Die Premium-Marken haben massive Probleme in den USA, die eingebrochene Nachfrage und der schwache Dollar machen ihnen zu schaffen. Das Urteil der Analysten fällt dementsprechend negativ aus, in einem Fall sogar vernichtend.
FRANKFURT. Die Investoren und Analysten haben ihr Urteil schnell gefällt. Angesichts der jüngsten schwachen Absatzzahlen für den US-Automarkt und dem anhaltend festen Eurokurs senkten mehrere Bankhäuser in dieser Woche ihre Ergebnisschätzungen für die deutschen Premium-Hersteller. Besonders vernichtend fiel das Votum der Investmentbank Morgan Stanley aus: Sie glaubt, dass deutsche Importeure in den USA bei den gegenwärtigen Devisenkursen keine Gewinne mehr realisieren können.
Tatsächlich bereitet der schwache Dollar und die sich beschleunigende Talfahrt des US-Automarktes den Firmen mehr und mehr Kopfschmerzen. „Wir sind grundsätzlich von den zukünftigen Chancen in den USA überzeugt“, formulierte BMW-Finanzchef Michael Ganal jüngst diplomatisch. „Heute haben wir jedoch Herausforderungen.“ Auch die Experten der Ratingagentur Moody’s sehen einen starken Euro 2008 als ernsthaften Risikofaktor für die Ertragslage. Die anhaltende Dollar-Schwäche stelle für BMW, Volkswagen und Daimler ein echtes Problem dar, heißt es in einer aktuellen Studie.
Die Krisenzeichen auf dem US-Automarkt, dem weltweit größten für Luxusautomobile, mehren sich. Der gesamte US-Markt brach im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um zwölf Prozent ein. Im ersten Quartal gingen die Verkäufe um acht Prozent zurück. Angesichts der Konjunkturschwäche und hoher Benzinpreise rechnen viele Experten für das Gesamtjahr nun nicht einmal mehr mit 15 Millionen verkauften Autos in den USA – nach 16,15 Millionen im Jahr 2007.
Das trifft in erster Linie die US-Hersteller – geht aber auch an den Deutschen nicht spurlos vorbei. Dabei haben alle deutschen Autobauer für 2008 mit Wachstum in den USA gerechnet.
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Die größten Länderrisiken hat dabei der Sportwagenhersteller Porsche, der im vergangenen Jahr gut ein Drittel seiner Fahrzeuge – 34 693 – in den USA verkauft hat. Im März setzte Porsche in den USA und Kanada nur noch 2 624 Neuwagen, 24 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Porsche drosselte nach eigenen Angaben die US-Verkäufe, um mehr in andere Märkte liefern zu können. Doch Experten warnen, wenngleich Porsche zweimal soviel Gewinn in den Emerging Marktes erziele wie in den USA, dürften die Risiken auf dem US-Markt für das Unternehmen nicht außer Acht gelassen werden.
Auch der anhaltend schwache Dollarkurs hinterlässt seine Spuren in den Gewinnen der deutschen Autobauer. Vor allem BMW bekommt nun die Kehrseite seiner starken Position in Nordamerika zu spüren. Als erfolgreichster europäischer Premiumhersteller dort „trifft uns ein anhaltend schwacher Dollar stärker als die Wettbewerber, die deutlich weniger Fahrzeuge in den USA verkaufen“, klagte Konzernchef Norbert Reithofer jüngst. So schlugen im vergangenen Jahr die Währungsbelastungen mit 517 Mill. Euro ins Kontor der Bayern.
Um sich davon unabhängiger zu machen, wollen vor allem BMW und VW in den nächsten Jahren Produktion und Einkauf im Dollar-Raum ausweiten. So steht VW vor der Entscheidung für den Bau eines Werkes im Dollarraum. Und die Bayern, die bereits ein Werk in den USA haben, wollen Produktion und Einkauf im Dollarraum erhöhen. Ein Weg, den auch Audi erwägt. Um das Währungsrisiko zu mindern, sei eine „Fabrik in den USA Teil der strategischen Überlegungen“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler jüngst.
Allerdings kann solches „Natural Hedging“ aus Sicht der Experten nur eine langfristige Lösung für Währungsschwankungen sein. Das es sich auszahlen kann, beweisen die Japaner. So bereitet heute der schwache Dollar den japanischen Herstellern mit ihren vielen US-Werken laut der Ratingagentur Standard & Poor’s deutlich weniger Kopfzerbrechen als der Konkurrenz aus Europa.

