Druck im Tarifstreit erhöht
Auch bei Chrysler wird gestreikt

Unmittelbar nach Ablauf eines Ultimatums schickte die Autogewerkschaft UAW ihre Mitglieder im Tarifstreit beim US-Autobauer Chrysler am Mittwoch erneut auf die Straße.

NEW YORK. Die finanziell schwer angeschlagene US-Autoindustrie geht in den zweiten Arbeitskampf innerhalb weniger Wochen. In einem seit Monaten andauernden Tarifstreit hat die amerikanische Autogewerkschaft UAW jetzt auch dem US-Autokonzern Chrysler die Pistole auf die Brust gesetzt. Nachdem ein Ultimatum am Mittwochnachmittag, 17 Uhr deutscher Zeit, abgelaufen war, gingen die gewerkschaftlich organisierten Chrysler-Mitarbeiter auf die Straße. UAW-Präsident Ron Gettelfinger verstärkt damit den Druck auf die Chrysler-Führung. Für ihre Bereitschaft zu Kostensenkungen erhielten UAW-Mitglieder keine entsprechende Gegenleistung in Form von Produktionszusagen, hieß es zur Begründung.

Ende September hatte die Gewerkschaft bereits Mitarbeiter des Marktführers General Motors (GM) auf die Straße geschickt, den Streik allerdings schon nach zwei Tagen wieder beendet und eine bahnbrechende Einigung verkündet. Bei den Verhandlungen mit Chrysler geht es um die Löhne und Sozialleistungen für 49 000 Beschäftigte in den US-Werken sowie für mehr als 77 000 Familien von Chrysler-Arbeitern.

Das „Wall Street Journal“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Insider, dass sich die Verhandlungsführer von Industrie und Gewerkschaft zuletzt nur unwesentlich aufeinander zu bewegt hätten. Offensichtlich verlangt die New Yorker Beteiligungsfirma Cerberus als neue Chrysler-Eignerin noch tiefere Ein-schnitte in die Kostenstruktur als GM.

Zentrale Streitpunkte sind demnach milliardenschwere Einsparungen bei den ausufernden Krankheitskosten der Belegschaft, der von Cerberus geforderte Verkauf von Firmenteilen sowie Pläne zur Produktionsverlagerung nach Übersee.

Branchenexperten sehen in den Verhandlungen zwischen Cerberus und der UAW einen kritischen Testfall für die Branche: Er werde aufzeigen, ob Private-Equity-Firmen überhaupt noch eine Zukunft für die Autoproduktion in den USA sehen, sagte Sean McAlinden, Analyst des Center for Automotive Research in Ann Arbor, Michigan. GM hatte zuletzt immerhin Produktionszusagen bis 2011 für mindestens 55 der 82 UAW-Werke in den USA gemacht. Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger sah darin einen „totalen Outsorcing-Stopp“ und gab GM als Gegenleistung deutliche Einsparungen bei den Löhnen und Sozialleistungen. So kann der US-Konzern künftig neue Mitarbeiter einstellen, die nur noch etwa die Hälfte dessen verdienen, was die aktuellen UAW-Mitarbeiter nach Hause bringen.

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