst haben und wurde beurlaubt. Nun zieht der Ex-Entwicklungsvorstand gegen seinen Arbeitgeber vor Gericht. Der VW-Manager fordert seinen Bonus in Millionenhöhe.
Update: 23.03.2017 - 16:10 Uhr 2 Kommentare
Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig klagt der Ex-Entwicklungsvorstand bei VW auf die Nachzahlung eines Bonus in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Quelle: dpa
Heinz-Jakob Neußer

Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig klagt der Ex-Entwicklungsvorstand bei VW auf die Nachzahlung eines Bonus in Höhe von 1,4 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

BraunschweigHeinz-Jakob Neußer pocht auf sein Recht. Im September 2015 ist der frühere Entwicklungsvorstand der Marke VW vom Volkswagen-Konzern wegen einer möglichen Verwicklung in die Dieselaffäre beurlaubt worden. Trotzdem will Neußer Geld sehen: Vor dem Arbeitsgericht Braunschweig klagt er auf die Nachzahlung eines Bonus in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Die Forderung Neußers ist aus Volkswagen-Sicht unberechtigt, sagte am Nachmittag ein Konzernsprecher.

Eine Güteverhandlung am Arbeitsgericht Braunschweig brachte am Donnerstag kein Ergebnis. Der Ex-Manager war selbst nicht zu dem Gerichtstermin erschienen. Die Anwälte beider Seiten wollten sich nach der Verhandlung nicht äußern. Zum Inhalt der Klage müssen sie jetzt schriftliche Erklärungen abgeben.

Für den 27. Juni ist der nächste Gerichtstermin geplant, bei dem eine Entscheidung fallen könnte. Richter Lutz Bertram ordnete dafür das persönliche Erscheinen Neußers und eines Vertreters des Unternehmens an.

Neußer ist der wichtigste und ranghöchste Manager aus dem Volkswagen-Konzern, dem eine Beteiligung an der Dieselaffäre zur Last gelegt wird. Er gehört zu einer Gruppe von sieben VW-Beschäftigten, die von den US-Justizbehörden namentlich benannt worden sind und strafrechtlich zu den Beschuldigten gezählt werden.

Heinz-Jakob Neußer droht jederzeit die Verhaftung durch die US-Behörden, deshalb dürfte er nicht mehr in die USA reisen. Der VW-Manager Oliver Schmidt war im Januar bei einem USA-Besuch in Florida verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft wegen seiner angeblichen Beteiligung am Dieselskandal. Außerhalb Deutschlands müssen die Beschuldigten die Auslieferung an die USA befürchten, deshalb dürften sie Deutschland nicht mehr verlassen.

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
1 von 9

Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 8: Rupert Stadler
2 von 9

Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 7: Jochem Heizmann
3 von 9

Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
4 von 9

Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Neußer soll nach Angaben der US-Behörden schon sehr früh in die Affäre verwickelt gewesen sein. Er habe die Manipulationen an den Dieselmotoren vorangetrieben und später deren Aufdeckung durch die US-Justiz und Umweltbehörden blockiert. Der frühere VW-Markenvorstand wird auch im sogenannten „Statement of Facts“ mit den US-Justizbehörden genannt, in dem der VW-Konzern seine Schuld eingestanden hatte.

Auch in Deutschland wird inzwischen gegen Neußer ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig untersucht, ob der VW-Manager wegen Betrugs angeklagt werden kann. 

Startseite

Mehr zu: Dieselaffäre und die Folgen - Ehemaliger VW-Entwicklungsvorstand klagt Bonus ein

2 Kommentare zu "Dieselaffäre und die Folgen: Ehemaliger VW-Entwicklungsvorstand klagt Bonus ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Dr. Neußer hat zwar Maschinenbau studiert.

    Leider scheint es aber so zu sein, dass er das Fach Ethik geschwänzt hat.

    Das hätte er auch nicht belegen müssen, wenn ihm in der Kinderstube moralische Grundsätze vermittelt worden wären.

    Von Bußfertigkeit oder Schuldbewusstsein ist Herr Dr. Neußer meilenweit entfernt; jetzt sehen wir die ungeschminkte, hässliche Fratze des Herrn Dr. Neußer.

    Da befindet er sich mit etlichen sog. "Spitzen"Managern in guter Gesellschaft.

    Gier frisst Anstand, und manchmal auch das Gehirn.

  • Unglaublich: Da droht einerseits Verhaftung, andererseits wird ganz dreist Geld nachgefordert...und der dumme Verbraucher in Deutschland geht leer aus. Gibt es heutzutage eingentlich noch so etwas wie Unrechtsbewusstsein oder sind wir zwischenzeitlich zum Land der Egoisten geworden?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%