Dieselgate: Neue Verdachtsfälle im Abgasskandal

Dieselgate
Neue Verdachtsfälle im Abgasskandal

Laut einem Ex-Mitarbeiter soll VW in den USA Beweismittel vernichtet haben. Einem Medienbericht zufolge hätten der heutige Chef und der Aufsichtsratsvorsitzende zudem die Risiken des Skandals vor Porsche „verheimlicht“.

Berlin/DüsseldorfDaniel Donovan war eigentlich nur der Überbringer schlechter Nachrichten. Am 18. September, kurz nachdem die US-Umweltbehörde den Dieselskandal bekannt gemacht hatte, rief der Volkswagen-Mitarbeiter in den USA den zuständigen IT-Vorstand an. Das Justizministerium habe angeordnet, sofort alle Datenlöschungen zu stoppen, berichtete Donovan, der damals in einem VW-Büro in Michigan für Datenmanagement zuständig war.

Heute ist Donovan seinen Job los und er erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber: VW soll noch drei Tage lang weiter Daten vernichtet haben. Weil sich Donovan geweigert haben soll, sich an der illegalen Aktion zu beteiligen und weil VW befürchtet hatte, er könnte sich damit an die Behörden wenden, sei er im Dezember zu Unrecht gekündigt worden. Er habe sich geweigert, „sich an Dingen zu beteiligen, von denen er glaubte, sie würden die Justiz behindern“, heißt es in der Klageschrift, die dem Handelsblatt vorliegt.

VW könnte damit auch gegen Gesetze zum Schutz von Whistleblowern verstoßen haben. Denn wenn ein Mitarbeiter seine Vorgesetzten auf illegales Verhalten innerhalb des Unternehmens aufmerksam macht, darf er deswegen nicht gekündigt oder in anderer Weise benachteiligt werden.

Noch bis Anfang Oktober soll VW gewisse Dateien gelöscht haben, heißt es in der Klageschrift. Ein Teil der Daten sei „versehentlich“ gelöscht worden. Bei einem anderen Teil handelte es sich laut Klageschrift um Backup-Dateien. Die seien wiederum auch Tage nach der Anordnung des Justizministeriums gelöscht worden, weil VW schlicht „nicht genug Speicherplatz“ gehabt habe.

Dass das Justizministerium Unternehmen auffordert, alle Daten aufzubewahren, die später im Falle einer Klage relevant sein könnten, ist in den USA Standard. Anfang Januar hat es gemeinsam mit der Umweltbehörde EPA eine zivilrechtliche Klage gegen VW eingereicht. Auch dort wird moniert, dass VW relevante Informationen zurück gehalten und die Arbeit des Ministeriums behindert hätte. „Die Umstände von Herr Donovans Ausscheiden haben keinen Zusammenhang mit dem Diesel-Thema“, sagte eine VW-Sprecherin. „Wir glauben, dass die Klage gegen die Entlassung unbegründet ist.“

Die neuen Vorwürfe kommen in einer turbulenten Zeit für die US-Tochter der Wolfsburger. Vor wenigen Tagen ist der Volkswagenchef in den Vereinigten Staaten, Michael Horn, zurückgetreten.

Doch damit nicht genug. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ (BamS) zufolge sollen Vorstandschef Matthias Müller und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch den Abgasskandal bis zuletzt „verheimlicht“ haben. Das Blatt beruft sich auf das Protokoll einer Vorstandssitzung vom 18. September 2015. Am Abend dieses Tages machte die US-Umweltbehörde EPA die Affäre um manipulierte Abgaswerte publik und kündigte Strafzahlungen in Milliardenhöhe an.

Wenige Stunden zuvor waren laut BamS Müller, damals Porsche-Chef, und Pötsch, damals VW-Finanzvorstand, mit dem damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn bei der Vorstandssitzung der Porsche Holding SE zusammengekommen, die mit Abstand größter VW-Aktionär ist. Bei dem Treffen habe Johannes Lattwein, Leiter Finanzen, zunächst über die Lage der Holding referiert. Dann stehe im Protokoll ein Satz, der der Zeitung zufolge Müller und Pötsch in die Bredouille bringt: „Dr. Lattwein erkundigt sich sodann bei Prof. Winterkorn, Herrn Pötsch und Herrn Müller, ob ihnen für die Porsche SE wesentliche Risiken des Volkswagen-Konzerns bekannt sind, (...) was die Herren verneinen.“

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