Dramatischer Umsatzeinbruch: Autozulieferer Edscha geht in die Insolvenz

Dramatischer Umsatzeinbruch
Autozulieferer Edscha geht in die Insolvenz

Die Pleitewelle in der Autoindustrie hat den nächsten großen Player erfasst: Die Remscheider Edscha AG sah sich am Montag zum Insolvenzantrag beim Amtsgericht Wuppertal gezwungen, nachdem Krisengespräche mit Banken, Kunden und Landesregierungen über das Wochenende ohne Erfolg geblieben waren. Überschuldung war nicht der Grund für den Schritt.

DÜSSELDORF. Ursache für die Insolvenz sei ein dramatischer Umsatzeinbruch um rund die Hälfte als Folge der internationalen Krise der Automobilindustrie. Der Cash-flow des Unternehmens habe nicht mehr für die Weiterführung der Geschäfte gereicht. Das gilt nicht nur für die Standorte in Deutschland, sondern für alle in Europa.

Hintergrund sei eine „massiv rückläufige Entwicklung“ am Automobilmarkt sowie der erschwerte Zugang zu Kapital, sagte eine Sprecherin am Montag weiter. Der Antrag sei beim Amtsgericht Wuppertal für die europäischen Standorte gestellt worden. Betroffen seien rund 4 200 Mitarbeiter.

Edscha produziert mit 5 800 Beschäftigten an 29 Standorten weltweit Faltdächer und Türscharniere für eine Reihe von Autoherstellern. In Deutschland hat das Unternehmen neben dem Hauptsitz Remscheid Werke in Hengersberg, Hauzenberg und Regensburg mit insgesamt 2 300 Beschäftigten. Um Kosten zu senken, hat das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr 700 Beschäftigte entlassen.

Eigentümer von Edscha ist die US-amerikanische Private-Equity-Firma Carlyle. Sie hat das Unternehmen 2003 für 185 Mio. Euro gekauft und muss den Kapitaleinsatz jetzt voll abschreiben - bis auf die 60 Mio. Euro, die sie 2005 im Rahmen einer Rekapitalisierung aus dem Unternehmen herausgezogen hat. Unter der Führung von Carlyle hat das Unternehmen den Jahresumsatz um ein Drittel auf zuletzt 1,1 Mrd. Euro gesteigert.

Erst im Dezember hat Carlyle nach Angaben aus den Kreisen weitere 20 Mio. Euro Kapital nachgeschossen. In den Verhandlungen am Wochenende habe Carlyle angeboten, weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, aber nur wenn auch die anderen Beteiligten Zugeständnisse machten. Dazu seien aber trotz zäher Verhandlungen, die sich bis in den Montag hineinzogen, insbesondere die Autohersteller nicht bereit gewesen.

In den Verhandlungskreisen hieß es, Überschuldung sei nicht der Grund für die Insolvenz. Die Nettoverschuldung von Edscha belaufe sich auf das 2,9-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Von Edscha und von Carlyle waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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