Dieselgate
Mehr Drei-Liter-Diesel in den USA verdächtig

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei VW sind weitere Fahrzeuge ins Visier der Ermittler gelangt, teilte die US-Umweltbehörde mit. Derzeit wird noch geprüft, ob es sich um eine neue Manipulationssoftware handelt.

New YorkDer Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Offenbar sind 75.000 weitere Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen, Audi und Porsche ins Visier der Behörden geraten, als bislang angenommen. Das teilten die US-Umweltbehörde EPA und der kalifornische Luftregulierer CARB am Freitag mit. Anfang November hatten die Behörden dem Wolfsburger Konzern in einer zweiten Welle auch mögliche Manipulationen der großen Diesel-Motoren aus den Modelljahren 2014 bis 2016 hingewiesen. Damals ging es um rund 10.000 Fahrzeuge. Der Autobauer hatte dies zunächst bestritten. Das Dementi herauszugeben sei eine Vorstandsentscheidung gewesen, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr.

Während eines Treffens am Donnerstag hätten Vertreter von VW und Audi gegenüber den Regulierern eingeräumt, dass sich die Ungereimtheiten nicht nur auf die Modelljahre 2014 bis 2016, sondern auf die Modelljahre 2009 bis 2016 erstrecken, heißt es in der Mitteilung. Damit sind insgesamt 85.000 Fahrzeuge mit Drei-Liter-Diesel-Motoren betroffen. Im Kern geht es um einen Motor, der von Audi entwickelt wurde, jedoch nicht nur in den Audi-Modellen A6, A8 und Q5, sondern auch im Porsche Cayenne und im Volkswagen Touareg verwendet wird.

Die Software ist bei den Drei-Liter-Motoren allerdings eine andere, als die, die bei Autos mit kleineren Motoren eingesetzt und bereits als Schummel-Programm („Defeat Device“) enttarnt wurde. Die Behörden hatten am 18. September mitgeteilt, dass 482.000 Autos betroffen seien und damit den Skandal ins Rollen gebracht. Damals lag der Fokus zunächst auf 1,2-, 1,6- und 2-Liter-Motoren.

Die verdächtige Software, um die es nun geht, wird „Auxiliary Emissions Control Device“ (AECD) genannt. Ob es sich dabei um ein Schummelprogramm handelt, muss sich erst zeigen.
Die neuen Vorwürfe gegen VW bezögen sich zunächst vor allem auf Fehler im Zertifizierungsverfahren, sagte ein CARB-Sprecher. Ein Audi-Sprecher räumte ein, eine in Europa legale Software-Funktion sei den amerikanischen Behörden nicht hinreichend gemeldet worden. Sie werde nun umprogrammiert.
Das heiße jedoch nicht zwangsläufig, dass dieses Programm der Manipulation dienen müsse. Ob das der Fall sei, werde noch geprüft. Es liege den Behörden auch kein Schuldeingeständnis von VW dazu vor.
“Auf der Basis dieser Informationen werden EPA und CARB weiter ermitteln und die nötigen Schritte einleiten”, heißt es in der Stellungnahme. Sprecher von VW, Audi und Porsche waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

„Ein besonders unglücklicher Aspekt – neben den Auswirkungen auf die Umwelt – ist, dass VW nun die negativen Schlagzeilen nicht hinter sich lassen kann um den Erneuerungsprozess zu beginnen“, sagt Karl Brauer vom Analysehaus Kelley Blue Book. „Man kann sich nicht von einem Skandal erholen, während er weiter wächst. Man muss erst einmal den Punkt erreichen, an dem alles auf dem Tisch liegt und es keine schlechten Nachrichten mehr gibt – erst dann kann man den Schaden reparieren.“

Die in den USA gehandelten VW-Aktien (ADR) sackten nach der CARB-Mitteilung ab. Die Papiere gaben um vier Prozent nach. Auch im nachbörslichen Handel in Deutschland kamen Volkswagen-Aktien unter Druck: Die VW-Vorzugsaktie notierte gegen 20.30 Uhr bei 105 Euro, nachdem sie den regulären Handel bei 108,45 Euro beendet hatte.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda
Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%