Druckmaschinen
Heideldruck wendet die Pleite ab

Der tief in den roten Zahlen steckende Maschinenbauer Heidelberger Druck hat eine drohende Insolvenz abgewendet. Der Maschinenbauer rechnet mit 850 Millionen Euro Staatshilfe. Dennoch wird das Unternehmen Tausende Mitarbeiter entlassen müssen.

HEIDELBERG. Mit Hilfe von staatlichen Garantien und neuen Bankkrediten könne die Finanzierung über die nächsten drei Jahre sichergestellt werden, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Heidelberg. Dennoch wird der Weltmarktführer in den kommenden Monaten voraussichtlich rund 3 300 Mitarbeitern kündigen, da die Nachfrage nach neuen Druckmaschinen im Zuge der Finanzkrise weltweit zusammengebrochen ist. Der Stellenabbau soll die Kosten drastisch drücken und Heidelberger Druck die Rückkehr in die schwarzen Zahlen ermöglichen.

„Wir hätten ohne die Hilfe des Staates unsere Finanzierung nicht klarbekommen“, räumte Schreier ein. Bund und Länder hätten „zu 98 Prozent“ Bürgschaften in Höhe von 495 Mio. Euro zugesagt, die Kreditanstalt für Wiederaufbau wolle ein Darlehen über 300 Mio. Euro geben. Insgesamt könne sich Heidelberger Druck damit bei den Banken voraussichtlich Kreditlinien über 1,4 Mrd. Euro für drei Jahre sichern.

Die entsprechenden Gremien des Bundes hätten ihre Zustimmung erteilt. Gestern Abend entsprach auch der Wirtschaftsausschuss des Landtags Baden-Württemberg dem Bürgschaftsgesuch. „Bis August werden alle Dokumente fertig sein“, sagte Schreier.

Heideldruck benötigt die Staatshilfe vor allem, weil eine Wandelanleihe über 300 Mio. Euro im Februar nächsten Jahres von den Gläubigern gekündigt werden kann. Angesichts der hohen Verluste, die das Unternehmen derzeit schreibt, waren die Banken nicht bereit, neue Kredite ohne Staatshilfen zu geben.

Für die neue Finanzierungsstruktur über insgesamt 1,4 Mrd. Euro muss Heideldruck aber wesentlich höhere Zinsen als bisher zahlen. War die Wandelanleihe mit drei Prozent verzinst, so liegen die Zinsen künftig nach Aussage von Finanzvorstand Dirk Kaliebe rund doppelt so hoch.

Die drei Jahre Laufzeit der neuen Finanzierung will der Vorstand nutzen, um eine neue Kapitalstruktur aufzubauen. „Wir prüfen auch die Refinanzierung an den Kapitalmärkten, aber die sind zurzeit nicht attraktiv“, sagte Schreier. Durch die Verluste ist die Eigenkapitalquote auf 25 Prozent gesunken. Da auch für das laufende Jahr ein Verlust erwartet wird, dürfte sie weiter sinken. In den vergangenen Monaten hatte es Gerüchte gegeben, dass Heideldruck einen Ankeraktionär suche. Der frühere Mehrheitsaktionär RWE hat seinen Anteil inzwischen auf acht Prozent reduziert und ist damit zweitgrößter Aktionär nach der Allianz, die noch rund zwölf Prozent hält. Beide wollen sich im Prinzip von ihren Industriebeteiligungen trennen.

Der Markt bleibt für Heideldruck schwierig. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet der Vorstand erneut einen Verlust und einen deutlich niedrigeren Umsatz als im Vorjahr. Für das gesamte Geschäftsjahr 2009/10 (31.3.) erwartet Schreier ebenfalls einen Verlust, zu dem er allerdings keine konkrete Prognose abgeben wollte.

Wie die Konkurrenten Koenig & Bauer und Manroland ist auch Heidelberg stark von der Konjunkturflaute auf dem Markt für Druckmaschinen getroffen. Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Umsatz um 18 Prozent auf knapp drei Mrd. Euro. Der Jahresfehlbetrag betrug inklusive Sondereinflüssen 249 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte Heideldruck noch 142 Mio. Euro Gewinn erzielt. Die Finanzschulden sind von 544 auf 760 Mio. Euro gestiegen. Die Dividende fällt deshalb für das vergangene Geschäftsjahr aus.

Der Vorstand hat ein Sparprogramm beschlossen, das innerhalb von zwei Jahren die Kosten um 400 Mio. Euro senken und 5 000 der knapp 20 000 Stellen im Konzern kosten soll. Bis Ende April haben bereits 1 700 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, überwiegend ohne betriebsbedingte Kündigungen. Seit November arbeiten 90 Prozent der Beschäftigten kurz.

Schreier erwartet, dass sich der Markt für Druckmaschinen mittelfristig wieder auf das Niveau vor der Krise erholen wird: „Wir gehen davon aus, dass das Geschäft in den Schwellenländern die Rückgänge in den Industrieländern ausgleichen kann.“ In den Schwellenländern würden mehr Standardmaschinen gebaut, weshalb Heideldruck am Ausbau in China festhalte.

Um unabhängiger von Konjunkturschwankungen zu werden, sollen am Hauptstandort Wiesloch/Heidelberg vermehrt Maschinen für den Verpackungsdruck gebaut und der Service und der Verkauf von Verbrauchsmaterialien wie Druckfarben gesteigert werden.

Die Börse quittierte die Zahlen mit einem Kursabschlag von knapp sechs Prozent auf Kurse um 4,77 Euro. Anfang des Jahres 2008 notierten die Titel noch bei rund 40 Euro. Die Analysten von Sal. Oppenheim vermissen bei Heideldruck eine klare Strategie, Kostensenken alleine reiche nicht und bewerten die Aktie mit „neutral.“

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