Dieselskandal

Audi ruft 850.000 Dieselautos zurück

Nach Daimler nun Audi: Die VW-Premiumtochter ruft 850.000 Diesel-Autos zurück. Betroffen sind Sechs- und Achtzylindermotoren mit den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6. Audi will so Fahrverbote verhindern.
Update: 21.07.2017 - 13:09 Uhr 4 Kommentare

EU will Millionen Dieselautos 2018 aus dem Verkehr ziehen

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Nach Daimler will auch Audi mit einer großen Rückrufaktion Fahrverboten für Dieselautos zuvorkommen. Die Ingolstädter VW-Tochter kündigte am Freitag an, bis zu 850.000 Wagen mit Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren der Abgasnormen EU 5 und EU 6 mit neuer Software ausstatten zu wollen. Dabei gehe es um Fahrzeuge in Europa und weiteren Märkten außerhalb Nordamerikas. Die Aktion „in enger Abstimmung mit dem Kraftfahrtbundesamt“ gelte auch für Modelle der Marken Porsche und Volkswagen mit baugleichen Motoren. Für die Kunden sei der Service, wie Audi die Nachrüstung nennt, kostenfrei.

Ziel sei, den Dieselmotor zukunftsfähig zu halten und einen Beitrag zur Luftreinhaltung zu leisten. „Gleichzeitig möchte Audi damit möglichen Fahrverboten entgegenwirken“, hieß es in der Mitteilung weiter. Anfang der Woche hatte Daimler unter dem Druck der Diskussion über Diesel-Fahrverbote und Abgas-Betrugsvermittlungen den Rückruf von insgesamt drei Millionen Pkw der Marke Mercedes-Benz angekündigt.

Alle Motor-Getriebevarianten mit Dieselantrieb würden vom Unternehmen weiterhin auf Unregelmäßigkeiten geprüft, wobei Audi mit den Behörden eng zusammenarbeite. Die nun angebotene Umrüstung sei freiwillig und bestehe auch aus bereits zugesagten Maßnahmen. Anfang Juni war Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit dem Vorwurf „unzulässiger Abschalteinrichtungen“ gegen Audi an die Öffentlichkeit gegangen, dabei handelte es sich um 24.000 Oberklasse-Audis.

Am Dienstag beschloss das bayerische Kabinett Maßnahmen für bessere Luft in den Großstädten des Bundeslandes. Konkret setzt die Staatsregierung auf eine zügige Nachrüstung von Diesel-Autos der bayrischen Hersteller Audi und BMW, die von den Autobauern bezahlt werden sollen. Der Stuttgarter Autobauer Daimler hatte ebenfalls am Dienstag angekündigt, europaweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge nachzubessern.

Anders als die Konkurrenz plant BMW vor dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung in anderthalb Wochen keine Rückrufaktion. „Wir sehen dazu keine Veranlassung vor dem 2. August“, sagte ein Sprecher des Münchner Autobauers am Freitag. Es gebe keinen Grund zur Hektik.

Unterdessen sieht Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller in der Diskussion um Fahrverbote und den Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen eine Kampagne. „Die gegen den Dieselmotor laufende Kampagne ist heftig, der Marktanteil des Diesels rückläufig“, sagte der VW-Vorstandschef der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom Freitag. „Doch man tut dem Diesel unrecht. Ich plädiere für eine sachliche, ausgewogene Diskussion.“ Die neuesten Diesel-Generationen seien „sehr gut“, vor allem beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid-Gases (CO2).

Seit Monaten suchen deutsche Großstädte nach Lösungen, wie sie die Schadstoffbelastung mit den gesundheitsgefährdenden Stickoxiden auf ihren Straßen reduzieren können. In Stuttgart und München drohen insbesondere älteren Diesel-Autos Fahrverbote. In Europa müssen die Autobauer allerdings den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeugflotten in den kommenden Jahren deutlich senken. Ansonsten drohen ihnen wegen EU-Regeln deutliche Strafen.

„Die Realisierung wird sehr hart“, gab Müller zu. Die Dieselmotoren verbrauchen pro gefahrenem Kilometer tendenziell weniger Kraftstoff und stoßen daher auch weniger CO2 aus - so sollen sie bei der Reduktion der Flottenemissionen helfen. Allerdings geht der Trend auch bei Dieselfahrzeugen zu größeren, schwereren Autos mit immer mehr Pferdestärken und dementsprechend höherem Verbrauch.

Diese Autobauer sind im Visier der Diesel-Ermittler
Daimler
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Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen zwei Mitarbeiter des Autobauers wegen des Verdachtes der Abgasmanipulation und strafbarer Werbung. Dabei soll es sich nicht um Vorstandsmitglieder handeln. Ermittelt wird auch gegen weitere Unbekannte. Ende Mai durchsuchten die Strafverfolger mit mehr als 230 Beamten elf Standorte, um Beweise sicherzustellen.

Daimler
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Laut einem Medienbericht wird im Durchsuchungsbeschluss auf eine Million Fahrzeuge verwiesen, die zwischen 2008 und 2016 in Europa und den USA verkauft wurden. In den USA ermitteln das Justizministerium und die Umweltbehörden EPA und CARB ebenfalls, ob Daimler illegale Abschalteinrichtungen einsetzte. Der Konzern erklärte, mit den Behörden zu kooperieren und beiden die gleichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

Volkswagen
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Die Wolfsburger kämpfen juristisch an zahlreichen Fronten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt allein wegen der Manipulation von Dieselabgasen gegen insgesamt 37 Beschuldigte, darunter ist auch der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn (im Bild). Gegen ihn sowie VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren Finanzvorstand und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dieter Pötsch laufen zudem Untersuchungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Insgesamt sind in Braunschweig fünf Verfahren mit 47 Beschuldigten anhängig, darunter auch eines wegen Ordnungswidrigkeit gegen Volkswagen.

Volkswagen
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In den USA hat der Konzern die Einstellung der Verfahren wegen Betrugs gegen ein Schuldeingeständnis und milliardenschwere Schadensersatzzahlungen erreicht. Dort laufen noch strafrechtliche Ermittlungen gegen frühere Manager und Entwickler. Zwei von ihnen sitzen in U-Haft, einer von ihnen gilt als Kronzeuge. Fünf weitere frühere oder beurlaubte VW-Mitarbeiter in Deutschland hat die US-Justiz weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Wegen des Verdachts der Marktmanipulation sind die Strafermittler in Stuttgart auch gegen Verantwortliche des VW-Hauptaktionärs Porsche Automobil Holding SE aktiv geworden. Zuvor war eine Anzeige der Finanzaufsicht BaFin gegen die damals amtierenden Vorstände der Porsche SE eingegangen.

VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Dabei handelt es sich um den heutigen VW-Chef Müller (r.), seinen Vorgänger Winterkorn (l.) sowie den VW-Aufsichtsratschef Pötsch. Eine Anzeige der BaFin richtet sich auch gegen Porsche-Manager Philipp von Hagen, der ebenfalls im Vorstand des VW-Großaktionärs sitzt. Die Vorwürfe drehen sich um die Frage, ob VW die Anleger früh genug über die Erkenntnisse zu Manipulationen informiert hat.

Audi
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In der Dieselaffäre hatte die Staatsanwaltschaft München jüngst erstmals in Deutschland mit einen ehemaligen Audi-Mitarbeiter einen Manager verhaftet. Der Verdacht lautet auf Betrug und unlautere Werbung. Er soll Mitarbeiter der Audi-Motorenentwicklung angewiesen haben, Betrugssoftware anzuwenden. In den USA hat die Justiz Strafanzeige gegen den Manager erhoben, dem sie Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vorwirft. Bei Audi soll die Software ausgetüftelt worden sein, die später auch bei VW zur Manipulation von Dieselabgaswerten eingesetzt wurde.

  • rtr
  • dpa
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4 Kommentare zu "Dieselskandal: Audi ruft 850.000 Dieselautos zurück"

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  • Was hier gerade passiert ist nichts anderes als der Vernichtungsversuch des wichtigsten deutschen Industriezweiges ... der Automobilindustrie. Dass wichtige Leitmedien sich hier an die Spitze setzen und auch mit Spekulativem arbeiten ist unverantwortlich! Auch die Aggressivität verwundert, hier fehlt jegliches Maß.
    Gleichzeitig werden die Folgen für Sozialsysteme und Gemeinwesen aufgrund eines staatlich geduldeten, ja zum Teil geförderten systematischen Asylmissbrauchs permanent relativiert oder sogar ignoriert.
    Ein notorisch krankhaftes Währungssystem, welches ohne Dauersubventionen nicht lebensfähig ist, wird immer wieder schöngeredet, die langfristigen Folgen ignoriert.
    Für Deutschland und vor allem seine redlichen und fleissigen Bürger der Mittelschicht brechen harte Zeiten an, soviel ist sicher.

  • Zitat Müller: "Allerdings geht der Trend auch bei Dieselfahrzeugen zu größeren, schwereren Autos mit immer mehr Pferdestärken und dementsprechend höherem Verbrauch".
    Diese Aussage allein zeigt schon wie unsere Autohersteller ticken. Die können doch gar nichts dafür, dass solche Autos verkauft werden. Man gibt ja nur Millionen aus, dass solche nutzlosen Dinger unsere Straßen noch gefährlicher machen. Diese Herren halten offensichtlich die meisten Bürger für dumm. Solche Aussagen sind eigentlich unverschämt und arrogant. Allerdings muss man auch sagen, dass Käufer solcher Autos auch gewisse Defizite haben. Sorry!

  • @Josef Schmidt
    Brilliante Idee. Und die verschrotteten Karren werden dann durch E- Autos ersetzt die natürlich vom Himmel gefallen sind und nicht irgendwie vorher produziert werden müssen.

  • Sie können zurückrufen so viel sie wollen. 20-30% weniger NOXen ist immer noch 2-3fach über die Norm. Dreckskarre bleibt auch nach dem Rückruf Dreckskarre. Ab in die Tonne damit.

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