Drupa 2008
Messe jubelt, Branche leidet

"Wir werden die größte Messe für Druck und Papier veranstalten, die es je gegeben hat." Werner Dornscheidt, Chef der Messe Düsseldorf, schwelgt in Superlativen, wenn er von der bevorstehenden Drupa spricht. Die nur alle vier Jahre stattfindende Weltleitmesse für die Druck- und Papierbranche ist in der Tat ein Superlativ.

DÜSSELDORF. Mit 175 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und 19 voll belegten Hallen ist das Messegelände im Düsseldorfer Norden nahe am Flughafen in der Zeit vom 29. Mai bis 11. Juni ausgebucht. "Viel mehr Platz können wir gar nicht vermieten", sagt Messe-Chef Werner Dornscheidt.

Die Drupa hat sich in ihrer 50-jährigen Geschichte als wichtigste Messe der Branche etabliert. Mit 1 971 Ausstellern aus 52 Ländern ist das Interesse größer denn je. 400 000 Besucher erwarten die Veranstalter und übertreffen damit bei weitem die vor kurzem beendete Hannover Messe, die nur 200 000 Besucher zählte. Allerdings zeigten dort immerhin 5 100 Aussteller ihre Waren und das auch nur an fünf Messetagen. "Was für die Sportler die Olympischen Spiele sind, ist die Drupa für die Print-Media-Branche", glaubt Dornscheidt. Lediglich in den Jahren 1990 und 2000, als Besucher und Aussteller angesichts des Booms in ihrer Euphorie kaum noch zu übertreffen waren, lag die Besucherzahl schon einmal über 400 000.

Die Düsseldorfer Messe ist auf jeden Fall der große Gewinner. Gerade erst hat sie Großveranstaltungen wie die Metav, Wire und Tube sowie die Interpack beendet, da sind die Hallen erneut gut gefüllt. Das Interesse an der Veranstaltung ist ungebrochen, das zeigt die erneut gewachsene Zahl der Aussteller. Zwar liegt die Zahl der vertretenen Unternehmen aus Deutschland mit 707 leicht unter dem Wert der letzten Drupa vor vier Jahren. Doch das wird durch die Nachfrage aus dem Ausland mehr als kompensiert. Alleine aus China kommen 139 Aussteller und füllen eine komplette Halle.

Im Gegensatz zum Veranstalter tönen die Stimmen der ausstellenden Unternehmen eher in Moll. "Die Branche geht derzeit durch turbulente Zeiten", sagt Albrecht Bolza-Schünemann, Drupa-Präsident und Chef des Druckmaschinen-Herstellers Koenig & Bauer. Zwar dominieren die drei deutschen Hersteller Heidelberger Druckmaschinen, MAN-Roland und Koenig & Bauer mit über 60 Prozent klar den Weltmarkt für Druckmaschinen. Doch das Geschäft ist schwierig geworden. Der schwache Dollarkurs, die Konjunkturprobleme in den USA, die Bankenkrise und die zunehmende Konkurrenz aus Japan und China haben tiefe Spuren in den Bilanzen der drei deutschen Weltmarktführer hinterlassen.

Auch die deutsche Druckindustrie, also die überwiegend mittelständischen Druckbetriebe, ist für 2008 skeptisch und erwartet nur noch ein reales Umsatzwachstum von 1,6 Prozent nach 2,4 Prozent im Vorjahr. Grund sind die gering wachsenden Werbeausgaben der deutschen Wirtschaft. Zusätzlich belasten steigende Energiekosten und Papierpreise. Die Papierhersteller melden ebenfalls niedrigeres Wachstum, sehen allerdings die Talsohle durchschritten und hoffen auf Impulse durch Olympia und die Fussball-Europameisterschaft.

Trotz der Konjunkturflaute ist den auf der Drupa versammelten Branchenvertretern um die Zukunft des bedruckten Papiers nicht bange. Prognosen erwarten, dass der globale Verbrauch von Papier, Pappe und Karton von heute 380 Mill. Tonnen bis zum Jahr 2015 auf 440 Mill. Tonnen steigen wird. "Totgesagte leben länger", stellt die Unternehmensberatung Roland Berger in einer neuen Studie zur Zukunft der Printmedien fest. Als Beleg verweist Drupa-Präsident Bolza-Schünemann auf das Beispiel der weltbekannten Online-Enzyklopädie Wikipedia an, die jetzt auch gedruckt werden soll.

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