Doppelrolle
Piëch: Spagat zwischen VW und Porsche

Der Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch gerät im Zusammenhang mit dem Porsche-Einstieg bei VW verstärkt in die Kritik. Die Kapitalverflechtung der beiden Firmen verschärfe ohnehin bestehende Interessenkonflikte, heißt es übereinstimmend bei Aktienrechts- und Corporate-Governance-Experten. Piëch müsse diese Konflikte offen legen, fordern sie.

HB DÜSSELDORF. Durch die Doppelfunktion Piëchs als Mitglied beider Aufsichtsräte werden in wachsendem Umfang Interessenkollisionen befürchtet „Es dürfte immer wieder Entscheidungen in den Aufsichtsräten geben, bei denen sich Herr Piëch der Stimme enthalten müsste“, sagt der Rechtswissenschaftler Theodor Baums. „Aber das wird ihm wohl bekannt sein.“ Baums war Mitglied der Regierungskommission, die den deutschen Corporate-Governance-Kodex entwickelte.

Andere Experten fordern, Piëch sollte zumindest eines seiner Aufsichtsratsmandate niederlegen. Christian Strenger, Mitglied der Kodex-Kommission und Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS, sagte: „Piëchs drei Funktionen sind mit den Maßstäben eines Best Practice nicht vereinbar.“ Piëch könne sich aussuchen, welches Mandat er weiter ausüben wolle. Manuel René Theisen, Leiter des Lehrstuhls für Betriebswirtschaft an der Uni München, sieht durch die Kapitalbeteiligung Porsches an VW eine „höhere Stufe der Interessenkollision“. Jetzt komme das „massive Eigenkapitalinteresse“ Piëchs hinzu.

Der ehemalige VW-Vorstandsvorsitzende Piëch ist nicht nur Aufsichtsratschef des Wolfsburger Autobauers, sondern vertritt auch als einfaches Mitglied die Interessen seiner Familie im Porsche-Aufsichtsrat. Die Familien Porsche und Piëch kontrollieren den Stuttgarter Autohersteller vollständig weil sie alle stimmberechtigten Stammaktien besitzen. Nur die stimmrechtslosen Vorzüge sind an der Börse notiert. Jetzt will Porsche 20 Prozent an VW erwerben. Hinzu kommt: Piëch ist Miteigentümer der größten VW-Vertriebsgesellschaft Porsche Holding GmbH. Kritiker hatten ihn deshalb schon früher vorgeworfen, dass er durch Insiderinformationen Vorteile für seine Vertriebsgesellschaft herausholen könne.

Rechtlich, so Theisen, seien die Mehrfachmandate Piëchs nicht angreifbar. Unter Corporate-Governance-Gesichtspunkten seien sie aber „unbedingt diskussionswürdig“. Zumal bei diesem vermutlich von Piëch selbst eingefädelten Geschäft, bei dem „maßgebliche Anteile eines großen Dax-Unternehmens offenbar am Küchentisch verschoben werden“, sagt Theisen.

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