Drohungen der Milchbauern
Italienische Regierung will Parmalat retten

Der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat, der nach einem Milliardenbilanzskandal vom Zusammenbruch bedroht ist, hat Gläubigerschutz beantragt. Gleichzeitig erhielt er Rückendeckung aus Rom. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi berief den neuen Vorstandschef Enrico Bondi zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

HB ROM/BRÜSSEL. Bondi soll schnellstens Vorschläge zur Rettung des Betriebs und der Arbeitsplätze vorlegen. Zugleich rief die Regierung die EU auf, Notmaßnahmen für die italienische Milchwirtschaft zu bewilligen.

Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno sagte, auf „Bondi kommt eine schwierige Aufgabe zu“. Die Regierung werde ihn unterstützen, „um die Kontinuität der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion zu garantieren.“ Milchbauern drohten unterdessen an, ihre Lieferungen einzustellen. Sie haben nach eigenen Angaben teilweise seit Monaten kein Geld mehr erhalten.

Italienische Medien beziffern das Finanzloch nach neuesten Hinweisen auf sieben bis 13 Milliarden Euro. Parmalat-Büros sowie die Wohnung des Firmengründers und Ex-Vorstandschefs Calisto Tanzi in Parma wurden durchsucht. Das staatliche italienische Fernsehen berichtete, Tanzi halte sich vermutlich im Ausland auf. Experten sprechen von einem der größten Finanzskandale in der europäischen Unternehmensgeschichte. Insgesamt beschäftigt Parmalat weltweit rund 36 000 Menschen in 30 Ländern.

Bisherigen Erkenntnissen der Justiz zufolge hatte Parmalat wichtige Finanzdokumente gefälscht, um Bilanzwerte in Milliardenhöhe vorzutäuschen. Ein ehemaliger Top-Manager räumte laut Zeitungsberichten ein, dass es bereits seit 1988 Finanzmanipulationen gegeben habe. Diese seien von der obersten Unternehmensspitze angeordnet worden.

Die Regierung hatte am Dienstag ein Dekret erlassen, das Parmalat vor Gläubigerforderungen schützen und die Fortführung des Betriebs ermöglichen soll. Es gehe vor allem darum, Tausende Arbeitsplätze zu retten und landwirtschaftliche Zulieferbetriebe zu helfen.

Die EU-Kommission in Brüssel hat die italienische Regierung „um Klärung der Situation“ gebeten, sagte ein Sprecher. Die Kommission interessiert sich besonders für mögliche Hilfsmaßnahmen zu Gunsten der Milchwirtschaft. In Brüssel wurde daran erinnert, dass die EU- Staaten Rom im Frühjahr nach einem langen Tauziehen eine sehr großzügige Regelung bei Strafzahlungen wegen überschüssiger Milchproduktion eingeräumt hatten.

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