Dieselskandal: US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange

Dieselskandal
US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange

Volkswagen wollte 2017 eigentlich den Dieselskandal hinter sich lassen. Nun stört ein verhafteter VW-Manager das Comeback. Die US-Behörden erhöhen damit den Druck auch auf die Wolfsburger Konzernspitze.
  • 9

Detroit/DüsseldorfEs ist wie verhext. Gerade, wenn Volkswagen in den USA den Dieselskandal hinter sich lassen und sich der Zukunft und neuen Modellen zuwenden will, funken die US-Behörden dazwischen. Im vergangenen Jahr reichte das US-Justizministerium kurz vor der Autoshow in Detroit eine zivilrechtliche Klage gegen den Wolfsburger Autobauer ein. Jetzt, wo VW-Markenchef Herbert Diess die Amerikaner mit einem neuen SUV wieder für sich gewinnen will, wird ein VW-Manager in Florida verhaftet.

Die US-Justiz wirft dabei auch der Konzernspitze von Volkswagen Vertuschungen im Dieselskandal vor. Noch wenige Monate vor dem Auffliegen der Affäre hätten Manager des Wolfsburger Autobauers bei Mitarbeitern die Verheimlichung der Abgas-Manipulationen abgesegnet, heißt es in einer am Montag vom zuständigen US-Gericht in Detroit veröffentlichten Strafanzeige gegen den Manager.

Der Mann habe zu einer Gruppe von Mitarbeitern gehört, die das Management bei einem Treffen am 27. Juli 2015 über die Risiken des Betrugs informierten. Statt die Aufklärung des Falls gegenüber den bereits unter Hochdruck gegen VW ermittelnden US-Behörden anzuordnen, habe die Konzernführung autorisiert, die Tricksereien weiter unter den Teppich zu kehren. Ähnliche Verdächtigungen hatte es schon zuvor gegeben.

Die Ermittler stützen sich nun aber auf die eidesstattliche Erklärung eines FBI-Agenten und Aussagen mehrerer VW-Insider, die als Zeugen mit der US-Bundespolizei FBI kooperieren. Am 18. September 2015 war der Skandal aufgeflogen, nachdem die US-Umweltbehörden ihre Vorwürfe gegen VW öffentlich gemacht hatten. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich nicht zu den neuen Anschuldigungen äußern.

Der Volkswagen-Manager, der am Montag dem Haftrichter vorgeführt wurde und am Donnerstag bei einer Anhörung aussagen wird, leitete bis März 2015 das Büro für die Fahrzeugzulassungen in den USA, in Auburn Hills, Michigan. Danach wurde er zurück nach Deutschland berufen.

In seiner Zeit in den USA und danach soll er wiederholt die US-Behörden getäuscht haben, wie aus der Strafanzeige hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurde und dem Handelsblatt vorliegt. Oliver S. soll Handschellen und Gefängnis-Uniform getragen haben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Bis zur Anhörung am Donnerstag soll er in Haft bleiben.

Oliver S. soll sich in Florida im Urlaub aufgehalten haben und an der Ausreise gehindert worden sein, hieß es. Zwar hat S. von den Untersuchungen gegen ihn gewusst. Er habe sich laut Reuters im vergangenen Jahr mit FBI-Agenten in London getroffen. Warum er trotzdem in die USA reiste, ist unklar.

Seite 1:

US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange

Seite 2:

FBI arbeitet mit Kronzeugen zusammen

Kommentare zu " Dieselskandal: US-Justiz nimmt VW-Spitze in die Zange"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Herr Härtel: Was wollen Sie eigentlich genau? Entschädigung? Wieviel?

    Ich nehme an, Sie können rechnen? Bei 11 Mio. betroffenen Autos machen je 1.000 Euro Entschädigung insgesamt 11 Mrd. Euro aus. Mal abgesehen davon, dass der Vergleich in den USA ungleich mehr kostet, wieviel Entschädigung sollte VW denn nun Ihrer Meinung nach an jeden betroffenen Kunden zahlen? Und von dem soll sich VW das Geld zurückholen? Von den wirklich verantwortlichen Betrügern vielleicht? Wohl kaum! Verschwenden Sie dann einen Gedanken daran, dass wegen Ihrer kleinen persönlichen Entschädigung evtl.die Existenz tausender Arbeitnehmer und ihrer Familien auf de Spiel steht? Hauptsache Sie bekommen Ihre zwei-, dreitausend Euro, richtig...?

  • Was macht Deutschlands Justiz außer nichts? Warum geht unsere Politik nicht gegen den Wahnsinn Boni usw. weitere vergünstigungen vor? Ist VW ein Vorbild, dann muß jeder Deutsche die Rentenhöhe des Herrn Winterkorn erhalten (Gleichberechtigung), zumal die meisten nicht den Schaden des Hr. Winterkorn vollziehen.

  • Die Amerikaner holen sich einfach die Kohle, die Deutschland durch den Exportüberschuss erwirtschaftet, zurück. Zum einen durch riesige Strafzahlungen der Banken bzw. auch die großen deutschen Konzerne sind betroffen.
    So kann man immer mehr Geld von dem deutschen Michel herauspressen und hackeln darf er immer mehr. Nur bleibt immer weniger über. Nicht nur die Pleitestaaten der Eu zocken D ab sondern auch die über dem großen Dümpel bzw. will England, sich auch ein Scheibchen von dem deutschen Sklavenarbeiter erwirtschafteten Überschusses, abschneiden.
    "SCREW" the best ghost

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%