Doch kein Verkauf
Siemens behält seine Frachtlogistiksparte

Zuletzt hieß es: Was nicht rentabel ist, wird abgetrennt. Doch offenbar will es Siemens nun noch einmal mit einem anderen Dreh versuchen. Die zuletzt zum Verkauf ausgerufene Frachtlogistiksparte wird intern erneuert.
  • 0

MünchenSiemens bläst überraschend den Verkauf seiner Sparte für Frachtlogistiktechnik ab. Das Geschäftsfeld, das Technik für Gepäck- und Postsortieranlagen herstellt, bleibe im Konzern, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Ich habe immer wieder deutlich gemacht, dass wir Geschäfte auch wieder selbst in Ordnung bringen müssen. Bei der Postautomatisierung und Flughafenlogistik werden wir das tun“, erklärte Vorstandschef Joe Kaeser. Die Sparte werde als eigenständige Firma unter dem Konzerndach von Siemens fortgeführt und mit entsprechendem Kapital ausgestattet. „Wir werden das Unternehmen so aufstellen, dass es in seinem mittelständisch geprägten Wettbewerberumfeld besser und flexibler agieren kann“, fügte Kaeser hinzu.

Siemens hatte zuletzt mit dem US-Finanzinvestor Wilbur Ross verhandelt. Die Gespräche waren bereits weit fortgeschritten, dann entzweiten sich die beiden Parteien auf der Zielgeraden doch noch. Die Sparte, die Großkonzerne wie die US-Post oder die Deutsche Post zu ihren Kunden zählt, setzt im Jahr rund 800 Millionen Euro um. Während der Verkaufsverhandlungen wurde der Unternehmenswert auf 300 Millionen Euro veranschlagt. Der Geschäftsbereich warf nach dem Geschmack von Siemens mit einem operativen Gewinn von etwa 60 Millionen zu wenig Rendite ab. Eigentlich will sich der Münchener Konzern stärker auf Energietechnik und Industrieausrüstung konzentrieren und deshalb Randbereiche abstoßen.

Neuer Chef des auch LAS genannten Geschäftsfelds wird Michael Reichle. Der 44-Jährige führt bisher den Lokomotivenbau von Siemens. Der Manager soll nach Kaesers Willen den Beweis antreten, dass Siemens seine Problemfälle auch selber aufpäppeln kann. In den letzten Jahren hat Siemens in den meisten Fällen seine Sorgenkinder verkauft. Häufig bedeutete das für die betroffenen Mitarbeiter Arbeitsplatzverluste. Jüngstes Beispiel ist der Telefonanlagenhersteller Unify, den der Konzern 2008 mehrheitlich an den US-Finanzinvestor Gores abgegeben hat. Die Amerikaner wollen jetzt die verbliebene Belegschaft von 7700 Beschäftigten halbieren.

Ein rarer Fall einer Sanierung in Eigenregie in jüngerer Zeit ist das Hörgerätegeschäft des Traditionskonzerns. Vor Jahren wollte Kaeser das Geschäftsfeld loswerden, die Gebote dafür fielen ihm dann allerdings zu niedrig aus. Als Folge verzichtete Siemens auf eine Trennung und möbelte seine audiologische Technik in Eigenregie auf. Mittlerweile ist die Braut hübsch genug für den Kapitalmarkt. Für die Tochter bereitet Kaeser einen Börsengang vor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Doch kein Verkauf: Siemens behält seine Frachtlogistiksparte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%