Direktoren treffen sich
Renault und Nissan beraten über Einstieg bei GM

In der Autoindustrie bahnt sich eine Mega-Allianz an. Der französische Hersteller Renault und sein Schwesterkonzern Nissan erwägen Branchenkreisen zufolge, mit jeweils 10 Prozent beim angeschlagenen US-Autobauer General Motors (GM) einzusteigen. Jetzt gehen die Diskussionen in den Gremien los.

HB/hz PARIS/TOKIO. Renault hat am Montagabend eine Verwaltungsratssitzung anberaumt. Thema ist der mögliche Einstieg bei den US-Amerikanern. Das sagte eine Sprecherin des französischen Automobilherstellers am Montagmorgen. Auch Nissan teilte am Montag mit, sein Führungsgremium solle bald zusammentreten. Ob das Direktorium die Zusammenarbeit in Erwägung ziehe und welche Auswirkungen eine solche auf den japanischen Konzern haben könnte, ließe sich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen, erklärten Analysten.

Der GM-Großaktionär Kirk Kerkorian hatte den US-Konzern am Freitag zu einer Partnerschaft mit den Konkurrenten Renault und Nissan gedrängt. In einer solchen Dreier-Kooperation würden Renault und Nissan einem Brief von Kerkorians Investmentfirma Tracinda zufolge einen „bedeutenden Minderheitsanteil“ an GM erwerben. GM-Aktien hatten nach diesen Nachrichten zum Wochenausklang an der Wall Street um fast 9 Prozent zugelegt.

Renault und Nissan werden von Carlos Ghosn in Personalunion geführt. Renault hält einen 44-prozentigen Kontrollanteil an Japans zweitgrößtem Autobauer; Nissan wiederum hält 15 Prozent der Aktien des französischen Konzerns. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, Ghosn hätte vor einigen Tagen bei einem Essen mit Kerkorian Interesse an einem GM-Anteil von bis zu 20 Prozent signalisiert.

Branche wird durcheinander gewirbelt

Eine GM-Sprecherin sagte, der Konzern habe kein Angebot von Renault erhalten, werde aber den Kerkorian-Vorschlag prüfen. Renault-Nissan erklärten, die beiden Autobauer seien bereit, ihre Allianz zu erweitern, wenn das Management und der Verwaltungsrat von GM dies vollständig unterstützten.

Bei einer Kooperation des weltgrößten Autokonzerns mit der Nummer vier der Branche käme die neue Allianz auf etwa ein Viertel des Weltmarkts für Autos und LKW. Eine Zusammenarbeit könnte damit erhebliche Kostensenkungen ermöglichen. In Europa arbeiten Renault und GM bereits bei leichten Nutzfahrzeugen zusammen.

Die geplante Allianz würde das Machtgefüge in der Branche kräftig durcheinander wirbeln. GM ist derzeit mit rund 9 Mill. Fahrzeugen noch der größte Hersteller der Welt, wird aber wohl in naher Zukunft vom japanischen Konkurrenten Toyota überholt werden. Renault-Nissan kommt seinerseits auf gut 6 Mill. produzierte Autos jährlich. Die Franzosen hatten 1999 einen Konzernverbund mit dem damals schwer angeschlagenen Hersteller Nissan gebildet und halten 44 Prozent an den von Renault-Manager Ghosn inzwischen erfolgreich sanierten Japanern. Beide Firmen sind heute profitabel und arbeiten eng zusammen. Renault ist im Gegensatz zu Nissan bislang nicht auf dem US-Markt vertreten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%