Dieselskandal VW-Aufsichtsrat prüft Schadenersatzansprüche gegen Winterkorn

Haftbefehl in den USA, Ermittlungen in Deutschland, möglicher Schadenersatz für VW: Der Dieselskandal könnte für Winterkorn drastische Konsequenzen haben.
Update: 05.05.2018 - 20:46 Uhr 1 Kommentar

VW prüft Schadensersatz-Anspruch – „Winterkorn könnte alles verlieren“

VW prüft Schadensersatz-Anspruch – „Winterkorn könnte alles verlieren“

BerlinFür den früheren VW-Chef Martin Winterkorn hat der Dieselskandal bedrohliche Folgen. Nachdem die US-Staatsanwaltschaft in Detroit den früheren Spitzenmanager wegen seiner Rolle bei den Abgasmanipulationen angeklagt hatte, erließ die US-Justiz wenig später einen Haftbefehl gegen den früheren Spitzenmanager. Das US-Justizministerium erklärte, für die Behörden befinde sich Winterkorn auf der Flucht.

Auch in Deutschland wird seit längerem von der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn ermittelt. Die SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann geht davon aus, dass die Abgasmanipulationen für den Manager auch in Deutschland strafrechtliche Konsequenzen haben könnten, wie sie dem Deutschlandfunk sagte.

Zusätzlich zu möglichen strafrechtlichen Konsequenzen könnte Winterkorn im Zuge der Aufarbeitung des Dieselskandals auch Teile seines Vermögens verlieren. Der VW-Aufsichtsrat prüft Schadenersatzansprüche gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden. „Die Prüfung dauert seit längerer Zeit an und wird unabhängig von behördlichen Verfahren durchgeführt“, sagte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel der DPA. Dies habe der Aufsichtsrat bereits mehrfach erklärt.

Laut Brendel ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen. „Dementsprechend gibt es keine Vorfestlegungen, und es wurden auch noch keine Entscheidungen getroffen.“

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) berichtet, Winterkorn drohe der Ruin. Sein Vermögen könnte im Extremfall komplett weg sein. Laut der Zeitung habe Winterkorn bei VW mehr als 100 Millionen Euro verdient – dazu kommen wohl Pensionsansprüche in Höhe von 30 Millionen Euro. „Dieses Geld wäre im Extremfall komplett weg“, sagte der Berliner Rechtsprofessor Gregor Bachmann der FAS.

In den USA wird Winterkorn Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Abgasmanipulationen vorgeworfen. US-Justizminister und Generalstaatsanwalt Jeff Sessions sprach von einem System der Täuschung an der Spitze des weltgrößten Autobauers. Die amerikanischen Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn schon im Mai 2014 über Unregelmäßigkeiten bei Dieselabgaswerten informiert worden war. Winterkorn hat das immer wieder bestritten.

In Deutschland befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig die Ermittlungen gegen Winterkorn und 38 weitere Beschuldigte vor dem Abschluss. Im Sommer solle deren Verteidigern Akteneinsicht gewährt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe, der „FAS“.

Deutsche Justiz sammelt noch Beweise

Die Anklage und der Haftbefehl gegen Winterkorn in den USA habe ihn nicht überrascht, „denn die darin genannten Sachverhaltsdarstellungen sind uns – unabhängig von einer etwaig anderen Bewertung – in größeren Teilen aus unseren eigenen Ermittlungen bereits bekannt“.

Ziehe verteidigte sich außerdem gegen den Vorwurf der Verschleppung. In Deutschland könne die Staatsanwaltschaft im Unterschied zum US-Rechtssystem „nie einzelne Personen anklagen, solange der gesamte Ermittlungskomplex nicht abgeschlossen ist und die Beschuldigten rechtliches Gehör erhalten haben“.

Die SPD-Verkehrsexpertin Lühmann sagte, als Winterkorn Anfang 2017 im Bundestags-Untersuchungsausschuss ausgesagt habe, er habe von alledem nichts gewusst, habe ihm schon damals im Saal kaum einer geglaubt. „Aber wir konnten auch den Gegenbeweis nicht antreten.“ Dass nun in den USA die Justiz gehandelt habe, in Deutschland aber nicht, habe mit den unterschiedlichen Rechtssystemen zu tun.

Lühmann rechnet damit, dass auch die deutsche Justiz handeln wird, sobald sie alle Beweise gesammelt hat. Es sei richtig, dass die deutschen Ermittler lange prüften, um sicher zu sein, dass es nicht nur für eine Anklage, sondern auch für eine Verurteilung reiche. Nichts wäre peinlicher, als würde man jetzt unter dem Druck der Öffentlichkeit ein Verfahren eröffnen und dann reichten die Beweise nicht – mit der Konsequenz, dass das Verfahren eingestellt werde.

Lühmann plädierte dafür, dass bei solchen Vorgängen wie dem Diesel-Abgasskandal die Manager stärker strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Wenn der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein derartiges fordere, habe er recht. Diese Manager erhielten mit dem Argument, sie trügen eine hohe Verantwortung, sehr viel Geld. Wenn das so sei, dann müssten sie auch bei Fehlern dafür einstehen und bestraft werden.

Im „Tagesspiegel“ verlangte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, rasch eine Musterfeststellungsklage, damit auch geschädigten Kunden aus dem VW-Skandal noch davon profitieren können.

Unterdessen verlangen die beiden Bundesländer Hessen und Baden-Württemberg nach einem „Spiegel“-Bericht von dem neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), gegen Autokonzerne in Verbindung mit dem Diesel-Abgasskandal hohe Bußgelder zu verhängen. In dem Magazin war von einer Milliardensumme die Rede, auf die sich diese Strafen belaufen könnten. Die Einnahmen aus diesen Bußgeldern wollen die beiden Länder demnach zur Finanzierung von Nachrüstmaßnahmen von Dieselautos nützen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Dieselskandal - VW-Aufsichtsrat prüft Schadenersatzansprüche gegen Winterkorn

1 Kommentar zu "Dieselskandal: VW-Aufsichtsrat prüft Schadenersatzansprüche gegen Winterkorn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .....FBI-Spezial-Agent....Timothy R. Stadler....hat die Order.....im Auftrag der amerikanischen Staatsanwaltschaft....gegen Martin Winterkorn....zu ermitteln....so...die Schlagzeile in BILD von heute....
    ....alles was er in die Hand nahm....gelang ihm...bedeutet auch den VW-Manager in die USA zu schaffen?....
    ....geht nicht....da Dieses.... unsere Gesetzes-Lage nicht zuläßt....
    .....und so ist das Diesel-Problem....für VW....ein nicht nachzuvollziehender...... Vorgang geworden...
    ....und die Fragen....nehmen kein Ende....wie konnte man....was wurde veranlaßt....wer hat....das Ganze zu verantworten.....
    ....und so muß....absolut und zuverlässig....hier in Deutschland....die Wahrheit des Diesel-Skandals auf den Tisch.....geklärt von deutschen Gerichten....
    ....und sollte Herr Winterkorn.....dieses technische Vergehen....durchgewunken haben....unter dem Motto....es wird schon nicht auffallen....ja dann....muß er zur Rechenschaft gezogen werden.....mit den anderen Verantwortlichen im Konzern....

    .....um dieser technischen Geheim-Bündelei....endlich den Boden zu entziehen.....
    ....haben wir es nötig.....als innovatives Auto-Land.....mit unzähligen Patenten + Erfindungen....solche Untaten zu begehen?.....
    ....und wenn es so ist.....wie es ist.....kann nichts mehr....unter der Bettdecke verborgen bleiben.....
    .....und so bleibt abzuwarten.....was auch hier.... die Braunschweiger Staatsanwaltschaft veranlassen wird....ist sie zuständig für den Fall VW im Diesel-Skandal....















Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%