Dieselgate
Weitere Mega-Klage gegen VW

Mehrere Pensions- und Staatsfonds haben beim Landgericht Braunschweig eine weitere Anlegerklage gegen Volkswagen eingereicht. Unter den Klägern ist einer der weltweit größten Fonds. Die Forderung: 700 Millionen Euro.

DüsseldorfDer Pensionsfonds ist knapp 190 Milliarden US-Dollar schwer. Das California State Teachers' Retirement System gilt damit als größter Rentenfonds für Lehrer in den Vereinigten Staaten. Mit ihm bekommt jetzt der VW-Konzern mächtig Ärger: Der Pensionsfonds ist einer von zahlreichen Klägern, die sich zusammengeschlossen haben, um Schadensersatzansprüche gegen VW geltend zu machen.

Die neue Klage ist für VW auch deshalb so bedrohlich, weil sie von einem großen Prozessfinanzierer begleitet wird. Bentham Europe hat die Klage vorbereitet, die auf Prozesse spezialisierte US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel reichte sie nun bei Gericht ein. Neben der 700-Millionen-Euro-Klage ist eine weitere Klage bereits in Vorbereitung. Sie soll ein Volumen von rund einer Milliarde Euro haben. „Die angeblich fehlende Kenntnis des VW-Vorstands von der systematischen Abgasmanipulation ist aus unserer Sicht eine fadenscheinige Schutzbehauptung“, sagt Klägeranwältin Nadine Herrmann.

Die Investoren werfen dem Konzern vor, in den Jahren 2008 bis 2015 die Steuerungssoftware in Dieselmotoren manipuliert zu haben. Darüber sei der Kapitalmarkt zu spät informiert worden. VW gab erst am 22. September eine erste Pflichtmitteilung, eine sogenannte Ad-hoc-Mitteilung, heraus. Die Aktie brach nach Bekanntwerden des Dieselgate-Skandals teilweise um 40 Prozent ein.

Die Klagewelle ließ nicht lange auf sich warten. Beim Landgericht Braunschweig gehen etliche private und institutionelle Investoren gegen VW vor. Der Streitwert summiert sich inzwischen auf viele Milliarden Euro. Unter den Klägern sind auch etliche Publikumsfonds wie eine Tochter des Versicherungskonzerns Allianz oder die Sparkassen-Tochter Deka. Auch der größte US-Pensionsfonds Calpers will Geld von VW.

Das Landgericht Braunschweig hat bereits angekündigt, die Klagen in einem Musterverfahren zusammenzufassen. Damit wird ein Kläger stellvertretend für alle anderen gegen VW auftreten. Sowohl die Klägeranwälte als auch der VW-Konzern selbst hatten ein solches Verfahren beantragt.

Befeuert werden die Aktionärsklagen durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Gestern hatte die Behörde mitgeteilt, gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und den amtierenden Markenvorstand Herbert Diess wegen des Verdachts auf vorsätzliche Marktmanipulation zu ermitteln. Womöglich haben Winterkorn und Diess tatsächlich zu spät informiert und sich damit strafbar gemacht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch allein die Tatsache, dass die Staatsanwälte einen Anfangsverdacht sehen, ist Wasser auf die Mühlen der Kläger.

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