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Druckmaschinen: Insolvente Manroland wird zerschlagen

Die Entscheidung über die Zukunft des insolventen Druckmaschinenbauers ist gefallen: Der Konzern bleibt in deutscher Hand - wird aber zerlegt. Und auch chinesische Investoren könnten bald mitmischen.

Das Ringen um die Rettung des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland steht kurz vor dem Abschluss. Quelle: dpa
Das Ringen um die Rettung des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland steht kurz vor dem Abschluss. Quelle: dpa

MünchenMit Manroland wird ein traditionsreicher Konzern zerschlagen - um wenigstens ein Teil der Mannschaft und des Geschäfts zu retten. Fast die Hälfte der Jobs im Inland fällt dennoch weg. Früher war Manroland ein Branchenriese und bildete zusammen mit Heidelberger Druck und Koenig & Bauer die strahlende Weltspitze. Die Zeiten sind vorbei.

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Die Pleite von Manroland im vergangenen November kam unerwartet, aber nicht gänzlich überraschend. Die Druckindustrie steckt seit Jahren tief in der Krise. Vom Glanz früherer Jahre ist in der einstigen Vorzeigesparte des deutschen Maschinenbaus nicht mehr viel geblieben. Tausende Stellen wurden bereits gestrichen.

„Manroland ist inzwischen kein Großkonzern mehr, hat aber unglücklicherweise die Strukturen eines Großkonzerns beibehalten“, sagte Insolvenzverwalter Werner Schneider am Mittwoch, nachdem er den Rettungsplan verkündet hat. Das sei ein Teil des Problems der Branche. Während Schneider über die Lösung verhandelte, die nun in einen Teilverkauf an die Lübecker Possehl-Gruppe mündet, schreckten die Heidelberger mit einer Hiobsbotschaft auf. Wieder müssen 2.000 Stellen weg.

Außerdem sollen nach der Zerschlagung chinesische Investoren für Unternehmensteile an Bord geholt werden. Für den Bogendruck-Bereich in Offenbach sei dies eine Option, sagte Schneider am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Bisher habe die Zeitknappheit bei der Suche nach einer Lösung für den gesamten Konzern verhindert, dass chinesische Investoren zum Zuge kamen. Diese bräuchten für Entscheidungen „relativ lange“. Für das Offenbacher Werk, das durch einen Managament-Buy-Out gemeinsam mit einem Investor saniert werden soll, sei man jetzt nicht mehr in Eile.

Schneider führte aus, er habe selbst in Peking mit einem Staatskonzern über eine Gesamtlösung für Manroland verhandelt. Ob es sich um Shanghai Electric handelte, sagte er nicht. Der chinesische Industriekonzern, dem bereits der US-Zeitungsdruckmaschinen-Hersteller Goss gehört, zählte zu den Interessenten, kam aber nicht in die letzte Runde.

Der Kampf um Manroland

  • Lübecker Gruppe gegen US-Investor

    Zwei Bieter wollten Manroland zumindest in Teilen übernehmen. Auf der einen Seite stand die Lübecker Possehl-Gruppe, auf der anderen der US-Investor Platinum Equity, ein Beteiligungsunternehmen.

  • Unterschiedliche Sanierungskonzepte

    Während Possehl vor allem am Standortort Augsburg mit seiner Rollendruckfertigung interessiert ist, will Platinum Berichten zufolge das komplette Unternehmen übernehmen.

  • Struktur des Käufers

    Die Possehl-Gruppe, die jetzt zum Zuge kam, ist ein Konzern mit neun unabhängigen Geschäftsbereichen - vom Straßenbau über die Herstellung von Kuvertier- und Textilmaschinen bis hin zu Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen. Der Konzern erzielte 2011 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.

  • Wachstum durch Übernahmen

    Weltweit werden rund 9300 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte davon in Deutschland. Zukäufe in allen Bereichen gehören zur Strategie des Mischkonzerns.

  • Der amerikanische Investor

    Platinum Equity mit Sitz in den USA ist eine Beteiligungsgesellschaft und hält Anteile an vielen verschiedenen Firmen in ganz unterschiedlichen Branchen. In Deutschland kaufte Platinum 2010 etwa den insolventen Fürther Granulatehersteller ECKA.

  • Interessent gab sich bedeckt

    Anders als Possehl wollte sich Platinum im Vorfeld nicht dazu äußern, ob und in welchem Umfang für Manroland geboten wird. Seit 1995 hat Platinum mehr als 120 Übernahmen getätigt. Beteiligungsunternehmen kaufen Firmen, um sie etwa nach einer Sanierung weiter zu verkaufen.

Der Insolvenzverwalter sagte weiter, auch Manroland-Konkurrent Koenig & Bauer habe ein Angebot vorgelegt, allerdings nur für Teile des Konzerns. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um die Montage im Augsburger Rollenbereich mit 600 Mitarbeitern und den Serviceteil der Bogendruck-Sparte in Offenbach mit 100 Mitarbeitern.

Ob die zerschlagene Manroland oder die angeschlagene Heideldruck, die Branche ist längst nicht über den Berg. Zwar hat der deutsche Maschinenbau insgesamt die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise im Sog der Lehman-Pleite gut überstanden und etliche Firmen stehen heute besser da als je zuvor. Die Druckmaschinenbauer sind allerdings nie wieder richtig auf die Beine gekommen. In der Konjunkturflaute brach der Werbedruck und damit der Bedarf nach Neumaschinen ein. Mit dem Anziehen der Konjunktur wuchsen zwar die Werbebudgets der Kunden wieder, aber mit der Digitalisierung in den Medien und dem Siegeszug von Smartphones und Tabletcomputern kam vom Aufschwung nur wenig bei den Druckereien an. Betroffen sind vor allem hier Bogendruckmaschinen, eine Spezialität von Heideldruck. Manroland fertigt solche Maschinen im hessischen Offenbach. Für diesen Standort geht nun die zweite Runde los - die Suche nach einem Investor.

  • 18.01.2012, 20:54 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Das Grundproblem im Maschinenbau: Konzernstrukturen. Konzerne entwickeln ein hierarchisches, bürokratisches Eigenleben und bewegen sich vom Kunden und vom Markt weg. Hierzu gehören abgehobene, völlig überbezahlte Vorstände (einschl. Stäbe wie Rechtsanwälte, Marketing, Personalabteilungen, Verwaltung, etc.) und Arbeitnehmervertretungen (IG Metall, überbordene Betriebsratsstrukturen), die oft genug Kumpanei zu Lasten der Eigentümer betreiben. Warum Allianz-Versicherungen ein Unternehmen wie Manroland führen wollte, kann man nur der Hypris von angeblich allwissenden Versicherungsmanagern zuschreiben. Maschinenbauunternehmen funktionieren dort am besten und sind dann profitabel, wenn sie eigentümergeführt sind. Nur in diesem Rahmen schaut man ganz genau (Tag für Tag) auf Strukturen, Kosten und die Technik (!!!). Man muß bei komplexen Produkten und komplexen Strukturen "nah" dran und im Zweifel auch autoritär sein. Vom Konzernturm aus bekommt nichts mit. Zumeist sind Konzernvorstände zu unwissend bzw. ungebildet für das technische (!!!) Produkt. Mangelnde Führungsqualität vor Ort kommt hinzu. Soweit ich weiß, ist König&Bauer das bestgeführte Unternehmen dieser spezifischen Maschinenbau-Branche. Warum wohl?

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