Differenzen auf „persönlicher Ebene“
Bei Merck stimmte die Chemie nicht mehr

Bernhard Scheuble war 24 Jahre lang Chef des Darmstädter Traditionskonzerns Merck KGaA. Doch dann muss es hinter den Kulissen richtig gekracht haben. Darauf lassen erste vorsichtige Statements des Unternehmens zu den Gründen der Demission schließen.

HB FRANKFURT. „Es gab klare Differenzen zwischen der Merck-Familie und Scheuble auf persönlicher Ebene“, sagte eine Firmensprecherin am Mittwoch. Seine Ablösung habe nichts mit Zukäufen zu tun gehabt. „Es hatte nichts zu tun mit der Strategie, der operativen Entwicklung oder irgendwelchen anderen finanziellen Dingen“, sagte die Sprecherin.

Das Unternehmen hatte am Dienstagabend überraschend mitgeteilt, dass Scheuble nach 24 Jahren Firmenzugehörigkeit „im gegenseitigen Einvernehmen“ den Vorsitz der Geschäftsleitung abgegeben habe, den er seit Juli 2000 innehatte. Mit sofortiger Wirkung wurde sein bisheriger Stellvertreter Michael Römer zum Nachfolger ernannt. Römer habe sich in den 27 Jahren seiner Betriebszugehörigkeit „eine breite Vertrauensbasis innerhalb und außerhalb des Unternehmens geschaffen“ und sei „ein Garant der Kontinuität“, erklärte der Vorsitzende des Gesellschafterrates der E. Merck OHG, Frank Stangenberg-Haverkamp. Die Aktie von Merck verlor am Mittwoch in der Spitze sieben Prozent.

Einige Beobachter hatten bereits zuvor aus dem überraschenden Führungswechsel geschlossen, dass es persönliche Differenzen mit den Mehrheitsgesellschaftern des Familienunternehmens gegeben haben könnte. Merck ist zu rund 73 Prozent in Familienbesitz. Die Familie habe Scheubles Strategie mitgetragen, die Chemie zwischen den beiden Parteien hätte jedoch nicht mehr gestimmt, hieß es. „Es gibt Situationen wie in einer Ehe, wo man sich auseinander lebt“, sagte ein Branchenkenner. Äußerungen, dass es zu einem Streit über einen möglichen Einstieg beim Bad Homburger Pharmakonzern Altana gekommen sei, wies ein Sprecher von Merck als „pure Spekulation“ zurück.

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen soll das Verhältnis zwischen Scheuble und den Familiengesellschaftern schon länger angespannt gewesen sein. Die Kritik soll sich dabei vor allem an seinem Führungsstil entzündet haben, der für viele Familiengesellschafter zu eigenwillig gewesen sei. Scheuble sei vielen Familiengesellschaftern zu mächtig geworden, sagte eine mit dem Unternehmen vertraute Person. Unzufrieden sollen einige Familienmitglieder des Weiteren über die mäßige Entwicklung in der Pharmasparte gewesen sein.

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