Doppelspitze wackelt
Deutsche und Franzosen rangeln um EADS-Chefposten

Über die Abschaffung der Doppelspitze beim deutsch-französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS herrscht Einigkeit, doch um die künftige Aufgabenverteilung wird noch hart gerungen. Keines der beiden Länder will an Einfluss verlieren.

ali/rut/ink/saf PARIS/BERLIN. Der französische EADS-Großaktionär Lagardère befürwortet eine Neu-Organisation der Konzernführung. „Wir sind uns einig, dass die Doppelspitze abgeschafft werden soll“, hieß es aus Lagardère-Kreisen. „Derzeit laufen aber noch die Verhandlungen zwischen Lagardère, dem Elysée-Palast, Daimler und der Bundesregierung, wie die jeweiligen nationalen Interessen bei dieser Neuorganisation gewahrt werden können.“ Der deutsche EADS-Aktionär, Daimler-Chrysler, wollte dazu keinen Kommentar abgeben. Ein Sprecher Lagardères verwies nur auf die laufenden Gespräche.

Der Lagardère-Sprecher und die deutsche Bundesregierung dementierten indes einen Bericht der Zeitung „Les Echos“ demzufolge es bereits eine Einigung darüber gibt, dass der Franzose Louis Gallois einziger CEO und der Deutsche Rüdiger Grube einziger Chef des Verwaltungsrates bei EADS werden soll. „Das entbehrt jeder Grundlage“, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Thomas Enders sagte auf der Handelsblatt-Sicherheits-Tagung, dass er sich an den Schriftsteller George Bernhard Shaw erinnert fühle, der einmal seine eigene Todesanzeige las. Enders sei sicher, auch „über den 16. Juli hinaus noch gut ausgelastet zu sein“. Der Elysée-Palast lehnte auf Anfrage jeden Kommentar ab.

Auslöser der Spekulationen über die Neuorganisation der EADS-Führung sind die Erklärungen von Frankreichs Premierminister Francois Fillon und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen am vergangenen Donnerstag in Berlin. Beide hatten dabei übereinstimmend ihren Willen bekundet, die Doppelspitze abzuschaffen. „Wir müssen sehen, dass wir zu effizienteren Strukturen kommen“, hatte Merkel gesagt.

Am 16. Juli will sie sich bei Airbus in Toulouse mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy treffen, um über EADS zu beraten. Zu dem Treffen sollen auch die privaten Aktionäre Daimler und Lagardère kommen. Die Bundesregierung will bis zu dem Treffen in Toulouse eine eigene Position für die künftige Führungsstruktur erarbeiten. Bisher hat EADS sowohl zwei Chefs des Verwaltungsrates, Arnaud Lagardère und den Daimler-Vertreter Rüdiger Grube, sowie zwei Vorstands-Chefs: Louis Gallois und Thomas Enders.

Vertreter der Bundesregierung betonten, dass bei der geplanten Neufassung der EADS-Spitze an dem deutsch-französischen Gleichgewicht nicht gerüttelt werden darf: So sagte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung am Rande der Handelsblatt-Sicherheitstagung, dass „die gemeinsame Verantwortung von Deutschland und Frankreich auch und gerade für EADS in Zukunft gewährleistet“ werde. Zu konkreten Änderungen der Führungsstruktur beim europäischen Luftfahrtkonzern wollte sich Jung auf Nachfrage nicht äußern.

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