HB BERLIN. Für die Industrie geht es um ein Milliardengeschäft. Experten schätzen den Markt für Heimatschutz auf ein jährliches Volumen von 35 Mrd. Euro. Der Bau der rumänischen Grenzsicherungsanlagen kostet 520 Mill. Euro. Rund 3,5 Mrd. Euro dürften Bund und Länder der Aufbau und Betrieb eines digitalen Funksystems in Deutschland kosten. Es soll das alte System ablösen, das nicht abhörsicher und störanfällig ist.
Trotz der heftigen Debatte um den Einsatz der Bundeswehr im Inneren erwartet Zoller, dass in den nächsten Jahren die bislang klaren Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit sowie den verschiedenen staatlichen Diensten durchlässiger werden. Die diversen Organisationen würden künftig enger zusammenarbeiten, prognostiziert der Manager.
EADS hat das zersplitterte eigene Rüstungsgeschäft, das jährlich rund 7,7 Mrd. Euro Umsatz erzielt, neu strukturiert. Analysten bemängeln aber, dass die Sparte vergleichsweise geringe Margen aufweist. Konkurrenten, wie BAE Systems oder Raytheon arbeiten profitabler. „Verteidigungsfirmen müssen neue Geschäftsfelder suchen“, sagt die britische Rüstungsanalystin Alexandra Ashbourne von Ashbourne Strategic Consulting. Mit dem Verkauf von Waffen ließe sich in Zukunft kein Geld mehr verdienen. Wachstum versprächen dafür Heimatschutz oder IT-Dienstleistungen für Regierungen.
Noch hängt das militärische Geschäft von EADS aber stark an klassischen Rüstungsaufträgen. Mit einer Reihe von Projekten will Zoller den Anteil seiner Sparte am EADS-Umsatz in den nächsten fünf Jahren von heute 25 Prozent auf 30 Prozent steigern. „Das erreichen wir durch die zeitgerechte Auslieferung der aktuellen Projekte wie dem Transporthubschrauber NH 90 oder dem Eurofighter.“
Bei dem Kampfjet, dem bisher teuersten europäischen Rüstungsprojekt, das wegen seiner hohen Kosten immer wieder in der Kritik steht, erwartet Zoller keine Einschnitte: „Ich gehe davon aus, dass der Eurofighter mit seinen Anpassungen an die neuen Anforderungen den Bedürfnissen der Streitkräfte entspricht. Es bleibt also bei den bestellten Stückzahlen“, glaubt der EADS-Rüstungschef. Für den Bau der Spionagedrohne Eurohawk, ein Projekt mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro, erwartet Zoller bald grünes Licht aus Berlin: „Wir rechnen mit einer Beschaffungsentscheidung in diesem Jahr – sobald der Haushalt steht.“ Nach Heimatschutz versprechen Drohnen einen lukrativen Wachstumssektor. „Wir wollen in Europa und der Welt die führenden Anbieter werden.“
Für EADS sei es wichtig, in Zukunft die Rolle eines Systemintegrators einzunehmen, sagt Christopher Dabrowski von Frost & Sullivan. Darunter versteht man im Rüstungsgeschäft Generalunternehmer, die komplette Waffensysteme vernetzen. EADS habe auf diesem Gebiet noch Nachholbedarf, bemängelt Dabrowski.
Der Druck auf die Rüstungsfirmen, ihre Geschäftsmodelle zu verändern, steigt jedenfalls – auch in Deutschland. „Ich erwarte nicht mehr Geld im Verteidigungshaushalt“, sagte Zoller. Daher müssten die nationalen Militärbudgets in Europa künftig zusammengelegt und mehr gemeinsame Projekte angepackt werden.
Die Rüstungsindustrie im Umbruch
Kleine Etats
Moderne Waffensysteme werden immer komplizierter und aus diesem Grunde teurer. Die Militäretats in Europa wachsen aber nicht.
Neue Geschäfte
Die Rüstungskonzerne suchen daher neue Geschäftsmodelle und -felder. Dazu zählen neben innerer Sicherheit Dienstleistungen für die Regierungen.
Breite Basis
Gute Margen erzielen die Firmen als Generalunternehmer. Dazu brauchen sie Know-how aus allen Bereichen: Land, Luft und Marine.
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