Industrie
DLR: Erfolgreicher Flug des Space Shuttle auch für deutsche Raumfahrtindustrie wichtig

Die deutsche Raumfahrtindustrie blickt mit großer Anspannung auf den ersten Start eines amerikanischen Space Shuttle seit der Columbia-Katastrophe vor zweieinhalb Jahren.

FRANKFURT. "Ein erfolgreicher Flug der Discovery ist auch für uns von zentraler Bedeutung, weil wir über die nächsten Jahre hochgradig abhängig vom Transport via Space Shuttle sind", sagte Sigmar Wittig, Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) dem Handelsblatt. So hätte das bei Astrium in Bremen gebaute Raumlabor Columbus schon in diesem Jahr zur Internationalen Raumstation ISS transportiert werden sollen. Der Flug verzögere sich jetzt bis mindestens Sommer 2007, betonte Wittig. Wegen der langen Zwangspause und dem immensen Erfolgsdruck, der auf der Discovery-Mission laste, sei er "nervöser als sonst" vor Shuttle-Starts.

Dass die US-Weltraumorganisation Nasa das krisenanfällige Programm 2010 beenden will, stellt die Europäer vor Probleme: "Wir schauen mit gemischten Gefühlen auf 2010, eben weil wir größere Crews oder Geräte nur im Space Shuttle zur ISS bringen können", sagte Wittig, der auch Ratspräsident der europäischen Raumfahrtagentur Esa ist. Das russische Sojus-Programm könne pro Flug nur zwei, maximal drei Personen ins All transportieren. Wittig: "Eine solche Alternative auf Jahre hinaus wäre unbefriedigend."

Der 64-jährige Deutsche tritt für das Ziel ein, die bemannte Raumfahrt "aus einer Phase der Experimente in eine Phase der Routine zu führen". Die Diskussion, ob sich das auch von Experten heftig umstrittene Shuttle-Programm jemals rechnen könne, will er nicht allein betriebswirtschaftlich führen: Bemannte Missionen seien "immer auch eine Investition in das bessere Begreifen der menschlichen Existenz; sie sind auch eine Kulturaufgabe", betonte Wittig: "Und was die Kostenfrage anbelangt: Stellen Sie sich einfach vor, man würde nur einen Tag lang alle raumfahrtrelevanten Geräte abstellen - es wäre das reine Chaos. Denken Sie nur an das Navigationssystem GPS oder die Wettervorhersagen. Der Schaden wäre um ein Vielfaches höher als die Summe, die jährlich in die Raumfahrt investiert wird."

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