Druck von Finanzinvestor
IWKA erwägt Verkauf der Verpackungssparte

Der jahrelange Druck des US-Finanzinvestors Guy Wyser-Pratte auf IWKA, die renditeschwache Sparte Verpackungsmaschinen zu verkaufen, trägt nun Früchte. Der angeschlagene Maschinenbauer will demnächst den Verkauf der Sparte prüfen.

HB STUTTGART. Nach einer zweitägigen Aufsichtsratssitzung kündigte der defizitäre Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauer am Freitag an, den Verkauf der Sparte zu prüfen und sich noch stärker auf die Automobil- und Robotertechnik zu konzentrieren. „In diesem Zusammenhang prüft der Vorstand Möglichkeiten zur Veräußerung der Verpackungstechnik“, teilte IWKA mit. Der Aufsichtsrat habe dem Konzept zugestimmt.

Der vor einem Jahr als Sanierer geholte IWKA-Vorstandschef Wolfgang-Dietrich Hein beugt sich damit dem streitbaren US-Investor, der seinen Vorgänger an der Spitze von IWKA 2005 aus dem Amt gedrängt hatte. Hein war dem Verfechter einer Konzentration auf die meist hochrentable Robotertechnik zuletzt schon entgegengekommen und hatte seinen Plan zur Expansion in der Verpackungstechnik fallengelassen. „Wir werden eher die Robotik stärken als die Verpackung“, beschrieb er seinen Schwenk in einem Zeitungsinterview.

Ursprünglich hatte Hein die Strategie verfolgt, aus dem zersplitterten Traditionskonzern IWKA einen Automatisierungsanbieter zu machen, der Roboter, Schweißanlagen und Verpackungsmaschinen in zahlreiche Branchen liefert. Die Sparte Verpackungstechnik umfasst rund 20 Firmen und erlöste im vergangenen Jahr knapp ein Viertel des Konzernumsatzes von 1,6 Mrd. Euro. 2005 waren die für die Molkereiwirtschaft, die pharmazeutische, kosmetische und Nahrungsmittelindustrie tätigen Gesellschaften in der Summe die einzigen Gewinnbringer von IWKA, da die von der Automobilbranche abhängigen Geschäftsbereiche Roboter und Produktionstechnik unter stornierten und unrentablen Aufträgen litten.

Wyser-Pratte kontrolliert gut sieben Prozent an IWKA und ist von Hein seit einer Gewinnwarnung im Frühjahr enttäuscht. Aus seinem Umfeld verlautete, Hein halte seine Versprechungen nicht ein. Buchverluste beim Verkauf von Töchtern werden bei IWKA in diesem Jahr erneut zu Verlusten führen. Die von Hein noch zu Jahresbeginn gehegten Hoffnungen auf eine Dividende wurden damit Makulatur.

Die im Nebenwerte-Index MDax notierten IWKA-Aktien reagierten auf die Verkaufspläne mit einem Kursplus von 1,5 Prozent auf 16,28 Euro - gegen den Markttrend. Damit rangieren die Papiere aber immer noch weit unter dem Kurs zum Zeitpunkt von Heins Amtsübernahme vor einem Jahr und hinken dem MDax ein Drittel hinterher. Analysten versprechen sich von einer Fokussierung und einer Abspaltung der Verpackungsmaschinen eine höhere Rendite.

Über Heins Sanierungskonzept für den von der Autoindustrie abhängigen Konzern mit mehr als 80 Tochtergesellschaften kam es unternehmensnahen Kreisen zufolge wiederholt zum Streit mit dem seit Frühjahr amtierenden Finanzvorstand Jürgen Koch. Der lange Jahre im Maschinen- und Anlagenbau tätige Finanzmann genießt im Gegensatz zu Hein Wyser-Prattes Vertrauen und wurde schon von den neu im Aufsichtsrat vertretenen Anteilseignern berufen. Der bei der Sanierung des Werkzeugmaschinenbauers Gildemeister als Berater tätige Hein war noch von dem Aufsichtsrat berufen worden, der nach dem erzwungenen Abgang von Konzernchef Hans Fahr geschlossen den Hut genommen hatte.

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