Differenzen zwischen Bayern und Niedersachsen
Politiker mischen sich in Conti-Übernahmeschlacht ein

Die Übernahmeschlacht beim Autozulieferer Continental wächst sich auch zu einem politischen Streit zwischen den betroffenen Bundesländern aus. Bayerische Politiker vor allem der regierenden CSU machten sich für die fränkische Schaeffler-Gruppe stark. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sieht das anders.

HB HANNOVER. Wulff äußerte Bedenken gegen die Pläne des Familienunternehmens, nachdem Schaeffler am Dienstag eine Offerte für Conti vorgelegt und sich zuvor bereits den Zugriff auf 36 Prozent der Aktien gesichert hatte. Niedersachsens Regierungschef, der auch stellvertretender Vorsitzender der CDU ist, äußerte sich besorgt über einen möglichen Arbeitsplatzabbau nach einer Übernahme. "Wir bewerten die gesamte Entwicklung danach, dass die Arbeitsplätze gesichert sind und dass die Conti (...) ihren Sitz in Hannover behält", sagt er der "Neuen Presse". "In diesem Zusammenhang machen wir uns Sorgen, dass diese Voraussetzungen erfüllt werden."

Ganz anders dagegen die Reaktion aus Bayern. "Positiv ist, dass sich ein bayerisches Unternehmen beteiligt", sagte die bayerische Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU). Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) erklärte in der "Süddeutschen Zeitung": "Ich halte das Engagement von Schaeffler bei Continental für wohlüberlegt und ambitioniert."

Unterdessen hat die bayerische Staatsregierung den Technologieriesen Siemens ungewöhnlich scharf angegriffen. Der massive Stellenabbau des Münchner Konzerns sei unsensibel vom Vorstand kommuniziert worden, sagte Wirtschaftsministerin Müller. "Siemens muss aufpassen, sonst geht die Motivation der Mitarbeiter kaputt." Mit Siemens-Chef Peter Löscher stehe das Ministerium im Kontakt. Müller sagte, sie und Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hätten Löscher gebeten, den Abbau von knapp 17 000 Stellen, davon mehr als 5000 in Deutschland, noch einmal zu überprüfen. Das letzte Wort sei hier hoffentlich noch nicht gesprochen.

Wichtig für die Politik sei, dass die Kürzungen, vor allem in der Verwaltung von Siemens, sozialverträglich über die Bühne gingen. Die Menschen bräuchten eine Perspektive, etwa durch Transfergesellschaften. Durch den Stellenabbau, Einsparungen bei externen Beratern und in der Informationstechnik will Siemens die Kosten in der Verwaltung bis 2010 um 1,2 Mrd. Euro senken. Das Unternehmen hat weltweit rund 420 000 Mitarbeiter, davon etwa 130 000 im Inland.

Für Conti könnte sich die Übernahme durch Schaeffler möglicherweise negativ auf das Geschäft auswirken. Die kleinste der drei großen Ratingagenturen preschte am Donnerstag vor mit ihrer Einschätzung, dass infolge einer Übernahme die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Conti wahrscheinlicher geworden ist. Sollten die Marktführer S&P und Moody's dem Vorbild folgen, würde es für Conti nach einer Übernahme schwieriger werden, Kredite zu bekommen.

Es sei möglich, dass Schaeffler für die Rückzahlung der für die Conti-Übernahme aufgenommenen Schulden hohe Dividendenzahlungen durchsetzt, argumentierte Fitch. Zudem binde die Übernahmeschlacht Managementkapazitäten, die bei Conti für die Integration der erst vor kurzem von Siemens gekauften VDO gebraucht würden. Bei einer möglichen Mehrheitsübernahme durch Schaeffler haben zudem die Banken das Recht, die als günstig geltende Finanzierungspaket für den elf Mrd. Euro schweren VDO-Deal noch einmal aufzuschnüren.

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