Druckanlagen
Koenig & Bauer glaubt nicht mehr an Druckmaschinen

Der Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer hat den Glauben an eine Erholung der Branche verloren: Das Unternehmen baut um und streicht bis zu ein Viertel seiner Arbeitsplätze. Spätestens 2016 will es wieder profitabel sein.
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FrankfurtDer Druckmaschinenbauer Koenig & Bauer glaubt nicht mehr an eine Erholung der Branche. Die Würzburger bauen daher den Konzern um und streichen bis zu ein Viertel ihrer 6.200 Arbeitsplätze. Vor allem die Produktion von Rollendruckmaschinen, wie sie für den Zeitungsdruck gebraucht werden, war in den vergangenen Jahren eingebrochen. Das wachsende Geschäft mit Verpackungs-Druckmaschinen konnte den Ausfall der einstigen Domäne von KBA nicht auffangen, wie das Unternehmen einräumte. Nach dem Plan sollen Teile der Produktion der riesigen Druckanlagen ganz auf Zulieferer verlagert werden, um auf das Auf und Ab in der Auftragslage schneller reagieren zu können.

Die eigene Produktion soll in einer eigenen Sparte gebündelt werden. Sie müsse sich in Konkurrenz zu Zulieferern bewähren und soll sich zugleich um externe Aufträge bemühen, erklärte ein Sprecher am Dienstag. „Wir brauchen keinen großen Dampfer, sondern viele kleine Schnellboote“, sagte KBA-Aufsichtsratschef Heinz-Joachim Neubürger, der frühere Siemens -Vorstand. Damit hoffe der Konzern Kostensenkungspotenziale zu heben, sagte ein Sprecher.

Zwischen 1.100 und 1.500 Stellen sollen gestrichen werden, die meisten davon am Firmensitz in Würzburg, wo vor allem Rollenmaschinen produziert werden. Auch in Mödling bei Wien und in Radebeul bei Dresden werde abgebaut. „Die Aufgabe oder der Verkauf von Standorten ist nicht ausgeschlossen“, hieß es in der Mitteilung. Der Weltmarkt für Rollenmaschinen sei seit 2006 um fast drei Viertel auf eine halbe Milliarde Euro geschrumpft. Der Markt für Bogenoffsetmaschinen, der noch halb so groß ist wie vor der Finanzkrise, werde bei 2,5 Milliarden Euro stagnieren.

„Wir sollten 2015 die ersten Früchte dieser Veränderungen sehen und spätestens 2016 wieder nachhaltig profitabel sein“, sagte Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann. Doch vorher stehen Koenig & Bauer mindestens zwei Verlustjahre bevor. 2013 würden Abschreibungen von rund 50 Millionen Euro auf den Buchwert der Werke fällig. Ein ähnlicher Betrag dürfte nach KBA-Angaben für den Stellenabbau hinzukommen, über den noch mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden muss. Dabei hatte das Unternehmen für das laufende Jahr ohnehin rote Zahlen erwartet, bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.

Börsianer reagierten ernüchtert, der Aktienkurs sank am Dienstag um zwei Prozent. „Schon seit Jahren wird KBA von Problemen verfolgt. Da überwiegt im Moment einfach die Enttäuschung“, sagte Analyst Eggert Kuls von M.M. Warburg. Vor allem ein Boom bei Banknoten-Druckmaschinen hatte KBA von 2009 bis 2012 in der Gewinnzone gehalten, als Konkurrenten wie Heidelberger Druck schon rote Zahlen schrieben. Der größte Konkurrent im Zeitungsdruck, Manroland, war sogar in die Pleite gerutscht und arbeitet inzwischen stark verkleinert weiter.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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