Dieter Zetsche auf der IAA
Autoindustrie stellt Bedingungen für Klima-Ziele

Ab 2021 darf die Neuwagenflotte eines Herstellers laut EU-Vorgabe im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 ausstoßen. Für die Zeit danach ist die Industrie zu weiteren Einsparungen bereit – stellt aber Bedingungen.
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FrankfurtWas unsere Autos antreibt entscheidet immer öfter der Gesetzgeber. Bereits in vier Jahren soll ein neues Auto im Schnitt nicht mehr als vier Liter Sprit verbrauchen verlangt die EU. Die Vorgabe besagt, das ab 2021 die Neuwagenflotte eines Herstellers im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 ausstoßen darf, es sei denn, er kann den Mehrverbrauch mit Elektroautos kompensieren. Ein strammes Regime aus Sicht der Industrie, die bei Überschreitungen empfindliche Strafzahlungen fürchten muss.

Derzeit liegen etwa die deutschen Autobauer Daimler und BMW noch deutlich über dieser Schwelle - im vergangenen Jahr lag der Ausstoß pro gefahrenem Kilometer bei jeweils mehr als 120 Gramm.

Tatsächlich ringen die EU und die Industrie längst um die Zeit nach 2021, denn in Brüssel sieht man das bisher erreichte als Etappenziel. „Die Industrie ist bereit, weitere Einsparungen vorzunehmen“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, der am Mittwoch als Präsident des europäischen Herstellerverbandes ACEA auftrat.

Zetsche bietet im Namen der Branche eine weitere Reduzierung der Emissionen von 20 Prozent für den Zeitrahmen 2021 bis 2030. „Wir wollen Teil der Lösung sein“, sagt er. Damit würde das bisherige Tempo der Emissionsreduzierung weiter fortgeschrieben. Zwischen 2005 und 2021 habe die C02-Reduzierung nach Rechnung der Industrie bereits 42 Prozent betragen.

„Nach 2021 wird die CO2-Reduzierung allerdings teurer, weil viele der heute verfügbaren Technologien bereits eingesetzt werden“, sagt Zetsche. Auch deshalb besteht die Industrie auf den weiteren Einsatz der modernen Diesel, die im Vergleich zum Benziner 15-20 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen. „Jeder Schritt weg vom Diesel wird erhebliche Herausforderungen für die Klimaziele nach 2021 bringen“ warnt der ACEA-Präsident.

Und noch eine weitere Bedingung knüpft die Branche an ihr 20 Prozent-Angebot. Weil das Ziel mit Verbrennungsmotoren nicht mehr zu erreichen ist, wollen die Europäischen Hersteller die weitere Emissionsreduzierung von der Verbreitung des Elektroautos abhängig machen.

Denn nur wenn die europäischen Mitgliedsstaaten für den Ausbau der Infrastruktur sorgten, könne die Elektromobilität an Fahrt gewinnen, so der Verband. Sollte der Markt nicht anspringen, will die Industrie dafür klimapolitisch nicht in Haftung genommen werden. Deshalb schlägt Zetsche vor, 2025 die Ziele noch einmal zu überprüfen.

Auch will die ACEA unterschiedliche Zielvorgaben für einzelne Länder, um das in Elektromobilität vergleichsweise fortschrittliche Norwegen nicht mit Ländern in Südeuropa in einen Topf zu werfen. Feste Quoten für Elektroautos, die einzelne Hersteller erreichen muss, lehnt die Autoindustrie ab.

Das Ringen um die Klimaziele für die Autoindustrie bis 2030 ist eröffnet. Die Branche rechnet mit intensiven Diskussionen mit der EU in den kommenden Monaten. 2018 könnte die neue Vorgabe verabschiedet werden

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