Autohandel

Die Autobauer versuchen mit Rabatten den Absatz von Dieselautos zu stabilisieren – bislang erfolglos.

(Foto: dpa)

Drohende Fahrverbote Autobauer locken mit Diesel-Rabatten – und verschrecken immer mehr Kunden

Verzweifelt versuchen Volkswagen und Co., mit Rabattaktionen ihre Dieselautos loszuwerden. Neue Zahlen zeigen: Das Gegenteil tritt ein.
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DüsseldorfSeit Monaten leisten sich fast alle Autobauer in Deutschland eine Rabattschlacht ungekannten Ausmaßes. Mit einem Ziel: Sie wollen unbedingt das Dieselgeschäft reanimieren.

580 Rabattaktionen zählten die Autoexperten des CAR Center Automotive Research im März. Doch die Hersteller erreichen damit genau das Gegenteil. „Die Angst vor dem Diesel ist mit den Prämien gestiegen“, sagt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer.

Neue Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) unterstreichen den Trend: Wie das KBA am Mittwoch mitteilte, ist der Absatz von Dieselfahrzeugen im ersten Quartal 2018 um mehr als 20 Prozent gesunken.

Im März hatten demnach nur noch 31,4 Prozent aller neu zugelassenen Pkw einen Dieselmotor. Ein Jahr zuvor lag der Dieselanteil noch bei 40,6 Prozent, im Durchschnitt des Jahres 2016 bei 45,9 Prozent.

Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat sich die Dieselkrise also nochmals verschärft. Ende Februar hatten die Leipziger Richter Städten und Kommunen erlaubt, Fahrverbote zu verhängen, um für bessere Luft zu sorgen. Autoabgase verpesten vielerorts die Luft – Diesel-Motoren sind die Hauptursache. Die Deutsche Umwelthilfe klagt mittlerweile gegen mehr als 80 Städte.

Mit ihren Rabattaktionen wollen die Autobauer ihr Geschäft retten. „Doch durch die Prämien-Sause ist die Flucht aus dem Diesel verstärkt worden“, sagt Dudenhöffer.

Das macht er exemplarisch an Volkswagen fest: Bis zu 10.000 Euro gewährt VW Kunden, die ihren Diesel abgeben und dafür mit einem Neuwagen vom Hof fahren. 170.000 Dieselautos hat der Konzern nach eigenen Angaben auf diese Weise aus dem Verkehr gezogen.

Immer mehr Neuwagenkäufer ziehen Benziner vor

Bislang galt das Angebot auch für Käufer eines Benziners. Die Folge: Im Februar dieses Jahres wählten nur noch 17,1 Prozent der Neuwagenkäufer in VW-Autohäusern einen Diesel-Pkw – im Januar 2017 war es noch ein Drittel. Im Schnitt aller Marken, so das KBA, legte der Absatz von Benzinern im März um neun Prozent zu.

Der weltgrößte Autobauer hat inzwischen reagiert: Volkswagen verlängert seine Prämienaktion zwar bis Ende Juni. Die maximal 10.000 Euro gibt es aber nur noch beim Kauf eines neuen Dieselautos. Andere Hersteller wie BMW und Audi locken mit Umtausch- oder Rücknahmeversprechen für Leasing-Kunden, sollten die Autos demnächst von Fahrverboten betroffen sein.

Damit dürften „jetzt auch die Diesel-Neuwagenpreise ins Rutschen kommen“, warnt Dudenhöffer. Den Autobauern droht somit auch bei ihren Neuwagen, was seit Monaten auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu beobachten ist: Die Restwerte von Dieselautos brechen ein, längst sind viele Pkw zu Ladenhütern geworden.

Auf dem Hof von Gebrauchtwagenhändler Mehmet Saglam in Neuss etwa steht ein schwarzer BMW. Und das seit Monaten. Er sei zuversichtlich, den Wagen in den nächsten Tagen endlich zu verkaufen, sagt Saglam. Fast ein halbes Jahr hat es gedauert. Trotz 20 Prozent Rabatt. Trotz Schadstoffklasse Euro 6.

Auch die Gebrauchtwagenhändler leiden

So wie Saglam geht es etlichen Händlern im ganzen Land. Eine Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) unter 1817 Autohandelsbetrieben zeigt: Alarmierend ist die Situation vor allem bei Diesel-Pkw unterhalb der Abgasnorm Euro 6.

Ein Drittel der Händler muss demnach Rabatte von 30 bis 50 Prozent gewähren. Weitere 22 Prozent meinen, ältere Diesel nur dann loszuwerden, wenn die Hersteller die Autos mit Hardware zur Abgasreinigung nachrüsten. Zehn Prozent halten Euro-5-Diesel gar für gänzlich unverkäuflich.

Mit Hardware ist zum Beispiel ein Extra-Tank zur gründlicheren Abgasreinigung gemeint. Dieselautos könnten so wesentlich sauberer werden. Und auch die Gefahr von Fahrverboten wäre wohl gebannt.

„Frühzeitige Hardware-Umrüstungen wären der Königsweg gewesen. Damit stünden heute alle – Autobauer, Dieselbesitzer, Autohändler, Kommunen und Großstadtbewohner – besser da“, kritisiert Autoexperte Dudenhöffer.

Doch dagegen sträubt sich die Autoindustrie, allen voran Volkswagen, bis heute erfolgreich. Sie beharrt auf der kleinen Lösung: Software-Updates für die Motorensteuerung.

Die Politik weiß die mächtige Autolobby hinter sich. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe verwies Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf die laufenden Updates für 5,3 Millionen Dieselautos. So versuchte Scheuer zu beruhigen: „Diesel-Besitzer haben keinen Grund zur Panik.“

Ob solche Ansagen wirken? Anzeichen dafür gibt es nicht. „Vorerst wird sich der Absatz von Diesel-Neuwagen nicht erholen“, erwartet Peter Fuß, Partner der Unternehmensberatung EY. „Im Gegenteil: In den kommenden Monaten dürfte der Negativtrend anhalten.“

Ein Grund: Die Hersteller kommen mit der Produktion von Dieselautos der neuesten Euro-6d-Norm nicht nach. Die ohnehin verunsicherten Kunden hätten mit langen Wartezeiten zu rechnen, sagt Fuß. Irgendwann helfen auch die schönsten Rabattaktionen nicht mehr.

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13 Kommentare zu "Drohende Fahrverbote: Autobauer locken mit Diesel-Rabatten – und verschrecken immer mehr Kunden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es gibt entgegen der ständigen Unterstellung von allen Seiten keinen direkten Zusammenhang zwischen
    1. einem Stickstoffoxid-Messwert in einer Stadt
    2. der Motortechnik gelegentlich in dieser Stadt fahrenden Autos

    Während dieser Zusammenhang als "offenbar" wahrgenommen wird, gibt es ihn nicht wirklich, er wird nur durch lautes getöse und Geschrei von Medien, autofeindlichen Politikern und Umwelt "Helfern" hergestellt.
    Man sollte sich zum Beispiel nur mal fragen:

    - warum werden nicht Gebäudeheizungen, Heizkraftwerke usw. als Schuldige verantwortlich gemacht - diese verursachen auch Stickstoffoxid und Gebäude könnte man ohne weiteres auch mit Strom heizen (wie in Frankreich üblich). Kosten die damit entstehen, spielen bekanntlich in Deutschland keine Rolle wenn es um links-grüne Ziele geht

    - warum hören wir nichts von LKW, Lieferwagen, Bussen, Diesel-Loks und -Triefahrzeuge der Bahn? Wieso immer das persönliche Auto als "Zielscheibe" der Regulierung?

    Es scheint hier wohl eine stillschweigende Agenda zu geben die auf die individuelle Mobilität abzielt, und die weit entfernt davon ist, sich wirklich um Stickstoffoxid zu sorgen.

  • Und sieh da, wir Kunden besinnen uns endlich darauf, dass wir entscheiden was wir kaufen. Richtig so. Diese Arroganz der Autolobby muss endlich gebrochen werden. Wir sind auf dem richtigen Weg. Kunden lassen sich halt höchstens für eine sehr begrenzte Zeit für dumm verkaufen. Nur über den Druck der Kunden werden sich die Autobauer ändern!

  • Immer wieder interessant vom CAR Researchcenter hier zu lesen da in den Fachzeitschriften von Ihm Abstand genommen wird wegen Populismus.
    Ist schon interessant das z.B. Jahreswagen als Diesel keinen Abschlag bekommen haben und wenn man auf der Suche nach guten Angeboten ist, man sich beeilen muss um die Angebote kaufen zu können (wie gesagt zu Preisen die auch vor einem Jahr so waren) da Sie sonst schon verkauft sind.
    Irgendwie driftet die Realität mit dem Artikel gerade arg auseinander. Würde helfen wenn man sich nicht auf Herrn Dudenh.... berufen würde und seinem Populismus verfällt.

  • Freut mich, dass es endlich auch bei den Herstellern, und nicht nur den armen Händlern ankommt. So ist es, wenn man Jahrelang Mogelpackungen verkauft, die nur in einem winzigen Temperaturfenster reinigen.

  • @Herr Chris Frank
    04.04.2018, 16:25 Uhr

    "Unsere Luft ist so sauber wie noch nie zuvor in der Geschichte seit Beginn der Industrialisierung. Und unsere Lebenserwartung so hoch wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen."

    Warum wohl?

  • Die Mehrheit hier ist schon so närrisch das es manchem eigentlich weh tun muss. Die Politimitatoren die EU Bürokratenwurstel richten gerade auf dem Scheiterhaufen der Phantasten den Verbrennungsmotor hin. Und die Mehrheit klatscht noch Beifall. Was ist bloß aus diesem Land geworden? Zweifellos tendiert die Welt zum Irrsinn und wir wollen mit aller Gewalt einen großen Anteil daran haben.

  • Ich hätte vom Handelsblatt jetzt etwas mehr Objektivität und journalistische Sorgfalt erwartet. Wo bitteschön haben wir in Deutschland in den Städten verpestete Luft? Da wird nur eine Behauptung der Ökoterroristen nachgeplappert, die eine schlichte Stimmungsmache ohne jeglichen wissenschaftlichen Unterbau darstellt. Alternative Fakten sozusagen. Fake News im besten Sinne. Unsere Luft ist so sauber wie noch nie zuvor in der Geschichte seit Beginn der Industrialisierung. Und unsere Lebenserwartung so hoch wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Also würde es gerade den seriösen Medien gut anstehen, hier kritisch gegenüber der Öko- und Umwelthysterie der Deutschen zu sein und mal die Frage zu stellen, wer diese komischen Grenzwerte eigentlich auf welcher wissenschaftlichen Basis (und nein, Epidemiologisches Würfelspiel gehört da ausdrücklich nicht dazu) festgelegt hat. Und was passieren würde, wenn man sie z.B. verdoppeln würde? Würden dann Menschen am Straßenrand tot umfallen? Aber bestimmt nicht.

    Hier wird von interessierte Seite (z.B. Toyota) über den Abmahnverein "Deutsche Umwelthilfe" (kling tt toll, ist aber nur ein Lobbyverband) systematisch DIE deutsche Schlüsselindustrie kaputt gemacht. Und weder Politiker noch Medienschaffende gebieten dem Einhalt. Im Gegenteil. Durch solche unreflektierten Artikel wie diesen wir das sogar noch befeuert. Also liebe Handelsblattler. Macht Euren Job. Und recherchiert mal zur Genese der "Grenzwerte", dem Nutzen (es stirbt keiner an Feinstaub oder NOx) im Verhältnis zu den kosten der kaputtgemachten Automobilindustrie und dem Wertverlust von Vermögen der privaten Haushalte durch Entwertung ihrer Fahrzeuge (Stichwort Grenzkosten zu Grenznutzen). Und sagt nicht "das ist aber ein Gesetz". Gesetze sind nur Buchstaben, die Menschen auf ein Stück Papier gekritzelt haben. Keine Naturkonstante wie die Gravitation. Gesetze kann man ändern oder ignorieren - und die Welt dreht sich trotzdem problemlos weiter.

  • Wovon wollen die Links-chaoten in Hamburg ablenken?

    Der Hafen mit seinen Schiffen erzeugt 10 mal mehr Dreck als alle Diesel-Autos der Welt zusammen. Wird man nun in Hamburg den Hafen für aller Tanker, Kreuzfahrtschiffe und Kutter schließen?

  • Zukünftig werden in den Weltmetropolen pauschal Diesel von der Innenstadt ausgeschlossen egal welche Normen sie erfüllen da sie mehr Schadstoffe ausstossen als vergleichbare Benziner oder Hybride, das ist nun mal Fakt.

    Während Japan wieder vorarbeitet und ihre Bus-Flotte bereits zu den olympischen Spiele 2020 auf Wasserstoff umstellen wird, kommen aus Deutschland immer noch Töne zum Diesel. Den Shinkansen gabs auch schon 20 Jahre vor dem ersten TGV und 30 Jahre vor dem ersten ICE. Die ersten Hybriden von Toyota gabs auch schon vor 20 Jahren und seitdem kriegen wir immer noch zu hören dass der Diesel doch besser sei. Jetzt ist es raus wie toll der Diesel ist. Aber wenn er bisher nicht so toll war dann ist er doch bestimmt in der Zukunft.

    Die neue 6D TEMP Norm ist bestimmt toll (schon der Name ist toll). Was ist aber mit dem Thermofenster ? Was nutzt mir die tolle Abgastechnik wenn sie wegen niedrigen Temperaturen das Halbe Jahr inaktiv ist ?

    Die deutsche Autoindustrie verpennt mal wieder einen Trend. Einfach nur noch peinlich.

  • Solange sich VW sträubt, europäische Kunden zu entschädigen, die Opfer des VW-Diesel-Betrugs wurden, gleichzeitig aber Vorstandsgehälter erhöht, sollte man den Teufel tun, sich auch nur mit dem Gedanken zu tragen, einen VW-Wagen zu kaufen.

    VW stiehlt sich in der Europa aus der Verantwortung.

    Das sollten europäische Kunden mit einem VW-Kaufboykott quittieren.

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