Dieselgate
VW ruft europaweit 8,5 Millionen Diesel zurück

Neuer Tiefschlag für Volkswagen: Das Kraftfahrt-Bundesamt lehnt für Deutschland den Plan des Konzerns für einen freiwilligen Rückruf ab. Die Folge: Volkswagen ruft die betroffenen Diesel-Fahrzeuge aus ganz Europa zurück.
  • 59

Berlin/FlensburgMillionen Autofahrer müssen wegen des VW-Abgas-Skandals im nächsten Jahr mit ihrem Diesel in die Werkstatt. Der Volkswagen-Konzern ruft im Abgas-Skandal in ganz Europa rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge zurück. 2,4 Millionen davon entfallen auf Deutschland, wie der Konzern am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte.
Zuvor hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für alle 2,4 Millionen Fahrzeuge mit manipulierter Software in Deutschland angeordnet, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin sagte. Die Großaktion soll Anfang 2016 starten und dürfte sich über Monate hinziehen. Eine freiwillige Reparatur reichte der Behörde nicht aus. Die Halter der betroffenen Wagen müssen erst aktiv werden, wenn sie Post erhalten haben.

Das Bundesamt werde „den Beginn und den Fortgang der Rückrufaktion überwachen“, sagte Dobrindt. Bis Ende Oktober muss Volkswagen der Behörde nun die geplante neue Software für die 2,0-Liter-Modelle vorstellen, bis Ende November die Lösungen für die Fahrzeuge mit 1,6 Litern und 1,2 Litern Hubraum. Betroffen ist vor allem die Kernmarke mit dem VW-Logo, aber auch die VW-Schwestern Audi, Seat, Skoda und einige VW-Nutzfahrzeuge zählen zum Kreis der Marken im Rückruf.

Das KBA hält die Software in den betroffenen Diesel-Fahrzeugen des VW-Konzerns für illegal. Die Behörde vertrete die Auffassung, dass es sich um eine „unzulässige Abschalteinrichtung handelt“, sagte Dobrindt. Er erläuterte, dass 2,4 Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Ursprünglich war von 2,8 Millionen Wagen hierzulande die Rede gewesen - dies ergab sich aus den ursprünglichen Zulassungen. Inzwischen seien aber rund 400 000 Wagen nicht mehr unterwegs.

Die Rückrufaktion sei für jeden Halter verpflichtend, sagte Dobrindt. Für konkretere Aussagen zum Zeitplan sei es noch zu früh, da viele technische Details der Nachbesserung in den Werkstätten noch zu klären seien. Die betroffenen Autofahrer bekommen demnächst Post, in den Schreiben wird dann das weitere Vorgehen erklärt. Für den genauen Ablauf in den Werkstätten stünden zudem noch Prüfungen der von Volkswagen vorgeschlagenen Nachbesserungspläne an.

Die Aktion dürfte sich bis weit ins nächste Jahr ziehen. Mit dem verpflichtenden Rückruf schaltet sich das KBA stark ein und überlässt ihn nicht allein dem Konzern. Europas größter Autobauer hatte Ende September in Aussicht gestellt, einen umfangreichen Katalog mit „technischen Lösungen und Maßnahmen“ zur Bewältigung des Skandals an das Bundesamt zu senden.

VW plant demnach für die von Manipulationen betroffenen Autos mit 2,0 Litern Hubraum reine Software-Lösungen, bei Motoren mit 1,6 Litern Zylindervolumen sei zudem „mit großer Sicherheit“ zusätzlich eine Anpassung in der Motortechnik nötig - also ein Eingriff nicht nur über die Programmierung. Diese Lösung für die 1,6-Liter-Motoren sei nicht vor September 2016 zu erwarten, sagte Dobrindt. Was mit den kleineren 1,2-Liter-Motoren geschieht, blieb zunächst vage.

Der VW-Konzern betont, dass alle neuen Diesel mit der Abgasnorm Euro 6 nicht von dem Skandal betroffen sind. Zudem seien auch diejenigen Wagen, die nun im Rückruf stehen, technisch sicher und fahrbereit.

Der Minister betonte, er gehe davon aus, dass VW in der Lage sei, das Problem zu lösen. „Ob jede einzelne Maßnahme, die jetzt vorgeschlagen ist, geeignet ist dafür, müssen die Fachleute des KBA entsprechend entscheiden.“ Die Anordnungen der Behörde würden vor allem „auch den zeitlichen Faktor betreffen“. VW habe zugesichert, dass den Kunden durch die Umrüstungen keine Kosten entstünden.

Unterdessen kündigte auch Österreich einen verpflichtenden Rückruf an. Dort müssen 363.000 Fahrzeuge in die Werkstatt, beim Zeitplan orientiere man sich an Deutschland, hieß es im österreichischen Verkehrsministerium. Die betroffenen Autofahrer müssten von Porsche Austria verständigt werden.

Kommentare zu " Dieselgate: VW ruft europaweit 8,5 Millionen Diesel zurück"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das soll doch nur vom Sozial Sprengstoff ablenken. Was da kommt ... dagegen ist doch VW pillepalle.

  • Genau Becker, VW der böse Bub hat dich persönlich betrogen #mimimi... Bist wahrscheinlich trotzdem immer gern VW gefahren weil es für den Audi dann finanziell doch nicht gereicht hat. Jetzt bleibt dir nur noch der KIA und die daraus resultierende Häme im Bekanntenkreis die dich schwer zermürbt...

    Und bleib mir mit deinem schwachsinnigen Imageschaden fern - nach Weihnachten hat das jeder schon wieder vergessen.

    Der Einzige der eingesperrt gehört bist Du und deine grün/rote Sippschaft. IHR fügt Deutschland den größten Schaden uberhaupt zu!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%