Dieter Zetsche
„Wir stehen zum Standort Deutschland“

Trotz eines zweistelligen Absatzminus blickt Daimler-Chef Dieter Zetsche optimistisch in die Zukunft. Im Gespräch mit Creditreform erklärt Zetsche, warum sich Mercedes-Benz nicht an Rabattschlachten beteiligt, wie Kosten eingespart werden und welche Technik die Zukunft bringt.
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Wie wird die Marktentwicklung bis Ende 2009 und in 2010 sein?

Zetsche: Die zweite Jahreshälfte 2009 ist besser als die erste Jahreshälfte. Dennoch, der Gesamtmarkt wird ein zweistelliges Minus aufweisen. Für 2010 bin ich zuversichtlich, auch weil wir von der Abwrackprämie nicht wesentlich profitiert haben, wir somit eine echte und keine staatlich subventionierte Nachfrage verzeichnen können. Unsere Kunden kauften und kaufen einen Mercedes, weil sie einen Mercedes mit all seinen Vorteilen und Innovationen wollen. Dies bedeutet gleichzeitig, an Preis- oder Rabattschlachten beteiligen wir uns nicht. Dies werden wir künftig ebenso nicht tun, was bei anderen Herstellern nicht selbstverständlich ist. Auf diese werden noch deutlich spürbare Probleme zukommen.

Das heißt, die Preis- oder Rabattschlachten werden zunehmen?

Auch wegen der Abwrackprämie werden wir allgemein ein neues Preisniveau haben. Die Käufer erwarten Geschenke, also Preisnachlässe, da wurde eine große Erwartungshaltung aufgebaut. Diese Erwartungshaltung bleibt zumindest in 2010 bestehen. Es spricht einiges dafür, dass die Hersteller, die von der staatlichen Prämie besonders profitierten, künftig nur durch wesentliche Preisnachlasse, die sie selbst schultern müssen, Geschäft generieren können. Mercedes ist hiervon nicht betroffen. Das reduzierte Preisniveau, die hohen Rabatte werden bei den betroffenen Herstellern für neue Herausforderungen sorgen. Die Folgen sind noch nicht abzusehen.

Planen Sie, um Kosten einzusparen, eine Verlagerung der neuen C-Klasse ins Ausland?

Vorweg, wir stehen zum Standort Deutschland, ein Standort mit vielen wichtigen und entscheidenden Vorteilen. Es ist ein ganz normaler Prozess, dass bei einem neuen Fahrzeugmodell oder einer neuen Modellgeneration die bisherigen Verhältnisse und somit auch die Produktionsstandorte hinterfragt werden. Das ist eine normale, betriebswirtschaftlich sinnvolle Vorgehensweise oder Überprüfung, die noch im vollen Gang, noch nicht abgeschlossen ist. Ich kann heute nur sagen, dass vieles für den Standort Deutschland spricht, was aber keine Vorwegnahme des Ergebnisses sein soll.

Die Modellvielfalt der Autohersteller und damit die Unübersichtlichkeit des Fahrzeugprogramms hat deutlich zugenommen. Wird aus Kostengründen das Rad zurückgedreht, wird es künftig weniger Modelle geben?

Die Vorstellungen und Anforderungen, die Kunden heute mit dem Auto verbinden, sind sehr unterschiedlich. Hierauf regieren wir mit unserem Modellangebot. Die unterschiedlichen Modelle basieren auf einem Baukastensystem, das eine möglichst hohe Verwendungsquote von Gleichteilen vorsieht. Mit dieser Verfahrensweise werden Kosten gespart. Besonders wichtig dabei ist allerdings, dass die Eigenständigkeit der Modelle erhalten bleibt. Die Verwendung von Gleichteilen darf nicht zu einer Reduzierung von Unterschei-dungsmerkmalen führen. Hierauf achten wir sehr genau. Unabhängig davon, ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal sind Innovationen. Die einzelnen Mercedes-Modelle unterscheiden sich auch durch viele innovative Lösungen.

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