Dortmunder Getränkekonzern wird zum Ladenhüter
Verkauf von Brau und Brunnen stockt

Der Verkauf des Dortmunder Getränkekonzerns Brau und Brunnen AG wird zur scheinbar endlosen Geschichte. Wie es in Branchenkreisen hieß, sind die Verhandlungen zwischen der US-Kapitalfirma One Equity Partners (OEP) und der Hypo-Vereinsbank (HVB) gescheitert. Die Gespräche waren offenbar bereits weit fortgeschritten. Doch hätten schließlich Preis und Struktur des Angebots von OEP nicht überzeugt, worauf die HVB die Verhandlungen abgebrochen habe, hieß es. Ein HVB-Sprecher wollte dazu nicht Stellung nehmen.

cbu/lip MÜNCHEN/HAMBURG. Jetzt gilt es als wahrscheinlich, dass die HVB zunächst an ihrer Mehrheitsbeteiligung festhält und die Verkaufsgespräche auf Eis legt. Zuletzt wurde ein Paket mit einem weiteren Gesellschafter geschnürt, so dass zusammen mit Brauerei-eigenen Aktien gut 75 % zum Verkauf stehen. Am heutigen Dienstag will der Vorstandschef von Brau und Brunnen, Michael Hollmann, in Dortmund die Presse informieren. Ein Konzernsprecher erklärte, es würde eine Entscheidung verkündet. Für einen Komplett- oder Teilverkauf des Getränkekonzerns gibt es derzeit keine Anzeichen. HVB-Chef Dieter Rampl hatte bereits mehrmals betont, dass er nur zu einem guten Preis verkaufen werde.

Brau und Brunnen wird damit für die HVB zu einem Ladenhüter. Schon seit Jahren sucht sie händeringend einen Käufer. Die Beteiligung stammt noch von der Hypo-Bank, mit der die Vereinsbank 1998 fusionierte. Bereits Rampls Vorgänger Albrecht Schmidt hatte sich um einen Verkauf bemüht. Der fast schon sichere Einstieg des Münchener Immobilien- und Getränkeunternehmers Stefan Schörghuber war, wie jetzt mit OEP, überraschend geplatzt

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Bisher hielt die HVB an dem Plan fest, Brau und Brunnen als Ganzes zu verkaufen. Zum Konzern gehören unter anderem bundesweit erfolgreiche Biere wie „Jever“, aber auch regionale Marken wie „Schultheiss“ oder „Tucher“. Zuletzt hatten neben OEP ein weiterer Finanzinvestor sowie zwei Brauereien Interesse gezeigt. Einen Einstieg von Radeberger aus dem Oetker-Konzern lehnen die Dortmunder vehement ab, da dadurch die beiden Konzernstandorte Dortmund und Berlin gefährdet werden könnten.

Immer wieder wird auch darüber spekuliert, dass Brau und Brunnen und die ebenfalls zum Verkauf stehende Holsten-Brauerei AG zusammen veräußert werden. Damit würde ein Investor auf einen Schlag rund 20 % des deutschen Biermarktes kontrollieren.

Konsumrückgang auf dem deutschen Biermarkkt

Doch diese Variante ist nicht mehr im Gespräch. Dagegen wird bei Holsten eine Zerschlagung für immer wahrscheinlicher gehalten, nachdem der Großaktionär Christian Eisenbeiss für sein knapp 49 %iges Aktienpaket keinen Käufer gefunden hat. Wie es jetzt in Unternehmenskreisen heißt, sollen sich der dänische Braukonzern Carlsberg A/S, Kopenhagen, und die Bitburger Getränke Verwaltungsgesellschaft mbH, Bitburg, für Teile des Brauriesens interessieren. Danach liebäugelt Carlsberg mit dem Erwerb der Billigbiermarken Astra, Holsten, Feldschlösschen und Lübzer. Bitburg schielt hingegen auf die Premium-Marken Licher und König Pilsener. „Es lässt sich offenbar kein Käufer finden, der Holsten und Brau und Brunnen als Ganzes übernimmt. Daher ist als nächste Strategie angedacht worden, sich von Teilen des Unternehmens zu trennen“, meint Jochen Intelmann, Aktienanalyst bei der Hamburger Sparkasse.

Dass Eisenbeiss keinen attraktiven Erwerber findet, begründet Intelmann mit dem Konsumrückgang auf dem deutschen Biermarkt. Vor allem das Einweg-Pfand verhagelt das Geschäft: Davon ist auch Holsten betroffen. Das Unternehmen verkaufte mit 9,8 Mill. Hektolitern in den ersten neun Monaten 11 % weniger Getränke als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn fiel um gut die Hälfte auf 2,6 Mill. Euro.

Eisenbeiss muss sich aber von seinem Holsten-Engagement trennen, da das weitere Wachstum nicht allein finanzieren kann. Zudem drücken den Konzern rund 300 Mill. Euro Schulden, und dem Finanzspezialisten fehle das notwendige Geld, um die Bilanzrelationen zu verbessern, heißt es in Kreisen von Holsten.

Der Holsten-Kurs kletterte gestern zeitweise um 6 % auf gut 36 Euro. Ein Holsten-Sprecher: „Wir suchen weiterhin einen starken Partner, die Verhandlungen halten noch an.“ Sprecher von Bitburg und Carlsberg wollten sich zu den Marktspekulationen nicht äußern.

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