Downloadplattform
Sony will Apple attackieren

Es gab mal eine Zeit, da hat Apple den Angriff auf Sony ausgerufen. Damals erntete das Unternehmen dafür durchaus auch Spott. Im Jahr 2009 sieht es so aus, dass Sony Apple attackieren will. Und zwar im Internet.
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TOKIO. Der japanische Elektrokonzern Sony kündigt eine übergreifende Downloadplattform an, die dem Marktführe iTunes des US-Anbieters Apple Konkurrenz machen soll. „Wir kommen nicht weiter, indem wir nur unvernetzte Hardware anbieten“, sagte Firmenchef Howard Stringer gestern in Tokio. Auf „Sony Online Service“, so der Projektname, sollen Filme ebenso verfügbar sein wie Musik und Computerspiele. Sein Unternehmen habe den Krieg des iPod gegen den Walkman verloren, doch mit einem neuen Ansatz wolle es verlorenes Terrain zurückerobern, sagte Stringer.

Sony hat in der Vergangenheit bereits zwei Anläufe gemacht, in den Downloadmarkt einzusteigen, hat jedoch beide Systeme wieder aufgegeben. Das neue Konzept nutzt die Kundenbasis des vorhandenen Onlinehandels über die Spielkonsolen des Konzerns als Ausgangspunkt. Es soll jedoch von verschiedenen Endgeräten wie dem PC, dem Handy oder tragbaren Spielgeräten gleichermaßen zugänglich sein.

Bereits Ende der 90er-Jahre hatte Sony mit einer Plattform für das Herunterladen von Musik experimentiert und 2004 mit Sony Connect und zwei Jahre später mit Movielink ernst gemeinte Vorstöße in den Wachstumsmarkt unternommen. Die Projekte gingen jedoch wegen Mangel an Nutzern ein. Sony erkannte erst nachträglich, woran sie scheiterten: Anders als die Wettbewerber waren die Angebote zu abgeschottet – Sony bestand beispielsweise stets auf einem eigenen Format für die Speicherung der Daten; und die Walkman-Musikspieler konnten ausschließlich Lieder von der eigenen Ladeseite wiedergeben.

Dazu kam, dass die Software einfach nicht richtig gut gemacht war und hinter der modernen Anmutung der Konkurrenz aus Amerika verblasste. „Sony kann keine Software“, kommentierte Microsoft-Chef Bill Gates damals. Sony hatte also die zwei wichtigsten Bausteine: die Inhalte aus der Musik- und Filmsparte und beliebte Abspielgeräte – schaffte es aber nicht, sie so zu verknüpfen, wie die Kunden es wollten.

Diesmal vermeidet Sony all diese Fehler. Das Unternehmen geht von den existierenden Kunden des Playstation-Network aus. Stringer nannte die Zahl von 46 Mio. Benutzer, die mit ihrer Videospielkonsole Inhalte herunter geladen haben. Im laufenden Jahr bereits soll der Dienst etwa 500 Mio. Dollar Umsatz machen. Der Absatz soll sich vervielfältigen, sobald Sony Online komplett ausgebaut ist. Sony hat sich mehr Mühe mit der Software beispielsweise für PCs gegeben und das ganze System offener angelegt mit mehr Nutzung verbreiteter Softwarestandards und mehr Möglichkeiten, einen Film oder ein Lied auf verschiedenen Geräten abzuspielen, etwa dem Fernseher, der Spielkonsole, dem Handy oder dem Walkman.

Zugleich will Sony auf den Zug der der sozialen Netzwerke aufspringen. Es soll den Kunden möglich sein, eigene Fotos oder Videos hochzuladen und sie mit Freunden zu teilen. Zugleich soll erkennbar sein, was Freunde innerhalb des eigenen Netzwerks gerade ansehen oder hören. Damit würde Sony ein wenig in Richtung der Videoseite Youtube und von Sozialseiten wie Facebook gehen. Sony-Chef Stringer erklärte gestern auch, warum sein Unternehmen dieses übergreifende Downloadnetz nicht schon früher angekündigt hat. „Wenn etwas schief gegangen wäre, hätten wir als Sony überproportional viel Kritik einstecken müssen.“ Er habe diesmal erst die Plattform aufbauen wollen und „einen Schritt nach dem anderen“ gehen wollen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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