Doppelspitze abgeschafft
EADS geht an Franzosen, Airbus an Deutsche

In Toulouse treffen sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel, um über die Zukunft von EADS zu beraten. Bereits fest steht, dass die Doppelspitze abgeschafft wird: Der Deutsche Tom Enders muss seinen Stuhl als Konzernchef räumen; künftig regiert der Franzose Louis Gallois alleine. Dafür bekommen die Deutschen aber einen zweifachen Ausgleich.

HB TOULOUSE. Enders wird Chef der EADS-Flugzeugtochter Airbus, die bislang Gallois neben seiner Tätigkeit als Co-Chef des Konzerns führt. Das teilte Enders am Montag in Toulouse mit. Der Daimler-Chrysler-Manager Rüdiger Grube wird künftig alleine dem Verwaltungsrat von EADS vorsitzen. Auch hier war bislang eine deutsch-französische Doppelspitze installiert mit Arnaud Lagardère als zweitem Mann. Daimler und der Mischkonzern Lagardère sind die größten Anteilseigner von EADS.

„Ich weiß, es kommt überraschend, aber es ist eine gute Entscheidung“, sagte Enders. Die Zukunft von EADS entscheide sich an der Zukunftsfähigkeit von Airbus. „Das ganze Unternehmen macht einen großen Schritt nach vorn.“ Auf die Frage, wer sich im Tauziehen um die neue Führung durchgesetzt habe, sagte Enders: „Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer.“ Der 48-Jährige leitete die Rüstungssparte bei EADS, bevor er im Sommer 2005 Co-Chef des Konzerns wurde.

Zur Zusammenarbeit mit Gallois sagte Enders: „Ich werde zukünftig an Gallois berichten. Die Zusammenarbeit ist erprobt.“ Gallois erklärte: „Ich bin sehr glücklich über meine zukünftige Arbeit. Sie ist meiner jetzigen Aufgabe sehr ähnlich.“ Die Änderungen sollen im vierten Quartal umgesetzt werden.

Das Modell, das die Umkehrung bisher diskutierter Pläne bedeutet, hätten die deutschen Unterhändler den Franzosen am Wochenende vorgeschlagen, schreibt die FAZ. Bislang hatte es so ausgesehen, als bekämen die Deutschen den Konzernvorsitz und die Franzosen dafür die beiden anderen Posten.

Bei seiner Gründung im Jahr 2000 wurde bei dem europäischen Konzern zur Wahrung des Machtgefüges zwischen deutschen und französischen Anteilseignern ein Aktionärspakt ausgearbeitet. Dabei wurden Doppelspitzen sowohl im Vorstand als auch im Verwaltungsrat vereinbart. Dennoch flammten immer wieder Diskussionen über Führungsansprüche zwischen den Ländern und effizientere Managementstrukturen auf. Zuletzt wurden sie durch die Airbus-Krise erneut ausgelöst. Die verspätete Auslieferung des Großraumflugzeugs A380 kostete das Unternehmen Milliarden. Das Geld soll nun durch einen Arbeitsplatzabbau und den Verkauf von Airbus-Werken wieder hereingeholt werden.

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