Dieselgate-Affäre
VW-Betriebsrat legt sich mit dem Vorstand an

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe. Im Abgas-Skandal wirft die Arbeitnehmervertretung dem Vorstand Konzeptlosigkeit und einseitige Sparwut auf Kosten der Belegschaft vor – ausgerechnet kurz vor einem wichtigen Treffen.
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WolfsburgMitten in der Aufarbeitung des VW-Abgasskandals droht ein massiver Konflikt zwischen dem mächtigen Betriebsrat und der Unternehmensspitze. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh äußerte scharfe Kritik an VW-Konzernchef Matthias Müller. „Der Betriebsrat wird bewusst außen vor gelassen. Der Vorstand verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage“, sagte Osterloh am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. In einem Brief an die Belegschaft, welcher der dpa vorlag, schrieb Osterloh: „Wer die Axt bei Volkswagen an die demokratischen Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten legen will, der gefährdet den sozialen Frieden und die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens.“

Osterloh schloss zudem einen Wechsel als Personalchef in den Vorstand aus - darüber war lange spekuliert worden. Seine massive Kritik am Top-Management kommt kurz vor einem Treffen des VW-Aufsichtsrats am kommenden Montag. Der neue VW-Chef Müller hatte wegen der immensen Kosten des Abgas-Skandals angekündigt, den Sparkurs bei Volkswagen zu verschärfen.

Osterloh vermisst ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Bewältigung der Affäre, wie er der Belegschaft schrieb. In dem Brief richtet sich Osterloh an Konzernchef Müller und VW-Markenchef Herbert Diess mit den Worten: „Wir können nur an die Herren Müller und Diess appellieren, gerade in diesen Tagen die Einigkeit zwischen Beschäftigten und Management nicht weiter durch Sprachlosigkeit auf eine Zerreißprobe zu stellen.“

Auf dpa-Anfrage sagte Osterloh, der lange als Nachfolger für den Ende November ausscheidenden Personalvorstand Horst Neumann gehandelt wurde: „Ein Wechsel auf den Posten des Personalvorstands kommt für mich nicht infrage. Wir erleben derzeit, wie der Vorstand agiert und dabei die Interessen der Beschäftigten vollkommen außer Acht lässt.“

Osterloh betonte: „In einer solchen Situation der Unsicherheit lasse ich meine Kolleginnen und Kollegen, die mich gewählt haben, um Ihre Interessen zu vertreten, nicht allein.“ Er fügte an: „Jetzt geht es um den maximalen Schutz der Beschäftigten, die anscheinend doch die Krise zahlen sollen, die andere verursacht haben.“

Am Sonntagabend treffen sich laut dpa-Informationen die Aufsichtsräte des sogenannten „Sonderausschusses Dieselmotoren“. Unter Führung von VW-Großaktionär Wolfgang Porsche beraten sie die jüngste Lage. Mit dabei ist dort auch Osterloh. Am Montag treffen sich in Wolfsburg morgens die sechsköpfige Spitze des Aufsichtsrats und später dann alle 20 Kontrolleure.

Im Brief an die Mitarbeiter schreibt Osterloh über die Aufsichtsratssitzung, der Betriebsrat werde „dem Vorstand sämtliche Fragen zur Planungsrunde stellen, die momentan unbeantwortet sind. Hier geht es um die Zukunft unserer Arbeitsplätze und die Zukunft unseres Unternehmens!“ Man wolle wissen, wie und welche Zukunftsthemen bei Volkswagen künftig Vorrang genießen sollen.

Die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat hat, verankert in besonderen Bestimmungen, das ungewöhnliche Druckmittel, Weichenstellungen zu blockieren. Dazu zählen Modellentscheidungen oder Werkserweiterungen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Staat hat in der Vergangenheit von den unrechtmäßigen Gewinnen über entsprechende Steuern profitiert - nur muss er eben auch zurückgeben. Warum sollte ausgerechnet der Staat sich an den Betrügereien bereichern dürfen?!

    Und nochmal: Herr Osterloh ist Aufsichtsrat, d. h. er hat jede Möglichkeit dem Vorstand seine Vorstellungen und Kritik kundzutun. Was macht er denn dann die ganze zeit, wenn alles so furchtbar ist? Hier will jemand nur von seinem eigenen Versagen ablenken, weiter nichts. Wie Piech schon immer sagte, "gegen die Mitarbeitervetreter kann niemand diesen Konzern führen".

  • Es ist zu einfach, die Bundeskanzlerin für eine so großes strafbares Handeln der Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. Das Unternehmen VW läuft unter dem Schutz des VW-Gesetzes, was auch unbedingt so bleiben sollte. Aber Herr Osterloh möge sich zurück nehmen, denn die moderate Umgangsform mit Betriebsrat und Personal ist mit ein Grund für diese Fehlhandlung.
    Die Rendite stimmte nicht mehr, weil man wesentlich mehr Personal durchschleppt, als die Mitbewerber, vor allem dem Hauptkonkurrenten Toyota. Die Automatisierung hat nicht gereicht!
    Die Kanzlerin war es gerade, die die Abwrackprämie einführte, was VW sehr gut, oder viel zu gut bekommen ist. Es wurde die 5 x 5000-Aktion zur Wiedereinstellung von Personal beschlossen, die dem Steuerzahler viel Geld kostete und VW das mächtig zu seinen Gunsten ausgeschöpft hatte.
    Es wurde die Kurzarbeit verlängert, um das Personal zu schützen!
    Was will denn dieser Schreiber noch, um - vielleicht die Sonderzahlungen für die Mitarbeiter wegen guter Leistungen - abzubauen? Hat das die Kanzlerin schuld? Das ist reichlich dümmlich!
    Hier waren Verbrecher am Werk, Betrüger, die - wenn sie fest stehen - hinter dicke schwedische Gardinen gehören. Die haben Deutschland in einem unermesslichen Maß geschädigt.
    Die werden dieses Riesenunternehmen in den Abgrund stürzen, damit die Hedge-Fonds zunächst klagen können und dann das Werk billig übernehmen können. Was glauben Sie, was dann passiert? Oder Chinesen kaufen mal eben schnell ? Wie gut, daß es noch die Sperrminorität von 20% für Niedersachsen gibt! Wie gut, daß Porsche die vielen Aktien noch im Paket hat !
    Das sind alles Dinge, die man schnell wegdiskutieren will, wo man auf Kapitalisten schimpft!

    Völlig falsch!
    Hier sind es die Sozialisten, die den Schaden mit verursacht haben, nämlich der Betriebsrat und seine Gewerkschaft. Forderung über Forderung - solange Geld da ist, wird verteilt.
    Wenn das mal nicht so läuft, wird der Staat angepumpt. Das nennt man "Umverteilung"

  • Die zeche bezahlen wir steuerzahler.
    denn der konzern wirt auf längere sicht die kosten und und ...als verluste ausweisen und die dann über steuern, abgaben finanzhilfen einsparen ersetzen und somit auch die steuerzahlenden nichteigentümer an den betrugsfolgen beteiligen

    schuld hat aber die bundeskanzlerin
    die regeln für die wirtschaft s"offiziellen" ablehnt und
    töhnt: : " ich setzte auf die freiwilligkeit der wirtschaft "
    als ob auch nur eine führungs"kraft" möglichkeiten zur gewinn maximierung auslassen würde
    ..........................

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