DSM und Lonza können zulegen
Spezialchemie-Hersteller arbeiten sich aus Krisental heraus

Bei den europäischen Herstellern von Spezialchemie machen sich die Umbaumaßnahmen der vergangenen Jahre langsam bezahlt. Die Branche hatte ihre heutige Struktur Anfang der 90er-Jahre erhalten und hatte sich zwischen den großen Produzenten ölnaher Grundchemikalien wie BASF und den forschungsintensiven Pharmakonzernen wie Novartis positioniert. Gestiegene Rohmaterialpreise und eine unübersehbare Produktvielfalt hatten der Branche in den vergangenen zwei Jahren jedoch zu schaffen gemacht.

FRANKFURT/BASEL. Gestern haben die Zahlen der niederländischen DSM und der Schweizer Lonza gezeigt, dass es wieder aufwärts geht. Die Niederländer steigerten den operativen Gewinn im zweiten Quartal um 44 Prozent. Der Nettogewinn legte von Januar bis Juni um fast die Hälfte auf knapp 400 Mill. Euro zu, während der Umsatz um sieben Prozent auf 3,9 Mrd. Euro stieg. Auch für das Gesamtjahr kündigte der Konzern ein deutliches Gewinnplus an, was der DSM-Aktie gestern einen Kursplus von rund zwei Prozent bescherte.

DSM profitierte von höheren Margen bei Industriechemikalien und Kunststoffen sowie von Strukturverbesserungen im wichtigen Bereich Ernährungsprodukte, der rund ein Viertel zum Gesamtumsatz beiträgt. Diesen Bereich hatte DSM vor drei Jahren durch den Kauf der Vitaminsparte von Roche ausgebaut. Auch im verlustträchtigen Antibiotika-Geschäft habe man die Ertragskraft verbessert, doch sei das operative Ergebnis noch leicht negativ, teilte der Konzern mit.

Bei Lonza zeigt die von Konzernchef Stefan Borgas verordnete Wachstumsstrategie Wirkung. Im ersten Halbjahr 2005 steigerte der Baseler Chemiekonzern den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,6 Prozent auf 800 Mill. Euro. Der Reingewinn erhöhte sich um 24,3 Prozent auf umgerechnet 57 Mill. Euro. Das Wachstum verdankt Lonza dem Bereich Biopharmazeutika, der davon profitierte, dass eine Großanlage in Portsmouth in den USA erstmals voll in Betrieb war. Das angestammte Feinchemikaliengeschäft erlitt währungsbedingte Umsatzeinbußen. Die Gewinnmarge blieb aber mit 15,2 Prozent konzernweit die höchste. In seinem Ausblick bestätigte der frühere BASF-Manager Borgas das Ziel, den Betriebsgewinn bis Ende 2006 auf 200 bis 250 Mill. Euro zu steigern.

Analysten zeigten sich trotz der guten Ergebnisse zum Teil skeptisch. Nina Baiker von der Zürcher Kantonalbank hält die Situation der Spezialchemie angesichts hoher Kosten für Rohstoffe und Energie für unverändert schwierig. Martin Vögtli von den Vermögensverwaltern bei Vontobel hält aber bei Firmen wie Lonza und DSM, aber auch Bayer und Ems-Chemie kontinuierliche Gewinnsteigerungen für wahrscheinlich.

Tatsächlich wird der Erfolg der Kostensenkungsprogramme über die Zukunft der Branche entscheiden. Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant spart massiv in Deutschland, nachdem er noch im ersten Quartal Ertragsrückgänge verbuchen musste. Operativ ist für DSM, Clariant und Co. erst einmal wenig zu holen: Die Branche kann ihre gestiegenen Rohstoffpreise nur begrenzt an die Kunden weitergeben, da die Weiterverarbeiter ihrerseits wieder unter starkem Preisdruck leiden. „Der Raum für Preiserhöhungen wird allmählich eng“, meint Vögtli. Die niederländische Akzo musste sich im ersten Halbjahr bereits mit nur mäßigen Ertragsverbesserungen in ihren Chemiesparten begnügen.

Auch in den USA sind viele Chemiehersteller in den vergangenen Wochen vorsichtiger geworden. Dupont sowie Rohm & Haas enttäuschten in den vergangenen Tagen mit einem gedämpften Ausblick für das zweite Halbjahr.

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