Dieselskandal Die Wut der Mitarbeiter auf die VW-Führung wächst

Die VW-Mitarbeiter haben die ewigen Skandale satt. In einer internen Umfrage des Betriebsrats rechnen sie hart mit der Führung ab.
Update: 15.02.2018 - 15:24 Uhr 12 Kommentare
Nicht nur der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) ist unzufrieden mit der Aufklärungsarbeit von der VW-Führung um Konzernchef Matthias Müller, sondern auch die Mitarbeiter. Quelle: dpa
VW-Führung streitet mit Arbeitnehmern

Nicht nur der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (rechts) ist unzufrieden mit der Aufklärungsarbeit von der VW-Führung um Konzernchef Matthias Müller, sondern auch die Mitarbeiter.

(Foto: dpa)

DüsseldorfZuletzt polterte der mächtige VW-Betriebsrat Bernd Osterloh wieder los. Harsch kritisierte der die jüngsten Enthüllungen über Abgastests mit Affen. Bei Warnstreiks während der Tarifverhandlungen legte er noch mal gegen den eigenen Vorstand nach: „Asozial“ seien die Forderungen des Unternehmens, künftig für Silvester und Heiligabend einen Arbeitstag anrechnen zu wollen.

Bei den Arbeitnehmervertretern herrscht längst kein Verständnis mehr für die Praktiken der Konzernführung in den vergangenen Jahren. Es gärt in der Belegschaft.

Das belegt nun auch eine interne Studie des Betriebsrats, über die „Bild“ vorab berichtete. Dem Artikel zufolge wurden rund 51.400 Mitarbeiter für den Stimmungsbericht befragt – unter der wissenschaftlichen Aufsicht von Professor Ludger Pries von der Ruhr-Universität Bochum.

Die Ergebnisse sind eine Ohrfeige für die Führung: Für nur einen von drei Befragten wurde das Versprechen, die Unternehmenskultur zu verbessern, auch eingelöst. Genau das hatte Konzernchef Matthias Müller nach seinem Amtsantritt versprochen.

Statt den Kulturwandel voranzutreiben, werde vor allem Schadensbegrenzung betrieben. Die Aufklärung des Dieselskandals bewerten die eigenen Mitarbeiter als „ungenügend“.

Dokumentationen der Aufklärung wie den Abschlussbericht der US-Kanzlei Jones Day hält Volkswagen bis heute unter Verschluss. Informationen erhielte man auch als Mitarbeiter vor allem über die Medien, nicht durch das eigene Unternehmen, so die Befragten weiter.

Für Personalvorstand Karlheinz Blessing sind die Berichte Schuld an der schlechten Stimmung im Unternehmen: „Bei den negativen Schlagzeilen, die uns immer wieder überraschen, wäre es erstaunlich, wenn das nicht auf die Stimmung schlagen würde“, sagte er in einem von VW im Intranet verbreiteten Interview. „Wir können uns bei der Belegschaft nur entschuldigen, für das, was sie ertragen muss, auch wenn wir nicht der Verursacher dieser Schlagzeilen sind.“ Die Umfrageergebnisse gäben zusätzliche wichtige Hinweise, wo sich Volkswagen verbessern müsse, speziell an den Standorten der Marke VW in Deutschland.

Der VW-Vorstand Blessing übt in dem Interview aber auch Selbstkritik: „Sicher: Wer viel tut, der macht nicht alles richtig. Das gilt für jeden.“ Er betonte, das Thema Diesel werde „unverändert mit großem Kraftaufwand“ aufgearbeitet, die Transformation des Unternehmens sei sozialverträglich in Gang gesetzt. „Eine Kulturveränderung kann man nicht kurzfristig umsetzen, sie erfordert Zeit.“ Blessing verweist auf die Ergebnisse des konzernweiten Stimmungsbarometers, wonach die allermeisten Beschäftigten Volkswagen als guten Arbeitgeber sähen.

Osterloh selbst sagte im VW-Intranet zur Kritik am Unternehmen: „Die interne Kommunikation benötigt Reformen, der Kulturwandel kommt nicht aus den Startlöchern, etliche Kolleginnen und Kollegen machen sich langfristig Sorgen, ob sie gesund in die Rente kommen. Und, für mich besonders alarmierend: Die große Mehrheit der Befragten fühlt sich auf dem Weg in die Zukunft unzureichend eingebunden - das darf nicht sein.“

Die Arbeitnehmervertretung will die Ergebnisse ihrer Umfrage bei einer Betriebsversammlung am 27. Februar präsentieren. Der Betriebsrat habe bereits damit begonnen, die Belegschaft zu informieren. Über erste Resultate und Trends habe der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh bereits mit dem Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller gesprochen. Beide hätten vereinbart, die anstehenden Themen gemeinsam anzugehen. Ein Punkt dabei sei die unternehmensinterne Information an die Beschäftigten.

Korrektur: In einer ursprünglichen Fassung dieses Artikels wurde eine zitierte Bewertung von Betriebsratschef Bernd Osterloh falsch zugeordnet. Wir bitten darum, diesen Fehler zu entschuldigen.

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12 Kommentare zu "Dieselskandal: Die Wut der Mitarbeiter auf die VW-Führung wächst"

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  • @ Herr Narrog

    Leider kann ich immer noch nicht die gezielte Benachteiligung deutscher Hersteller aus Ihren Ausführungen entnehmen.

    Und wenn die Kosten für die Pissetanks, wie Sie das nennen, an den Kunden weitergegeben werden, ist es die Entscheidung der Kunden, ob sie diese zhalen wollen oder lieber zu einem anderen Fabrikat wechseln. So what?

    Doch aus Ihrer Argumentation lese ich heraus, dass der VW-Vorstand diesen ganzen Betrug also letzlich zum Wohle der Kunden organisiert hat. Schade nur, dass die das einfach nicht verstehen wollen. Muss man wohl nicht weiter kommentieren...

    Und dass FiatChrysler erst seit kurzer Zeit überhaupt existiert, ficht Sie natürlich auch nicht an, oder. Klar, das ist alles von langer Hand durch die EU schon vorhergesehen und geplant worden, um die deutsche Autoindustrie zu ruinieren. Würde mich nur interessieren, welcher Sinn darin liegen soll, wenn man die Kuh die man melken (Deutschland als Nettozahler) will plötzlich schlachtet?

  • DIESELSKANDAL
    Die Wut der Mitarbeiter auf die VW-Führung wächst

    .........................

    Die Mitarbeiter sind das HÖCHSTER GUT eines jeden Unternehmens .

    Die Mitarbeiter bauen eine Firma erst auf durch sich selbst einzubringen.

    Und die CHEFS lassen es sich nur Gut gehen, von Prostetuierte Partys bis hin zum Diesel Skandal bis hin zu KOY Teiche für Chefs als auch VILLEN für CHEFS zu 5 Euro der Quadrat Meter.

  • Herr Michael Berger - 15.02.2018, 12:06 Uhr

    Sie haben mit Ihrem Kommentar völlig recht. Herr Wissmann hat dafür im Interesse der deutschen Automobilindustrie dafür gesorgt, was am Ende in Brüssel verabschiedet wurde.

    Bis heute ist das jedoch zu Herrn Narrog nicht vorgedrungen. Ich bin sicher, er wird auch in Zukunft mit seinen üblichen Begriffen wie beispielweise "grüne NGOs" in Fake-Kommentaren "beglücken".

  • Deshalb fahre ich Dacia

  • Man sollte vor Allem aufhören eine Norm an Industriearbeitsplätzen mit öffentlich zugänglichen Plätzen gleichzusetzen. Das ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen und vor Allem schon lang widerlegt.

  • Lieber Herr Walde,

    bei allem Respekt aber Ihr Kommentar ist die Bestätigung dafür, warum es weiterhin so viele dooftreue Käufer der Produkte des VW-Konzerns sind. Sie scheinen zu vergessen, dass die aktuelle Dieseldiskussion von eben VW losgetreten wurde. Hier wurde der Kunde betrogen, hier wurde der Staat (Steuern) betrogen...und dennoch hält man die Fahne für ein deratiges Verhalten hoch?
    Was Ihre Aussage hinsichtlich japanischer Automobilindustrie angeht, halte ich mal ein paar Argumente dagegen: Toyota ist unbestrittener Hybridpionier. Das Japaner Diesel bauen können, hat z. B. Honda vor ein paar Jahren mit dem 2,2-Liter Aggregat bewiesen: Enorme Laufkultur, kein lästiges Turboloch.
    Ein weiterer japanischer Anbieter, Mazda, zeigt mit seinem noch immer aktuellen Skyactiv-Diesel, dass Euro 6 auch ohne AddBlue machbar ist. Beiläufig sei erwähnt, dass diese Aggregate diese Norm länger als alle anderen (vor allem deutsche) Hersteller erfüllt.
    Japaner waren Benchmark hinsichtlich Zuverlässigkeit, (von welcher der ach-so-tolle Golf meilenweit entfernt ist. A propos Zuverlässigkeit: Als jahrelanger Fuhrparkleiter kann ich ein Lied von der "Qualität" der deutschen Premiumprodukte singen.
    Mein Fazit: Man sollte mit der ständigen Lobhudelei aufhören und den Verantwortlichen ihre Unfähigkeit und Untätigkeit einbläuen. So schadet man der deutschen Industrie und dem noch immer weltweit begehrten Label "Made in Germany."

  • Der ganze NOX - Hype ist doch nur von einer NGO's, diese NGO's werden hauptsächlich von der japanischen Automobilindustrie (Toyota) gesponsort, losgetreten worden. Ziel ist, den Diesel zu disketitieren, die Japaner haben kaum Diesel und wenn nur technologisch veraltete in ihrem Portfolio. Was mich aber massiv an dem Hype stört ist, bin ich am Arbeitzplatz sind bis zu 25 mal höhere NOX-Werte zulässig. Gehe ich ein paar Meter weiter vor meinen Arbeitzplatz ist dieser Arbeitsplatzgrenzwert auf einmal hoch gesundheitsschädlich, ja nach dieser Hype befinde ich mich in NOX-Schadstoff-Todesgefahr. Woher weis mein Körper an welchem Ort NOX schädlich ist und an welchem Ort nicht??? Wir sehen, wir haben es mit dümmlichen Grenzwerten zu tun ohne jeglichen Realitätsbezug zur Gesundheit. Aber dies ist nicht nur bei NOX der Fall, bei Aal ist der Grenzwert von Dioxin 7 mal höher als bei Hühnereiern. Einmal vernichten wir tonnenweise gesunde Lebensmittel wie Hühnereier und erfreuen uns beim Abendessen über den gesunden Aal mit dem siebenfach höheren Dioxinwert. NGO's brauchen eine Existenzberechtigung und unserer (L)-Presse braucht Skandale oder sie macht sich welche. Objektive wissenschaftliche Berichterstattung mit Hinterfragung der Sinnhaftigkeit der Grenzwerte, leider Fehlanzeige. Aber morgen, wenn die Menschen dann überwiegend "saubere" Benziner gekauft haben kommt der neue Skandal, exorbitanter CO2 Anstieg durch Benziner, der Meeresspiegel steigt schneller und höher ( die Meterzahl dürfen sie mit 2 Würfeln selber ermitteln, ist so richtig wie die Prognosen sog. Klimaexperten) aber die neue German Angst glaubt alles. Komischer Weise werden wir immer älter obwohl wir vergiftet werden. Die Erde ist ein dynamisches System und ist einer laufenden Veränderung unterworfen, nichts wird so bleiben wie es ist. In meiner Kindheit haben Klimaforscher eine kommende neue kleine Eiszeit prophezeit, jetzt das Gegenteil. Warten wir mal ein paar Jahrzente ab was dann Prophezeit wird???

  • Herr Narrog, Sie müssen endlich mal davon weg kommen, die Schuld bei der EU oder der deutschen Regierung zu suchen. Alle Gesetze und Normen wurden von der Automobilindustrie geschrieben. Die Absätze wurden eins zu eins von der Lobby abgeschrieben. Alles andere war dann einfach Betrug und verwerflich. Das einzige, was die deutsche Regierung immer gemacht hat, war die schützende Hand drüber zu halten. Glückwunsch zum Ergebnis.

  • @Herr Holger Narrog
    Tja die Grenzwerte
    Stickoxide NOx in der EU 40
    Stickoxide NOx in den USA 100
    Irgendwie habe ich schon den Verdacht, dass die EU den Deutschen nicht mag - bei Lufthansa haben sie die Übernahme von großen AirBerlin Teilen verhindert. 200 Mio hat Lufthansa geboten, ging dann für lächerliche 20 Mio an easyjet - 150 Mio Hilfskredit sieht Deutschland NIE WIEDER
    Deuschland zahlt massiv für die EU. Der ABMAHNVEREIN Deutsche Umwelthilfe DU erhält 1/3 seiner Einnahmen aus EU Fördergelder. DU unterstützte die Klagen gegen VW, wobei VW Fahrzeuge deutlich energieeffizienter sind und waren als amerikanische Modelle.
    Hätte VW seinerzeit öffentlich dokumentiert und argumentiert, dass Abschaltungsvorrichtungen nötig seien, damit man gleiche Messbedingungen in Alaska wie in Florirda oder Hawaii hat - dann hätten sie sich wohl zig Mrd Euro sparen können.
    Lieber Herr Holger Narrog - Sie haben recht, es ist wahnsinnig schwierig vernünftig in unserem Land zu argumentieren, viele sehr wenig tolerante Öko-Ideologen werden sehr schnell unsachlich und man wird dann auch persönlich angegriffen. Unternehmenslenker versuchen da wohl eine "sanfte" Lösung. Manchmal ist diese dann aber extrem teuer und schlecht.

  • Typischer Aufschrei der Gewrkschaften bei der "Wegnahme" von gewohnten Wohltaten.
    Heilgabend und Silvester werden "plötzlich" wie überall im deutschen Arbeitsrecht als Werktage angerechnet. Für Amerikaner und Chinesen sind dies auch normale Werktage. Wer da nicht arbeiten will, muss halt einen der vielen kostbaren Urlaubstage einsetzen. Da sieht man wie abgehoben doch manche Branchen sind wenn gleiches Recht für alle Aerbeitnehmer eingeführt wird.

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