Dieselgate und deutsche Firmen in den USA
Selbstbewusstsein Made in Germany

Dieselgate? Ein reines Problem von VW. Manager und Firmen lassen sich in den USA vom Abgasskandal nicht einschüchtern und bauen ihr Geschäft noch aus. Das geht teils so weit, dass sogar Tesla attackiert wird.

New YorkPeter Wittig, der deutsche Botschafter in den USA, brachte eine klare Botschaft mit. „Der VW-Skandal beschädigt nicht das Image von 'made in Germany'“, verkündete er auf einer Veranstaltung der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York. Das war nicht die einzige Äußerung von deutschem Selbstbewusstsein in Amerika.

Martin Richenhagen, Chef des amerikanischen Landmaschinenbauers-Herstellers AGCO, attackierte mit Tesla eine der Ikonen amerikanischer Zukunftsindustrie. „Das ist eine riesige Marketing-Geschichte“, sagte er über den bekannten Hersteller von Elektro-Autos. „Die verdienen kein richtiges Geld, und die Autos sind auch nicht richtig zu Ende konstruiert“, setzte er nach. Seiner Meinung nach ist Tesla ein großes Finanz-Abenteuer zu Lasten des amerikanischen Steuerzahlers.

Walter Maisel, Chef von Kostal North America, widersprach ihm freilich: Seine Firma ist Automobil-Zulieferer und hat da eine andere Perspektive. Maisel ist auch der Überzeugung, dass der VW-Skandal in den USA Jahre lang Folgen haben wird. „Der Diesel-Motor ist hier vorerst tot“, sagte er, „und zwar egal, von welchem Hersteller er kommt.“

Insgesamt lautet die Botschaft der deutschen Unternehmen in den USA: Uns geht es gut, wir bauen unser Geschäft aus. Sorgen bereitet den Firmen immer noch der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften. Drei Viertel von ihnen wollen 2016 neue Leute einstellen, nach 63 Prozent im ablaufenden Jahr, aber fast 70 Prozent haben Schwierigkeiten, Mitarbeiter mit der richtigen Ausbildung zu finden, schreibt die Kammer nach einer Umfrage. Die Deutschen sehen nationale Initiativen für eine bessere Ausbildung als wichtigstes politisches Thema an.

Aber 97 Prozent der Firmen erwarten im kommenden Jahr Wachstum im US-Geschäft. Eine große Rolle wird in Zukunft die Automatisierung spielen, vor allem aber die engere Vernetzung zwischen einzelnen Firmen in der Zulieferkette. Als größte Herausforderung sehen die Mittelständler dabei an, die entsprechenden IT-Projekte sauber umgesetzt zu bekommen. Dieses macht ihnen noch mehr Sorgen als möglicher Datenklau per Internet, der erst auf Platz zwei der befürchteten Risiken kommt.

Die Deutschen profitieren auch davon, dass Angela Merkel in den Augen der amerikanischen Kunden einen guten Job als Bundeskanzlerin macht. Zwar sprechen deutsche Manager nicht gerne über Politik, aber sie haben schon den Eindruck, dass ihnen das politische Image ihres Landes, vor allem die viel bewunderte großzügige Aufnahme von Flüchtlingen, indirekt nützt.

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