Doch der Arbeitskampf bei Märklin zeigt: Auch der Weltmarktführer muss die Kosten senken
Modellbahn fährt weiter in Deutschland

Modelleisenbahnen werden auch künftig überwiegend in Deutschland gebaut. Der deutsche Markt, nach den USA weltweit die Nummer zwei, „profitiert von einer starken emotionalen Bindung an einheimische Produkte“, sagt Roland Gaugele, Sprecher des Weltmarktführers Märklin. Auch die Nähe zu den Original-Eisenbahnen sei ein Grund, weiter in Deutschland zu produzieren, heißt es beim Sonneberger Hersteller Piko. Der Anteil an importierten Modellbahnen beträgt lediglich 15 Prozent.

rom HB DÜSSELDORF. Die deutschen Hersteller kämpfen jedoch seit Jahren mit hohen Lohnkosten auf Grund kleiner Stückzahlen und hohem Aufwand beim detailgetreuen Nachbau der Eisenbahnen. Im Märklin-Stammwerk im baden-württembergischen Göppingen betrage der Lohnkostenanteil mehr als 40 Prozent, sagt Gaugele. In der vergangenen Woche hatten große Teil der Belegschaft im Stammwerk gestreikt, da 400 von 1 100 Arbeitsplätzen an die anderen Produktionsstandorte in Nürnberg, Sonneberg in Thüringen oder Ungarn verlagert werden sollen. Ein Teil der Stellen wird nach Unternehmensangaben jedoch wegfallen. Die Umstrukturierung soll bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Die Mehrzahl der Arbeitsplätze bleibt in Deutschland. „Wir haben das klare Ziel, die Produktion an unseren deutschen Standorten zu halten, aber zu deutlich geringeren Kosten,“ sagt Märklin-Chef Paul Adams. In Sonneberg lägen die Personalkosten ein Drittel niedriger. Märklin hat im Inland rund 1 700 Beschäftigte und 300 in Ungarn. Der Modellbahnbau beschäftigt deutschlandweit rund 3000 Menschen.

In den USA kommt von den verkauften Hobbybahnen bereits die Mehrzahl aus Fernost. Speziell für diesen Markt haben Hersteller wie Ernst Paul Lehmann Patentwerk bereits Teile der Produktion nach China verlegt. Märklin produziert aber auch für den deutschen Markt in Ungarn und fertigt dort günstige Einstiegssets, bei denen der Preiswettbewerb besonders hart ist.

Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland ist bei anderen Spielwaren wie Puppen oder Plüschtiere bereits fortgeschritten. Noch im Inland produzierende Firmen wie der fränkische Hersteller Rolly Toys oder Teile des Playmobilherstellers Brandstätter können nur durch „eine extrem hohe Automatisierung“, weiter im Inland produzieren, sagt Thomas Schmid, Geschäftsführer des Verbandes der Spielwarenindustrie. Die Branche beschäftigt in Deutschland rund 15 000 Mitarbeiter.

Insgesamt hat die Branche nach Angaben des Marktforschungsinstituts Eurotoys im vergangenen Jahr in Deutschland für 2,4 Mrd. Euro nichtelektronisches Spielzeug verkauft. Dazu konnte der Handel Video- und Computerspiele im Wert von 853 Mill. Euro absetzen. Für die Spielzeugbranche rechnet Schmid mit einem moderaten Wachstum zwischen einem und drei Prozent sowie einem im Vergleich zum Vorjahr leicht besseren Weihnachtsgeschäft. Die Flaute im Einzelhandel hat die Branche bislang weniger gespürt. „Kinder kaufen nicht preisbewusst“, sagt Schmid. So steige der Absatz von Sammelkarten wie Magic Gathering und Yu-Gi-Oh weiter beträchtlich. Hindernisse für ein schnelleres Wachstum seien jedoch die geburtenschwachen Jahrgänge und das frühere Herauswachsen der Kinder aus dem Spielalter.

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