Drei Euro Dividende
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen

Siemens-Chef Peter Löscher läutet die schärfste Sparrunde seiner Amtszeit ein. Der Gewinn im Ende September geendete Geschäftsjahr war um 30 Prozent geschrumpft. Der Umsatz werde 2013 wohl stagnieren.
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MünchenSiemens will mit einem einschneidenden Sparprogramm inmitten der Wirtschaftskrise seine Gewinnspannen erhöhen. In den kommenden zwei Jahren will Vorstandschef Peter Löscher sechs Milliarden Euro an Kosten reduzieren, kündigte er am Donnerstag in Berlin an. Dazu will er unprofitable Geschäftsfelder abstoßen, Standorte zusammenlegen und auch Stellen streichen. Den Umfang des Jobabbaus ließ Siemens offen. Es gehe vor allem um die Konzentration auf das Kerngeschäft von Siemens, also im wesentlichen auf Energie- und Infrastrukturtechnik, Industrieausrüstung und Medizintechnik. Die operative Rendite soll auf mindestens zwölf Prozent von zuletzt 9,5 Prozent steigen. „Das ist operativ durch die Kraft des Geschäfts machbar“, sagte Finanzchef Joe Kaeser.

Siemens hadert fünf Jahre nach Löschers Amtsantritt noch immer mit den Fehlern der Vergangenheit. Verpatzte Projekte kosten den Konzern Jahr für Jahr hunderte Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr versenkte der Konzern allein 600 Millionen Euro mit dem missratenen Anschluss von Windparks in der Nordsee und weitere 200 Millionen Euro beim seit Jahren verzögerten Bau eines finnischen Atomreaktors. Finanzchef Kaeser regte sich über das Projektmanagement seiner Mitarbeiter auf. „Das muss besser werden“, forderte Kaeser, der sich zum Zeichen des Neuaufbruchs seinen markanten Schnauzbart abrasiert hat. Insgesamt beliefen sich die Sonderlasten auf 1,2 Milliarden Euro, es blieben 5,2 Milliarden Euro Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft stehen - fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. „Wenn alles gut gelaufen wäre, wäre das ein hervorragendes Jahr gewesen“, klagte Kaeser.

Dennoch will die Siemens-Spitze nicht mit der Rasenmähermethode Personal abbauen. „Wer als Manager mit dem Abbau von Stellen prahlt, der muss sich vorher fragen, warum er keine Arbeit dafür schafft“, sagte der Finanzchef. Alle Geschäftsfelder würden daraufhin abgeklopft, ob sie aus konjunkturell Gründen schlecht dastünden - oder grundsätzlich. Je nachdem stünden Kurzarbeit, Stellenabbau oder der Verkauf ins Haus. Bis 2014 werde der neuerliche Konzernumbau 1,5 Milliarden Euro kosten.

Siemens war mit seiner Wachstumsoffensive gescheitert und vom Umschlagen der Wirtschaftslage erwischt worden. Ohne den erhofften Effekt wurden in den vergangenen Jahren acht Milliarden Euro für Forschung ausgegeben, Konkurrenten wie ABB oder GE wachsen auch dank gelungener Übernahmen deutlich schneller. Dass Siemens den Anschluss verloren hat, ärgert Löscher sichtlich: „Mittelfeld ist für Siemens nicht genug“, grantelte der Österreicher in Berlin.

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Analysten halten Sparprogramm für ausgewogen

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  • Was nützt die soziale Funktion, wenn dem Konkurrenten nebenan diese egal ist? Mit sozialen Wohltaten lässt es sich alleine schlecht überleben. Das sollte doch aus der Politik bekannt sein.

  • Siemens lebt schon lange nur mehr hauüptsächlich durch seine politischen Beziehungen. Das ganze obere Managment ist mit Ex-Politikern aller Farben durchtränkt! Damit werden Subventionen und öffentliche Aufträge gesichert!

    Siemens ist nunmehr bereits zum zweiten Mal aus der Solarenergie ausgestiegen!
    Löscher selbst, lebt wie seine Vorgänger, nur mehr von der Altsubstanz der Firma, also durch Zu- und Verkäufe von Firmenteilen.
    Das Siemens Managment besteht aus Skrupellosen Ex-Politikern die beinhart Existenzne zerstören, um Ihre eigene Unfähigkeit zu vertuschen. Warum kann ein Großkonzern nicht einfach eine Zeitlang einen Teilbereich durchfüttern, der zuvor ja Gewinne erbracht hatte ? Wo bleibt die sogenannte soziale Funktion der Großkonzerne!

  • Die heutigen Manager sind zumeist Leute ohne Gewissen die skrupellos Leute entlassen und damit Existenzen zerstören. Von der Domäne selbst haben die sowieso keine Ahnung!

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