Industrie

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Druck auf BMW: Kampfansage gegen Zeitarbeit

exklusiv Im Aufschwung setzen die Autobauer vermehrt auf Leiharbeiter und schlechter bezahlte Werkverträge. Nun bläst die IG Metall zur Attacke auf BMW, um die Zeitarbeit zu begrenzen. Doch in München traut man dem Boom nicht.

„Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, kritisiert die IG Metall. Quelle: dpa
„Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, kritisiert die IG Metall. Quelle: dpa

MünchenDer nasse Schnee klatscht den Marschierenden frontal ins Gesicht, aber trotz des widrigen Wetters hat die IG Metall 3000 Menschen auf die Straße gebracht. Die Forderungen für die neue Tarifrunde sind bekannt: 6,5 Prozent mehr Lohn, Übernahme der Auszubildenden. Richtig zum Kochen bringt die IG Metall aber ein anderer Punkt: die massive Zunahme von Leiharbeit und Werkverträgen in der Metallindustrie. „Wir wollen, dass in den Betrieben eine Belegschaft arbeitet“, sagt Jürgen Wechsler, Chef der IG Metall in Bayern. Werde dieser Punkt nicht gelöst, „werden wir nicht vom Verhandlungstisch aufstehen“.

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Die Kampfansage vor den tollen Tagen gilt vor allem einem Unternehmen: BMW. Denn das Aufsichtsratsmitglied Wechsler und die IG Metall wollen den Autohersteller auf Linie bringen. Es geht um eine Begrenzung der Zeitarbeit. „Beim Thema Leiharbeit hat BMW maßlos überzogen“, sagt Horst Lischka, der ebenfalls für die Metallgewerkschaft im Aufsichtsrat des Autobauers sitzt.

Der Konflikt zeichnet sich seit Monaten ab: Statt in der Produktion zusätzliches Personal fest einzustellen, setzen die Autohersteller im Aufschwung vermehrt auf Leiharbeiter und Werkverträge. Nach Angaben der IG Metall in Bayern kommen bei BMW in den deutschen Werken auf gut 70.000 Beschäftigte 11.000 Leiharbeiter und zusätzlich 3000 bis 5000 Werkverträge, die befristet und schlechter bezahlt sind. Konkurrent Audi setzt laut eigenen Aussagen hingegen nur 2500 Leiharbeiter ein und hat nach Schätzungen der Gewerkschaft ebenfalls 3000 bis 5000 Werkverträge.

In welchen Branchen Zeitarbeiter arbeiten

  • Zahl der Zeitarbeitnehmer

    Insgesamt hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer in den vergangenen neun Jahren nahezu verdreifacht. 2002 waren lediglich circa 300.000 Zeitarbeiter beschäftigt, 2011 werden es Schätzungen zufolge 900.000 sein.

  • Automobilindustrie

    In der Automobilindustrie arbeiteten im Jahr 2010 15,8 Prozent aller Zeitarbeiter. Damit ist die konjunkturabhängige Sparte der größte Arbeitgeber der Top-10-Zeitarbeitsfirmen.

  • Energie, Verkehr, Logistik

    Rund 10,6 Prozent der Zeitarbeiter entfielen auf die Sparten Energie, Verkehr und Logistik.

  • Maschinenbau

    Läuft die Wirtschaft auf Hochtouren, ist der Bedarf an Zeitarbeitern im Maschinenbau hoch. Im Jahr 2010 waren 9,6 Prozent der Zeitarbeiter hier beschäftigt.

  • Baunebengewerbe

    Im Baunebengewerbe waren ebenfalls 9,6 Prozent der von den Zeitarbeitsfirmen vermittelten Arbeiter angestellt.

  • Elektrotechnik

    Lediglich 8,3 Prozent vermittelten die zehn größten Zeitarbeitsfirmen an die Elektrotechnik.

  • Konsumgüterindustrie

    In der Konsumgüterindustrie waren 2010 7,2 Prozent der Zeitarbeiter beschäftigt.

  • IT & Telekommunikation

    6,5 Prozent der Zeitarbeiter vermittelten die Personaldienstleister an Kundenfirmen aus der IT/Telekommunikationsbranche.

  • Luft- und Raumfahrt

    Auch die Luft- und Raumfahrt benötigt Zeitarbeiter. Hier waren im vergangenen Jahr 5,9 Prozent der Zeitarbeiter angestellt.

  • Chemie und Pharma

    Immerhin 5,6 Prozent der Zeitarbeiter kamen in der Chemie- und Pharmabranche unter.

BMW will auf Anfrage nicht beziffern, wie viele Leiharbeiter derzeit beschäftigt sind. „Zeitarbeit ist ein wichtiges Instrument, um uns die Flexibilität zu erhalten“, sagt ein Firmensprecher. So sei es mit Hilfe der Zeitarbeit gelungen, „in der Krise die Stammbelegschaft zu schützen und neue Arbeit zu schaffen“. Bezahlt werden die Leiharbeiter nach dem Grundtarif der Elektroindustrie, der allerdings meist die unterste Lohnstufe darstellt. Zusatzentgelte, Bonuszahlungen oder hausinterne Sozialleistungen bekommen die Leiharbeiter in der Regel nicht.

Zeit und Ort für die Attacke beim Thema Leiharbeit sind gut gewählt: Nirgendwo sonst in Deutschland ist die IG Metall in einer so guten Verhandlungsposition wie in Bayern. Die Arbeitslosigkeit ist gering, die bayerischen Autowerke laufen gut. BMW und Audi haben das Jahr 2011 mit Rekordzahlen abgeschlossen und laufen weiter unter Volldampf. Mit Umsatzrenditen jenseits der zehn Prozent verdienen die beiden Premiumhersteller so gut wie noch nie.

  • 01.12.2012, 11:21 UhrHarald.Joerke

    Ihch kann meinen Vorrednern nicht zustimmen. Mitlgieder von www.Rekruteam.de legen ihren Mitgliedsausweis zu ihren Bewerbungen und verhandeln das Entgelt direktt mit den Unternehmen. Die Unternehmen können den Zeitarbeiter (m/w)
    ab einem Faktor von 1,94 bis 2,06 direkt bei
    Rekruteam "bestellen" - Also erfolgt hier eine Bezahlun auf der Basis "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"!

    Harald Joerke

  • 02.05.2012, 14:28 UhrMoeSzyslak

    "Kein Leiharbeiter kann sich BMW leisten!!!" Was für ein toller Vergleich, gerechte Bezahlung äußert sich doch nicht darin, ob ich mir das Produkt, an dessen Herstellung ich beteiligt bin, leisten kann. Oder kennt ihr jemand, der bei Siemens arbeitet, und sich von seinem Gehalt ein Atomkraftwerk kaufen kann!? Ich finde die Entwicklungen bei den Automobilherstellern was die Zahlen von Leiharbeitern einerseits und Bonuszahlungen andererseits (mich würde in diesem Zusammenhang noch interessieren, wieviel die Außertariflichen Angestellten an Boni kassieren. Aber das wird natürlich unter Verschluß gehalten, sonst hätten Audi, Mercedes & Co. ein Image wie Goldman Sachs und Konsorten)auch bedenklich, mindestens genauso bedenklich wie die Grammatik und der Inhalt mancher Kommentare hier. In diesem Sinne...

  • 18.04.2012, 20:37 UhrA.Moosmann

    So lange die Leute dort für hunger lohn arbeiten und aber dagegen nix unternehmen. wird dieser Schweinerei auch ewig dauern. Kein Arbeiter, keine Produktion!!! kein Leiharbeiter kann sich BMW leisten!!! Was soll dieses gesülzte über Aufsichtrat, weg damit... Die Arbeit muss korrekt bezahlt werden und.

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