Diskussion um Doppelspitze
EADS dementiert Enders' Rückzug

In zwei Wochen treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, um über die Probleme beim europäischen Luft- und Rüstungskonzern EADS zu beraten. Laut einer Zeitung soll dabei auch die Abschaffung der Doppelspitze und damit das Ausscheiden von Co-Chef Tom Enders verkündet werden. EADS weist dies jedoch zurück.

HB MÜNCHEN. „Tom Enders hat keine Rücktrittspläne, er arbeitet mit Volldampf an seinen Aufgaben“, sagte ein EADS- Sprecher am Dienstag in München. Enders wolle die EADS-Rüstungs- und Raumfahrtsparte sowie den Hubschrauberhersteller Eurocopter weiter voranbringen. „Er leistet auch weiter seinen Beitrag dazu, dass das Restrukturierungsprogramm Power 8 weiter vorankommt, das so wichtig ist für Airbus“, sagte der Sprecher. Auch der Integration und Internationalisierung des Konzerns gelte Enders' „volle Aufmerksamkeit“.

Mit den Äußerungen reagierte das Unternehmen auf einen Bericht der französischen Wirtschaftszeitung „Les Echos“ vom Dienstag, wonach sich Deutsche und Franzosen grundsätzlich auf die Abschaffung der Doppelspitze beim europäischen Flugzeugbauer geeinigt haben sollen. Demnach wolle Enders wahrscheinlich das Management allein seinem französischen Partner Louis Gallois überlassen, hatte die Zeitung berichtet. Dafür dürfte der bisherige Co-Präsident Rüdiger Grube ohne sein französisches Pendant Arnaud Lagardère dem EADS-Verwaltungsrat vorsitzen.

Die Lösung sei aber noch nicht definitiv. Präsident Nicolas Sarkozy arbeite derzeit an einem neuen Organigramm. Mit Großaktionär Lagardère sei der Staat sich aber einig, schrieb die Zeitung. Merkel und Sarkozy wollten am 16. Juli am Airbus-Sitz Toulouse die Einigung verkünden, berichtet das Blatt weiter.

Auch in Berliner Regierungskreisen ist der Bericht zurückgewiesen worden. „Die Spekulationen über einen angeblichen Rückzug von Enders entbehren jeder Grundlage“, sagte ein Regierungsvertreter. Enders werde in der gesamten Branche wegen seiner Erfolgsbilanz sehr geschätzt, hob er hervor.

Die Doppelspitze aus einem Deutschen und einem Franzosen gilt als einer der Gründe dafür, warum EADS und besonders die Tochter Airbus gegenüber dem US-Rivalen Boeing ins Hintertreffen geraten ist. Seit Jahren finden Grabenkämpfe statt, die das Unternehmen blockieren. Deshalb ist immer wieder darüber spekuliert worden, dass das Führungsduo zugunsten eines einzelnen Konzernlenkers abgeschafft wird.

Die Reform des Aktionärspaktes, der den Franzosen und dem deutschen EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler gleiche Rechte im Konzern gibt, will Sarkozy dem Zeitungsbericht zufolge zurückstellen. Weder Lagardère noch Daimler-Chrysler wollten ihren Einfluss verringert sehen, heißt es zur Begründung. Zudem will Berlin keine direkte Staatsbeteiligung. Auch die Finanzierung der zehn Mrd. Euro teuren Entwicklung des Langstreckenflugzeugs Airbus A350 XWB werde später geregelt.

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